Solarmodule an der Südfassade des Mehrfamilienhauses im Albert-Mücke-Ring in Meißen (Foto: SEEG Service GmbH)

Solarmodule an der Südfassade des Mehrfamilienhauses im Albert-Mücke-Ring in Meißen (Foto: SEEG Service GmbH)

Meißener Mehrfamilienhaus: Solar und Wärmepumpe machen Miete sozialverträglich

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Nach vier Jahren feierte die SEEG Service GmbH im Juli 2021 die umfassende Modernisierung des Gebäudes Albert-Mücke-Ring 12 – 12b, die bereits im Dezember 2019 abgeschlossen wurde. Die 12 Zweiraumwohnungen, 6 Dreiraumwohnungen und 5 Vierraumwohnungen mit Wohnflächen zwischen 39 und 91 m2 versorgen sich nun mit Photovoltaik und Erdwärme-Wärmepumpen nahezu energieautark.

Bei dem Modellprojekt „Meißner Wohnen 4.0“ der SEEG wird der Wärmebedarf der Häuser im KfW-Standard 55. zu 95 bis 100% mit Erdwärme, der Strombedarf zu 70 Prozent mit Solarenergie abgedeckt. Der hohe Eigenverbrauch des selbst produzierten PV-Stroms wird u.a. mit einem Tesvolt-Stromspeicher gewährleistet. Den Mietern der beiden fertiggestellten Gebäude wird mit einer Energiepauschale eine sozialverträgliche Miethöhe ermöglicht.

Erdwärme und Photovoltaik sind Kernelemente klimafreundlichen Wohnens

Als Ergebnis der örtlichen Gegebenheiten erfolgt die Wärmeversorgung des Gebäudes mittels Geothermie. Dabei zirkuliert ein Wärmeträger-fluid durch neun Erdwärmesonden, die Wärme wird entzogen und mit Wärmepumpen auf das erforderliche Temperaturniveau gebracht. Die Abgabe der Wärme erfolgt über eine Flächen-heizung im Fußboden. Das Warmwasser wird ebenfalls über Wärmepumpen und einem Frischwassermodul bereitgestellt.

Der Strom für Wärmepumpen, Lüftungsanlage, Mieter- und Allgemeinstrom und bei Bedarf die Aufladung von Elektrofahrzeugen wird weitestgehend durch eine Photovoltaik-Anlage auf Dach und Südfassade erzeugt.

Die Solarmodule wurden dabei nicht nur auf dem Flachdach des Mehrfamilienhauses installiert, sondern auch an der Süd-Fassade. Die teiltransparenten Module verleihen der Fassade eine ganz besondere, innovative Optik und fungieren gleichzeitig als Sonnenschutz. So sind die Module nicht nur optimal ausgerichtet, sondern tragen im Sommer zu einem angenehmen Wohnklima bei.

Eine Herausforderung des Energiekonzeptes war es, Energieangebot und -bedarf zu harmonisieren. Zwei Pufferspeicher mit je 1.500 l stehen zur Verfügung. Um Lüftungswärmeverluste zu vermeiden, kommt eine Lüftungsanlage mit ca. 83% Wärmerückgewinnung zum Ein-satz. Die Auslegung der PV-Anlage ist auf eine vollständige Abdeckung der Wärmepumpen-versorgung ausgelegt, die nur an wenigen Tagen im Jahr benötigt wird.

Die Einspeisung des überschüssigen Solarstroms erfolgt in die Allgemein- sowie Mieterbereiche. Wenn keine Abnahme erfolgt, wird der Solarstrom in einen 150 kW Stromspeicher vorgehalten und darüber hinaus in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Um die komplette Stromversorgung des Wohnhauses zu gewährleisten, erfolgt hauptsächlich in den Wintermonaten ein Stromzukauf.

„Bis 2050 soll in Deutschland der Gebäudesektor nahezu klimaneutral sein. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, das nur zu erreichen ist, wenn möglichst viele Häuser Solarwärme und -strom für ihren gesamten Energiebedarf produzieren und speichern. ‚Meißner Wohnen 4.0‘ zeigt, wie diese Ziele erreicht werden können“, sagte der sächsische Staatsminister Thomas Schmidt bei einem Besuch des energieautarken Mehrfamilienhauses gemeinsam mit Bürgermeister Markus Renner und Vertretern der Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungsgesellschaft Meißen mbH (SEEG) am 28. Juli 2021 in Meißen.

Kostenvorteile werden als Grundmiete und Energiepauschale weitergegeben

Mit einer bezahlbaren Miete wird die klare soziale Ausrichtung des Projekts gesichert. Die Pilotförderung des Freistaates Sachsen sowie der Tilgungszuschuss des KfW-Energieeffizienzhauses ermöglichten die für den ersten Neubau attraktive Grundmiete von 9,10 €, einschließlich Energiepauschale.

Auf Grundlage realisierter, zusätzlicher Investitionskosten wie auch der jährlichen Bewirtschaftungs- und Finanzierungskosten wurde neben der Grundmiete eine Energiepauschale angeboten. Diese umfasst den privaten Haushaltsstrom, Gemeinschaftsstrom, Heizwärme und Warmwasser und macht übliche Energie-Messdienstleistungen und -abrechnungen über-flüssig.

Der Erfolg der anspruchsvollen technischen Lösung, samt neuem Vermietungsmodell, wird wesentlich vom Nutzerverhalten abhängen. Um Wirtschaftlichkeit und Sozialverträglichkeit zu steuern und zu sichern, ist ein mindestens 7-jähriges Monitoring vereinbart, auch um Erkennt-nisse zur Bezahlbarkeit und Fördernotwendigkeit dem Fördermittelgeber weiterzugeben.

Die Kostensicherheit bezüglich der Energiekosten, einschl. Haushaltsstrom, der Verzicht auf Ablesung und Tausch von Messgeräten wurde von den Mietinteressenten positiv bewertet. Eine zukünftig steigende CO2-Bepreisung für Wärmeerzeugung kommt nicht zur Anwendung. Auch die geregelte Lüftung mit Wärmerückgewinnung, ein Wohlfühlfaktor bezüglich behaglicher Temperatur im Sommer wie im Winter sowie besserer Luftqualität hinsichtlich CO2- Gehalt und Luftfeuchte, ohne Gefahr von Schimmelbildung, fand Wertschätzung.

Der Neubau der Mehrfamilienhäuser ist Bestandteil eines Quartierkonzeptes. Dieses Konzept sieht neben dem Neubau auch die Sanierung von Gebäuden und den Bau von Reihenhäusern vor. Letztere befanden sich schon 2021 in der Realisierung. Damit werden viele verschiedene Wohnformen möglich.

Neben der Schaffung von generationsübergreifendem Wohnen soll in dem Quartier das soziale Miteinander unterstützt werden. Ein Beitrag soll ein Nachbarschaftstreff leisten. Wichtige Standortfaktoren sind die guten Einkaufsmöglichkeiten, eine Schule und ein Kindergarten sind in unmittelbarer Nähe. Zudem gibt es eine gute Verkehrsanbindung und ein gut ausgebautes Radwegenetz, so wurde für Familien in dem Quartier sehr viel getan.

Ausgezeichnetes Modellprojekt für nachhaltiges Wohnen

Die komplett barrierefrei erreichbaren Wohnungen sind im Wohnungsmix aus 2-, 3,- und 4-Raumwohnungen für Single oder Familien und insbesondere für Ältere generationsübergreifend geeignet und ebenso angemietet worden. Neben der innovativen Energieerzeugung haben die zukunftsfähige Gebäude- und Wohnungsausstattung, die Funktionalität der Grundrisslösung sowie die Bezahlbarkeit die neuen Mieter überzeugt. In unmittelbarer Nähe wird ergänzend ein behindertengerechter Quartierstreff zur Nutzung angeboten.

Für das Projekt „Wohnen 4.0 – energieautarkes Wohnen mit Energiepauschale. Ein Mehrgenerationenhaus versorgt sich selbst mit Wärme und Strom“ wurde die SEEG Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungsgesellschaft Meißen mbH mit dem DW-Zukunftspreis 2021 ausgezeichnet.

Durch die Nutzung unterschiedlicher Formen von erneuerbarer Energie wie Geothermie, Photovoltaik, Wärmepumpe und die Harmonisierung von Energieversorgung und -bedarf erreicht das Projekt weitgehende Energieautonomie. Dieser mutige Modellansatz ist zukunftsorientiert und nachahmenswert“ heißt es in der Begründung zur Auszeichnung.

Der „Albert-Mücke-Ring 12b“ in Meißen ist ein Modellprojekt, welches der Freistaat Sachsen mit einer Pilotförderung unterstützt hat. Der Stadt Meißen wurden im Jahr 2019 insgesamt 200.000 Euro Landesmittel bewilligt, die auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes zur Verfügung gestellt wurden.

Steckbrief
Projektnummer:
2664
Objekt:
Mehrfamilienhaus
Ort:
Meißen
Beteiligte Unternehmen:
SEEG Service GmbH
Hersteller:
Tesvolt
Baujahr:
2019


Bilder

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Projektnummer:
2664
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Ort:
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Hersteller:
Tesvolt
Baujahr:
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