energie-experten.org: Aktuelle Artikel https://www.energie-experten.org/ Die aktuellsten Artikel von den Energie Experten de energie-experten.org: Aktuelle Artikel https://www.energie-experten.org/fileadmin/relaunch/extensions/news/energie_rss.gif https://www.energie-experten.org/ 144 29 Die aktuellsten Artikel von den Energie Experten TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Wed, 04 Dec 2019 11:33:42 +0100 Hamburg beschließt ambitioniertes Klimaschutzgesetz https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/hamburg-beschliesst-ambitioniertes-klimaschutzgesetz-4801.html Bis 2030 soll der Hamburger CO2-Ausstoß um 55 Prozent sinken, bis 2050 soll Hamburg klimaneutral... Der Hamburger Senat hat nun das "Gesetz zur Änderung der Verfassung, zum Neuerlass des Hamburgischen Klimaschutzgesetzes sowie zur Anpassung weiterer Vorschriften" beschlossen. Gemäß Artikel 1 wird in der Verfassung der Freien und Hansestadt Hamburg vom 6. Juni 1952 künftig folgender Satz zu lesen sein:

"Insbesondere nimmt die Freie und Hansestadt Hamburg ihre Verantwortung für die Begrenzung der Erderwärmung wahr.“

Artikel 2 regelt das "Hamburgische Gesetz zum Schutz des Klimas (Hamburgisches Klimaschutzgesetz - HmbKliSchG)", das die Ziele des Hamburger Klimaplans gesetzlich verankert:

"Ziel dieses Gesetzes ist es, das Klima zu schützen und einen Beitrag zur Sicherung der Erreichung der Ziele des Übereinkommens von Paris vom 12. Dezember 2015 zu leisten. Dies soll im Rahmen der Möglichkeiten und Zuständigkeiten der Freien und Hansestadt Hamburg erreicht werden, unter anderem durch eine möglichst sparsame, rationelle und ressourcenschonende sowie eine umwelt- und gesundheitsverträgliche Erzeugung, Verteilung und Verwendung von Energie im Rahmen des wirtschaftlich Vertretbaren."

Dekarbonisierung der Hamburger Wärmenetze

Ein großes Potenzial, die CO2-Ziele zu erreichen, sieht die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie im Ausbau und der qualitativen Verbesserung der Fernwärmeversorgung mit dem Ziel einer auf mittlere Sicht vollständigen Dekarbonisierung.

Das Hamburger Klimaschutzgesetz definiert hierzu weitreichende Verpflichtung an die Stadt Hamburg in § 9 "Wärme aus Kohleverbrennung in Wärmenetzen":

(1) Die Freie und Hansestadt Hamburg und die in ihrem Eigentum stehenden Wärmeversorgungsunternehmen werden spätestens nach dem 31. Dezember 2019 keine von Dritten unmittelbar aus Stein- oder Braunkohle produzierte Wärme beziehen oder vertreiben.

(2) Die Freie und Hansestadt Hamburg und die in ihrem Eigentum stehenden Wärmeversorgungsunternehmen werden spätestens nach dem 31. Dezember 2030 keine Wärme selbst erzeugen oder vertreiben, die unmittelbar auf der Erzeugung aus Stein- oder Braunkohle basiert.

Damit wird das Abschalten und der klimafreundliche Ersatz des Kraftwerks Wedel sowie die klimafreundliche Umrüstung des Kraftwerks Tiefstack gesetzlich festgeschrieben.

Verbot von Stromdirektheizungen und Öl-Heizungen

Das Hamburger Klimaschutzgesetz zieht aber auch bei der dezentralen Wärmeversorgung die Zügel an. So ist u.a. "der Neuanschluss fest installierter Stromdirektheizungen zur Erzeugung von Raumwärme mit mehr als zwei Kilowatt Leistung für jede Wohnungs-, Betriebs- oder sonstige Nutzungseinheit unzulässig" (§ 11 Beschränkungen für den Neuanschluss und Ersatz elektrischer Heizungen - Pkt. 1).

Betroffen sind elektrische Widerstandsheizungen auch in Verbindung mit Festkörper-Wärmespeichern wie z. B. elektrische Direktheizungen und Nachtstromspeicherheizungen. Auch der Weiterbetrieb der in Hamburg noch bestehenden Stromdirektheizungen soll nach 2025 verboten sein. Das Verbot gilt dann, wenn eine Anlage ausgetauscht bzw. ersetzt werden muss.

Ölheizungen im Neubau sollen gemäß § 12 "Beschränkungen für bestimmte Heizkessel" ab Januar 2022 nicht mehr zulässig sein, beim Austausch bestehender Anlagen ist für den Energieträger Heizöl ab 31.12.2025 Schluss.

(1) Der Neuanschluss von Heizkesseln, die mit flüssigen fossilen Brennstoffen betrieben werden, ist nach dem 31. Dezember 2021 unzulässig. Dies gilt nicht für Heizkessel, die mit Flüssiggas betrieben werden.

(2) Das Verbot nach Absatz 1 gilt auch für den Austausch und Ersatz von Heizkesseln nach dem 31. Dezember 2025.

(3) Das Verbot nach den Absätzen 1 und 2 gilt nicht, wenn der Verzicht auf den Neuanschluss, Austausch und Ersatz von Heizkesseln im Einzelfall technisch unmöglich ist oder soweit er im Einzelfall wegen besonderer Umstände durch einen unangemessenen Aufwand oder in sonstiger Weise zu einer unzumutbaren Härte führen würde.

Pflicht zur Solarstromerzeugung ab 1. Januar 2023 beim Neubau

So sieht das Hamburgische Klimaschutzgesetz (HmbKliSchG) in § 16 "Verpflichtung zum Vorhalten einer Anlage zur Stromerzeugung durch Nutzung solarer Strahlungsenergie" eine Pflicht zur Installation von Solaranlagen ab 2023 auf Hamburgs Dächern vor.

(1) Die Freie und Hansestadt Hamburg strebt langfristig an, dass alle geeigneten Dachflächen möglichst in Kombination mit Gründächern und unter Berücksichtigung der Anforderungen des Schutzes von Bäumen im Stadtgebiet soweit technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar zur Stromerzeugung durch die Nutzung solarer Strahlungsenergie genutzt oder zur Verfügung gestellt werden.

(2) Die Eigentümerinnen und Eigentümer von Gebäuden, deren Baubeginn nach dem 1. Januar 2023 liegt, haben sicherzustellen, dass Anlagen zur Erzeugung von Strom aus solarer Strahlungsenergie auf der Dachfläche errichtet und betrieben werden. Sie können sich zur Nutzung der solaren Strahlungsenergie auf Dachflächen eines Dritten bedienen.

(3) Die Pflicht nach Absatz 2 gilt auch bei vollständiger Erneuerung der Dachhaut eines Gebäudes, die nach dem 1. Januar 2025 begonnen wird.

(4) Die Pflicht nach den Absätzen 2 und 3 entfällt, soweit

1. ihre Erfüllung

a) anderen öffentlich-rechtlichen Pflichten widerspricht,

b) im Einzelfall technisch unmöglich ist,

c) wirtschaftlich nicht vertretbar ist,

2. ihre Erfüllung im Einzelfall wegen besonderer Umstände durch einen unangemessenen Aufwand oder in sonstiger Weise zu einer unbilligen Härte führen würde oder

3. auf der Dachfläche solarthermische Anlagen errichtet und betrieben werden.

Besonders bemerkenswert ist hierbei, dass Hamburg vorsieht, dass man sich auch der "Dachflächen eines Dritten bedienen" kann, was Miet- und Pachtmodelle vermutlich neuen Schub verleiehen dürfte, und, dass man seiner Pflicht auch mit einer Solarthermieanlage nachkommen kann.

15% Pflichtanteil erneuerbarer Energien an Wärmeerzeugung

§ 17 sieht eine "Nutzungspflicht von erneuerbaren Energien bei der Wärmeversorgung" vor. Ab 30. Juni 2021 müssen nach einem Austausch oder dem nachträglichen Einbau einer Heizungsanlage mindestens 15% des jährlichen Wärmebedarfs aus erneuerbare Energien gedeckt werden.

(1) Beim Austausch oder dem nachträglichen Einbau einer Heizungsanlage nach dem 30. Juni 2021 sind die Eigentümerinnen und Eigentümer der betroffenen Gebäude, die vor dem 1. Januar 2009 errichtet wurden, verpflichtet, mindestens 15 v.H. des jährlichen Wärmeenergiebedarfs durch erneuerbare Energien zu decken.

(2) Die Nutzung einer solarthermischen Anlage mit einer Aperturfläche von 0,04 m2 je m2 Nutzfläche bei Wohngebäuden mit höchstens zwei Wohnungen oder mit einer Aperturfläche von 0,03 m2 je m2 Nutzfläche bei Wohngebäuden mit mehr als zwei Wohnungen gilt als Erfüllung der Anforderungen nach Absatz 1.

(3) Die Erfüllung der Verpflichtung ist innerhalb von 18 Monaten nach Inbetriebnahme der neuen Heizungsanlage der zuständigen Behörde nachzuweisen.

(4) Geht das Eigentum an dem Gebäude auf neue Eigentümerinnen oder Eigentümer über, bevor die Nutzungspflicht nach Absatz 1 erfüllt ist, geht auch diese auf die neuen Eigentümerinnen oder Eigentümer über.

Für all diese Anforderungen wird es Ausnahmeregelungen geben, um die Entstehung unzumutbarer Härten im Einzelfall zu verhindern.

Der Entwurf des Hamburger Klimaschutzgesetzes umfasst 31 Paragrafen und geht nach dem Senatsbeschluss vom 03.12.2019 zur weiteren Beratung an die Bürgerschaft. Für die Verfassungsänderung ist eine Zweidrittelmehrheit in der Bürgerschaft notwendig.

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Wed, 04 Dec 2019 11:33:42 +0100
PV im Gebäudeenergiegesetz: Sparen Solaranlagen Baukosten ein? https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/pv-im-gebaeudeenergiegesetz-sparen-solaranlagen-baukosten-ein-4800.html Am 23.10.2019 hat das Bundeskabinett den Gesetzentwurf für das Gebäudeenergiegesetz (GEG)... Ein Kernpunkt der die Photovoltaik betreffenden Passagen des Gebäudeenergiegesetzes ist die Anrechnung von PV-Strom, der am oder in der Nähe des Gebäudes erzeugt wird. Vorgesehen ist im Regierungsentwurf, dass Strom aus PV-Anlagen auf die Gebäudeenergiebilanz angerechnet werden darf. Dies kann dem weiteren Ausbau der Solarenergie in Deutschland helfen. Befürworter eines hohen Effizienzstandards im Neubau kritisieren dies.

Photovoltaik kann jetzt vorgeschriebenen Anteil decken

Das Gebäudeenergiegesetz enthält für Neubauten nach § 10 Anforderungen an den Endenergiebedarf und an die anteilige Nutzung von erneuerbaren Energien zur Deckung des Wärme- und Kälteenergiebedarfs.

Den vorgeschriebenen Anteil von erneuerbaren Energien gab es bereits im Erneuerbare Energien Wärmegesetz (EEWärmeG). Darin ist der Einsatz von Solarwärme, Umweltwärme oder Bioenergie zur anteiligen Deckung des Energiebedarfs vorgeschrieben. Alternativ ist eine höhere Energieeffizienz des Gebäudes möglich.

Im Gebäudeenergiegesetz ist künftig, nach § 36, zusätzlich auch die Anrechnung von Strom aus erneuerbaren Energien möglich. Die Anforderung ist erfüllt, wenn der Wärme- und Kälteenergiebedarf mit Strom aus erneuerbaren Energien zu mindestens 15 Prozent gedeckt wird.

Bei der Nutzung von Photovoltaik auf Wohngebäuden ist die Anforderung erfüllt, wenn die Anlage mit einer Nennleistung von mindestens 0,02 Kilowatt je Quadratmeter Gebäudenutzfläche installiert und betrieben wird.

§ 36 Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien

Die Anforderung nach § 10 Absatz 2 Nummer 3 ist erfüllt, wenn durch die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien nach Maßgabe des § 23 Absatz 1 der Wärme- und Kälteenergiebedarf zu mindestens 15 Prozent gedeckt wird. Wird bei Wohngebäuden Strom aus solarer Strahlungsenergie genutzt, gilt die Anforderung bezüglich des Mindestanteils nach Satz 1 als erfüllt, wenn Anlagen zur Erzeugung von Strom aus solarer Strahlungsenergie mit einer Nennleistung von mindestens 0,02 Kilowatt je Quadratmeter Gebäudenutzfläche installiert und betrieben werden.

Anrechnung von Solarstrom auf den Jahres-Primärenergiebedarf

Eine weitere Neuerung im Gebäudeenergiegesetz ist die Art und Weise wie der Strom aus erneuerbaren Energien angerechnet werden darf. Bedingung ist dafür nach § 23, dass der Strom im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zum Gebäude erzeugt wird.

Darüber hinaus muss der Strom vorrangig im Gebäude, direkt nach der Erzeugung oder nach zwischenzeitlicher Speicherung, verbraucht werden. Nur die überschüssige Strommenge darf in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden.

§ 23 Anrechnung von Strom aus erneuerbaren Energien

(1) Strom aus erneuerbaren Energien, der in einem zu errichtenden Gebäude eingesetzt wird, darf bei der Ermittlung des Jahres-Primärenergiebedarfs des zu errichtenden Gebäudes nach § 20 Absatz 1 oder Absatz 2 und nach § 21 Absatz 1 und 2 nach Maßgabe der Absätze 2 bis 4 in Abzug gebracht werden, soweit er

1. im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zu dem Gebäude erzeugt wird und

2. vorrangig in dem Gebäude unmittelbar nach Erzeugung oder nach vorübergehender Speicherung selbst genutzt und nur die überschüssige Strommenge in das öffentliche Netz eingespeist wird.

Anders als in der Energieeinsparverordnung (EnEV) wird im Gebäudeenergiegesetz Strom aus erneuerbaren Energien von dem bereits ermittelten Jahres-Primärenergiebedarf abgezogen. Dies ist in § 23, Abschnitt 2 geregelt. Der Abzug beträgt 150 Kilowattstunden je Kilowatt installierter Nennleistung.

(2) Bei der Ermittlung des Jahres-Primärenergiebedarfs des zu errichtenden Wohngebäudes dürfen vom Ausgangswert in Abzug gebracht werden

1. für eine Anlage zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien ohne Nutzung eines elektrochemischen Speichers 150 Kilowattstunden je Kilowatt installierter Nennleistung und ab einer Anlagengröße von 0,02 Kilowatt Nennleistung je Quadratmeter Gebäudenutzfläche zuzüglich das 0,7fache des jährlichen absoluten elektrischen Endenergiebedarfs der Anlagentechnik, jedoch insgesamt höchstens 20 Prozent des Jahres-Primärenergiebedarfs des Referenzgebäudes nach § 15 Absatz 1, und

2. für eine Anlage zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien mit Nutzung eines elektrochemischen Speichers von mindestens 1 Kilowattstunde Nennkapazität je Kilowatt installierter Nennleistung der Erzeugungsanlage 200 Kilowattstunden je Kilowatt installierter Nennleistung und ab einer Anlagengröße von 0,02 Kilowatt Nennleistung je Quadratmeter Gebäudenutzfläche zuzüglich das 1,0fache des jährlichen absoluten elektrischen Endenergiebedarfs der Anlagentechnik, jedoch insgesamt höchstens 25 Prozent des Jahres-Primärenergiebedarfs des Referenzgebäudes nach § 15 Absatz 1.

Als Ausgangswert ist der Jahres-Primärenergiebedarf nach § 20 Absatz 1 oder Absatz 2 zu verwenden, der sich ohne Anrechnung des Stroms aus erneuerbaren Energien nach Absatz 1 ergibt.

Bei Anlagen mit Batteriespeicher erhöht sich gemäß §23 Absatz 3 der Abzug auf 200 kWh je kW installierter Nennleistung. Zusätzlich dürfen ab einer Anlagengröße von 0,02 Kilowatt Nennleistung je Quadratmeter Gebäudenutzfläche 70 Prozent des jährlichen absoluten elektrischen Endenergiebedarfs der Anlagentechnik abgezogen werden. Wird ein Batteriespeicher eingebaut, dann kann der komplette elektrische Endenergiebedarf der Anlagentechnik abgezogen werden.

Der Abzug vom Jahres-Primärenergiebedarf des Referenzgebäudes darf maximal 20 Prozent betragen, bei Einbau eines Batteriespeichers maximal 25 Prozent.

(3) Bei der Ermittlung des Jahres-Primärenergiebedarfs des zu errichtenden Nichtwohngebäudes dürfen vom Ausgangswert in Abzug gebracht werden

1. für eine Anlage zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien ohne Nutzung eines elektrochemischen Speichers 150 Kilowattstunden je Kilowatt installierter Nennleistung und ab einer Anlagengröße von 0,01 Kilowatt Nennleistung je Quadratmeter Nettogrundfläche zuzüglich das 0,7fache des jährlichen absoluten elektrischen Endenergiebedarfs der Anlagentechnik, jedoch insgesamt höchstens 20 Prozent des Jahres-Primärenergiebedarfs des Referenzgebäudes nach § 18 Absatz 1 und gleichzeitig insgesamt höchstens das 1,8fache des bilanzierten endenergetischen Jahresertrags der Anlage, und

2. für eine Anlage zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien mit Nutzung eines elektrochemischen Speichers von mindestens 1 Kilowattstunde Nennkapazität je Kilowatt installierter Nennleistung der Erzeugungsanlage 200 Kilowattstunden je Kilowatt installierter Nennleistung und ab einer Anlagengröße von 0,01 Kilowatt Nennleistung je Quadratmeter Nettogrundfläche zuzüglich das 1,0fache des jährlichen absoluten elektrischen Endenergiebedarfs der Anlagentechnik, jedoch insgesamt höchstens 25 Prozent des Jahres-Primärenergiebedarfs des Referenzgebäudes nach § 18 Absatz 1 und gleichzeitig insgesamt höchstens das 1,8fache des bilanzierten endenergetischen Jahresertrags der Anlage.

Als Ausgangswert ist der Jahres-Primärenergiebedarf nach § 21 Absatz 1 und 2 zu verwenden, der sich ohne Anrechnung des Stroms aus erneuerbaren Energien nach Absatz 1 ergibt.

Bei Gebäuden mit Stromdirektheizung ist, wie bisher in der EnEV, der monatliche Stromertrag der Anlage dem tatsächlichen Bedarf der Anlagentechnik gegenüber zu stellen. Sowohl für den Standort als auch für den Ertrag der Photovoltaikmodule sind Standardwerte zu verwenden.

(4) Wenn in einem zu errichtenden Gebäude Strom aus erneuerbaren Energien für Stromdirektheizungen genutzt wird oder in einem zu errichtenden Nichtwohngebäude die Nutzung von Strom für Lüftung, Kühlung, Beleuchtung und Warmwasserversorgung die Energienutzung für die Beheizung überwiegt, ist abweichend von Absatz 2 und 3 der monatliche Ertrag der Anlage zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien dem tatsächlichen Strombedarf gegenüberzustellen. Für die Berechnung ist der monatliche Ertrag nach DIN V 18599-9: 2018-09 zu bestimmen. Bei Anlagen zur Erzeugung von Strom aus solarer Strahlungsenergie sind die monatlichen Stromerträge unter Verwendung der mittleren monatlichen Strahlungsintensitäten der Referenzklimazone Potsdam nach DIN V 18599-10: 2018-09 Anhang E sowie der Standardwerte zur Ermittlung der Nennleistung des Photovoltaikmoduls nach DIN V 18599-9: 2018-09 Anhang B zu ermitteln.

Kritik: PV-Stromverwendung sollte an Wärme- und Kälteerzeugung gekoppelt sein

Gemäß Entwurf GEG § 23 soll die Anrechnung von Strom aus erneuerbaren Energien die physikalische Realität (Eigennutzung gemessen am Zähler) möglichst treffend abbilden. Anders als bisher (§ 5 der EnEV) erlaubt die Neuregelung (§ 23 des GEG‐Entwurfs) eine Anrechnung des Stromertrags auf der Ebene der Primärenergie.

Hierzu soll die Anrechnung von gebäudenah erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energien mittels § 23 Absatz 2 und 3 verbessert und vereinfacht werden. Dazu werden pauschale Werte für die Anrechnung festgelegt, und zwar differenziert nach Anlagen mit und ohne Batteriespeicher.

Das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) kritisiert, dass es aber das Ziel sein müsse, den Eigendeckungsanteil realistischer abzuschätzen als mit pauschalen Werten und verweist auf entsprechende Meßverfahren.

Branchenvertreter kritisieren zudem, dass keine Koppelung an die Nutzung zur Wärmeerzeugung erfolgt. Die eingezogene Deckelung der Anrechenbarkeit benachteilige zudem mit Wärmepumpen versorgte Gebäude, argumentiert der Bundesverband Wärmepumpe.

Problematisch sei außerdem, wie die PV als Ersatzoption für erneuerbare Wärmeversorgung anerkannt werde. Der Ausbau von Dachflächen-PV müsse mit der tatsächlichen Nutzung des Stroms für die Gebäudetechnik einhergehen, so der Verband.

Fazit: Photovoltaik vs. Gebäudeeffizienz - Ist das sinnvoll?

Das Gebäudeenergiegesetz bringt, insgesamt betrachtet, nicht den erhofften Fortschritt für den Klimaschutz. Die Anforderungen bleiben auf dem gleichen Niveau wie bisher. Nur die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien, z.B. mit Photovoltaik-Anlagen, wird mit dem GEG attraktiver.

Einerseits wird so auf Kosten der zukünftigen Gebäudeeffizienz die Stromerzeugung per Photovoltaik gefördert. Dies widerspricht der Zielsetzung des Gebäudeenergiegesetzes, da es nun möglich wird, "günstig" ohne einer dem (möglichen) Stand der Technik entsprechenden Wärmedämmung zu bauen. Die politische Handschrift der Bundesregierung, die das Bauen durch geringere Effizienzstandards billiger machen und auch die Förderung u.a. der Photovoltaik abschaffen will, wird hier deutlich.

Andererseits spiegelt sich in der einseitigen Begünstigung der Photovoltaik auch ein verändertes Begriffsverständnis des Gebäudes als Prosumer und Teil der Sektorenkopplung wider. Denn heute wäre es zu einseitig, den Nutzen der PV allein als individuelles Hilfsmittel einer autarkeren (Strom-)Selbstversorgung und Instrument der Stromnetzentlastung zu sehen. Die Photovoltaik, gerade die vielen Kleinanlagen, sind heute Kern virtueller Kraftwerke, die eine regionale, umweltfreundliche Stromversorgung und nicht nur die des einzelnen Haushalts ermöglichen.

Zudem unterstreicht die Anrechenbarkeit einer PV-Anlage im Neubau eine höhere Gewichtung der Notwendigkeit des weiteren Ausbaus erneuerbarer Energien. Statt weiterer Auflagen werden mit dem Gebäudeenergiegesetz Anreize gesetzt, sich eine Photovoltaik-Anlage anzuschaffen. Bei weiter sinkender EEG-Vergütung und stagnierenden Anlagenkosten kann diese einseitige Begünstigung hilfreich sein, einen höheren Bestand im Neubau zu erreichen.

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Mon, 04 Nov 2019 14:18:12 +0100
Ohmsches Erhitzen: Backen mit Stromstößen spart Energie und Zeit https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/ohmsches-erhitzen-backen-mit-stromstoessen-spart-energie-und-zeit-4799.html Stromstöße von innen backen glutenfreies Brot mindestens so erfolgreich wie Hitze von außen und... Von der guten alten Glühbirne kennt man es noch – wenn genügend Strom durch einen Draht fließt, glüht dieser vor Hitze. Das hängt mit dessen elektrischen Widerstand und dem Ohmschen Gesetz zusammen. Nimmt man statt eines Drahts einen Brotteig, glüht dieser zwar nicht – heiß wird er aber trotzdem.

So funktioniert das Ohmsche Backen

Und diese Hitze kann zum Backen verwendet werden. Genau das hat nun ein Team um Prof. Henry Jäger vom Institut für Lebensmitteltechnologie an der BOKU in Wien gemacht. Dabei nutzte es diese smarte Lösung speziell für glutenfreies Brot, das große Herausforderungen an das Backen stellt.

„Die Hitze steht bei diesem Verfahren sehr rasch im ganzen Teigrohling bereit“, erläutert Prof. Henry Jäger. „Das ist der große Vorteil dieser als Ohmsches Erhitzen bezeichneten Technik. Beim traditionellen Backen im Ofen muss die Hitze sich erst von außen langsam in den Teig vorkämpfen.“

Diese langsame Hitzeentwicklung im Laib stellt aber gerade bei der Produktion von glutenfreiem Brot eine echte Herausforderung dar. Denn diesem fehlt das Weizenprotein, das beim Aufgehen des Teigs Gase umschließt und so zur Entstehung der Poren in einer guten Krume beiträgt. Daher muss Stärke diese Funktion übernehmen.

Bei ausreichender Hitze verkleistert die Stärke und kann so ebenfalls zu einer guten Struktur der Krume beitragen. Doch muss fast doppelt soviel Wasser zum Teig zugefügt werden wie bei einem normalen Brot. Das beeinflusst die Viskosität des Teiges maßgeblich, er wird dünnflüssiger und das Backen wird erschwert.

Das Team um Prof. Jäger erkannte nun, dass die rasche und gleichmäßige Erhitzung des gesamten Teigvolumens beim Ohmschen Erhitzen daher bedeutende Vorteile für die Produktion eines glutenfreien Brots bieten könnte.

„Doch um diese Vorteile tatsächlich zu nutzen, mussten wir zunächst die optimalen Bedingungen ausarbeiten, unter denen die besten Ergebnisse erzielt werden“, erläutert Prof. Jäger den Kern der Entwicklungsarbeit. „Dass das Resultat am Ende so überzeugend ausfiel und die Methode dabei noch solche Ressourceneffizienz aufwies, das hat uns dann selbst überrascht.“

Ohmsches Brot qualitativ besser und verdaulicher

Schon die Qualität des mittels Ohmschen Erhitzen erzeugten Brots wies unter optimalen Bedingungen überragende Eigenschaften im Vergleich zu traditionell gebackenem Brot auf. Das Brotvolumen war um 10 bis 30 % höher als beim konventionellen Vergleichsbrot. Die Krume war weicher und elastischer und die Poren kleiner sowie homogener verteilt.

Doch das Team verließ sich nicht allein auf diese physikalischen Qualitätsmerkmale, sondern untersuchte insbesondere auch die Verdaulichkeit der Stärke im Brot. „Denn“, so erläutert Prof. Regine Schönlechner, Senior Author der aktuellen Publikation und Teamkollegin, „auf Grund der kurzen Backzeit beim Ohmschen Erhitzen hätte es sein können, dass die Stärke weniger gut verdaulich ist als bei traditionellen Backverfahren. Doch in-vitro-Testmethoden zeigten, dass hier kaum Unterschiede bestanden.“

Ohmsches Erhitzen spart Zeit und Energie ein

Die überzeugende Qualität des mittels Ohmschen Erhitzen gebackenen glutenfreien Brots wurde dabei von einer Ersparnis an Energie und Zeit begleitet. Erste Laborergebnisse des Teams zeigten, dass diese Ersparnis bis zu 2/3 der beim konventionellen Backen notwendigen Energie sein könnte.

Ebenso erfordert das Ohmsche Erhitzen deutlich weniger Zeit als das traditionelle Backen. In nur wenigen Minuten ist aus dem Teigrohling ein essfertiges glutenfreies Brot geworden. Bräunung und Krustenbildung treten bei diesem Backverfahren nicht auf, so dass das Brot insbesondere für die Verwendung als Toastbrot oder Tramezzini-Brot geeignet ist. Ist eine gebräunte Kruste gewünscht, so kann diese z.B. durch eine nachfolgende Infrarotbehandlung kontrolliert gebildet werden.

Für die Entwicklung und Optimierung dieser vielversprechenden Methode nutzte das Team zahlreiche Spezialgeräte der BOKU Core Facility Food & Bio Processing. Diese stellt Expertise und High-Tech-Geräte für akademische wie industrielle Forschung zur Verfügung. Im Rahmen dieser Studie wurden sie eingesetzt, um die genauen Bedingungen zu finden, bei denen das Ohmsche Erhitzen diese Vorteile für glutenfreies Brot bietet.

Das gelang durch zahlreiche Versuche und immer im direkten Vergleich mit konventionell gebackenem Brot. Verglichen wurden insbesondere verschiedene Kombinationen von Leistungseintrag und Dauer der jeweiligen Backphase.

„Am Ende erwies sich eine Abfolge von drei unterschiedlichen Prozessintensitäten mit jeweils unterschiedlicher Dauer als am besten geeignet“, erläutert Prof. Jäger: „Ein intensiver Backbeginn bei 2 bis 6 kW für 15 Sekunden, gefolgt von 1 kW für 10 Sekunden und ein Nachbacken bei 0,3 kW für 5 Minuten, ist das Rezept für gelungenes glutenfreies Brot gebacken mittels Ohmschen Erhitzen.“

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Thu, 24 Oct 2019 11:47:51 +0200
RONT und SMIGHT Grid machen Trafohäuschen zu intelligenten Ortsnetzstationen https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/ront-und-smight-grid-machen-trafohaeuschen-zu-intelligenten-ortsnetzstationen-4798.html Intelligente Ortsnetzstationen sind eine wichtige Stütze der Energiewende und heute gefordert wie... Kleine, fensterlose Häuschen, die am Wegesrand leise vor sich hin brummen - das sind Ortsnetztransformatoren. Die kleinen Trafohäuschen sorgen dafür, dass in der normalen Steckdose zu Hause die richtige Spannung von maximal 400 Volt ankommt. Intelligente Ortsnetzstationen können jedoch wesentlich mehr und sorgen dafür, dass Haushalte grünen Strom erzeugen und einspeisen können und auch größere Lasten aus dem Stromnetz beziehen können.

Regelbarer Ortsnetztransformator (RONT)

Viele Haushalte speisen mittlerweile selbst Energie in die Netze ein. Gleichzeitig entwickelt sich die Elektromobilität immer mehr zu einem neuen Großverbraucher. Doch leider sind Ortsnetzstationen nicht besonders flexibel. Denn wenn konventionelle Elektrizitätswerke normal arbeiten, zusätzlich viel Wind weht und die Sonne scheint, landet die gesamte Energie im Stromnetz – solange Windkraft- und Photovoltaikanlagen nicht abgeschaltet werden.

Das heißt: Die elektrische Spannung im Netz steigt an, der Ortsnetztransformator leitet mehr als 400 Volt weiter, im schlimmsten Fall gehen davon die Elektrogeräte zu Hause kaputt. Das ist ärgerlich und darf den Netzbetreibern nicht passieren. Gesetzlich sind sie dazu verpflichtet eine zuverlässige Versorgungsspannung zu gewährleisten.

Hier kommt Student Jonas Gnegel ins Spiel. Für seine Bachelorarbeit an der FH Münster hat er ein Modell eines regelbaren, intelligenten Ortsnetztransformators (RONT) gebaut. Der kann im laufenden Betrieb das Übersetzungsverhältnis des Transformators so anpassen, dass immer die richtige Spannung beim Kunden ankommt. Egal, wie sehr die Spannung im Stromnetz schwankt.

Das Ganze ist brandaktuell. Denn RONTs gibt es bisher kaum in der Infrastruktur der Netzbetreiber. „Sie sind aber wichtig für die Energiewende, weil das Netz viel mehr erneuerbare Energien verlustfrei aufnehmen könnte. Dafür müssten nicht mal zusätzliche Kabel oder Leitungen verlegt werden“, sagt Gnegel.

Bei seiner intelligenten Ortsnetzstation lässt sich die Spannung mithilfe von drei aufgewickelten Spulen regulieren, sowohl manuell als auch automatisch. Sobald die Regelspannung über einen festgelegten Zeitraum über- oder unterschritten wird, gibt es einen Schaltbefehl, der den Transformator auf ein neues Übersetzungsverhältnis einstellt.

Stromsensor „SMIGHT Grid“

Auch die Informationen über die tatsächliche Auslastung der Verteilnetze werden im Zuge des zunehmendem dezentralen Ausbaus der erneuerbaren Stromerzeugung für Netzbetreiber daher immer wichtiger. Denn sie sind Grundlage für einen effizienten und vorausschauenden Netzausbau.

Klassische Ortsnetzstationen besitzen zwar selbst eine Messeinheit, den sogenannten Schleppzeiger, dieser zeigt aber nur den höchstgemessenen Gesamtverbrauch einer Station an. Zudem wird dieser meist nur alle vier Jahre von den Netzbetreibern manuell abgelesen.

Der neue Stromsensor „SMIGHT Grid“ hingegen misst die Stromstärke an den einzelnen Abgängen – also den Kabeln, über die der Strom von der Ortsnetzstation zu den Haushalten transportiert wird - und überträgt diese verschlüsselt in Echtzeit über das Mobilfunknetz an SMIGHT. So liefert der Stromsensor detaillierte Informationen, wann in welchem Straßenzug wie viel Strom gesamtheitlich verbraucht wird.

SMIGHT speichert dann die Daten auf einer IoT-Plattform, wertet sie aus und stellt sie dem Netzbetreiber anschließend in einem Web-Portal zur Verfügung. Der Stromsensor ist damit das erste am Markt verfügbare Messsystem, das durch die Nutzung von IoT-Technologie großflächig und dauerhaft zur Datengewinnung im Verteilnetz eingesetzt werden kann.

Als einer der ersten Verteilnetzbetreiber Deutschlands investiert die Netze BW jetzt großflächig in die Digitalisierung ihrer intelligenten Ortsnetzstationen mittels des vom EnBW Start-up SMIGHT entwickelten Stromsensors „SMIGHT Grid“. In den nächsten Wochen werden 550 Ortsnetzstationen in Baden-Württemberg mit Stromsensoren ausgestattet. In Summe entstehen dadurch etwa 18.000 digitale Messpunkte, die viertelstündlich Daten erfassen und übertragen.

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Mon, 21 Oct 2019 11:36:05 +0200
Gebäudesanierung: Ab 2020 bis zu 40.000 Euro Steuern sparen https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/gebaeudesanierung-ab-2020-bis-zu-40000-euro-steuern-sparen-4797.html Das Bundeskabinett hat am Mittwoch, den 15.10.2019, die steuerliche Förderung energetischer... Mit dem jetzt vom Bundeskabinett beschlossenen "Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2030 im Steuerrecht" haben Gebäudeeigentümer nun die größtmögliche Freiheit, das Förderinstrument zu wählen, das für sie am besten geeignet ist. Die Steuerliche Förderung von Maßnahmen einer energetischen Gebäudesanierungen gilt jedoch lediglich für Sanierungsmaßnahmen am selbstgenutzten Wohneigentum.

Die Ausgestaltung der steuerlichen Förderung energetischer Gebäudesanierungen ab 1. Januar 2020 erfolgt als progressionsunabhängiger Steuerabzug von 20 Prozent der Aufwendungen bis zu einer Investitionsobergrenze von 200.000 Euro. Je Einzelmaßnahme bis maximal insgesamt 40.000 Euro pro Objekt. Im Referentenentwurf des Bundesministeriums der Finanzen vom 10.10.2019 lag die Maximalhöhe noch bei 20.000 Euro.

Ein Steuerabzug für energetische Gebäudesanierungen von 20% bis zu 40.000 Euro ist ein wichtiger Anreiz für Eigentümer aller Einkommensgruppen, die notwendigen energetischen Sanierungen in den kommenden Jahren vorzunehmen.

Förderfähig sind Einzelmaßnahmen, die auch von der KfW als förderfähig eingestuft sind. Zu den förderfähigen Einzelmaßnahmen zählen:

  • Wärmedämmung Wände, Dach, Geschossdecken,
  • Erneuerung Fenster / Außentüren
  • Erneuerung / Neuinstallation Lüftungsanlage
  • Erneuerung Heizungsanlage
  • Einbau digitaler Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung
  • Optimierung von Heizungsanlagen

Der Steuerabzug erfolgt im Jahr des Abschlusses der energetischen Sanierungsmaßnahme und im darauffolgenden Kalenderjahr in Höhe von höchstens 7 % der Aufwendungen bis höchstens jeweils 14.000 Euro und im zweiten folgenden Kalenderjahr in Höhe von 6 % der Kosten der energetischen Sanierung bis höchstens 12.000 Euro.

Die Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung gelten befristet für die Zeit vom 1. Januar 2020 bis zum 31. Dezember 2029. Die geplante Laufzeit von 10 Jahren bildet eine verlässliche Basis auch für die Branche der energetischen Gebäudesanierungen, sich auf die voraussichtlich steigende Nachfrage nach energetischen Sanierungen einzustellen und entsprechende Kapazitäten aufbauen.

Branchenverbände warnen davor, die steuerliche Förderung von Gebäudesanierungen im weiteren Gesetzgebungsverfahren wieder wie so oft in den vergangenen Jahren scheitern zu lassen. Würde die steuerliche Förderung erneut zu Fall gebracht, würde das wieder zu weiterem Abwarten seitens der Auftraggeber führen – dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen werden erneut auf die lange Bank geschoben.

Neben der beschlossenen steuerlichen Förderung am selbstgenutzten Wohneigentum empfehlen Verbände, dass aber auch Anreize für die energetische Sanierung von Nichtwohngebäuden entwickelt werden müssen, damit die Gebäudewende besser vorankommt. Das Bundeskabinett hat sich aber nicht zu einer differenzierten steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung durchringen können. Diese sollte nach Gebäudeeigentümer und Gebäudenutzung unterschiedlich ausgestaltet werden.

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Wed, 16 Oct 2019 12:17:44 +0200
Klimapaket 2030: Steigende CO2-Preise bergen soziale Sprengkraft https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/klimapaket-2030-steigende-co2-preise-bergen-soziale-sprengkraft-4796.html Das Klimapaket ist wenig klimaverträglich. Ist es denn zumindest sozialverträglich? Denn jeder... Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und das Berliner Klimaforschungsinstitut MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change) haben jetzt das Klimaschutzprogramm, das die Bundesregierung in der vergangenen Woche verabschiedet hat, analysiert und bewertet. Auch der Frage der Sozialverträglichkeit des Klimapakets ist das PIK und das MCC in "Bewertung des Klimapakets und nächste Schritte" nachgegangen.

Beschlossene Maßnahmen zum sozialen Ausgleich sind unzureichend

Dabei kommen beide Institute hinsichtlich der sozialen Ausgewogenheit zu einem eindeutigen Urteil:

"Es zeigt sich, dass die Mittelschicht am stärksten belastet wird, während die Belastung für ärmere Haushalte zwar abgefedert wird, der Ausgleich aber noch unzureichend ist: Gerade hier treten besondere Härtefälle auf. Die soziale Schieflage verschärft sich dramatisch bei steigenden CO2-Preisen, die ab 2026 zu erwarten sind."

Laut der PIK und MCC Untersuchung mangele es auch dem Argument des Klimakabinetts, man könne keinen hohen CO2-Preis einführen, da ein hoher CO2-Preis sozial schwächer gestellte Menschen benachteilige, einer sachlichen Grundlage:

"Die deutsche Politik setzt zu wenig auf kostengünstige marktwirtschaftliche Anreize. Dies mag einerseits aus dem geringen Vertrauen in deren Wirksamkeit resultieren, andererseits mag es an den befürchteten sozialen oder wirtschaftlichen Verwerfungen bei zu hohen Preisen liegen. Beide Sorgen sind unbegründet. Zwar sind in der Tat die beschlossenen Maßnahmen zum sozialen Ausgleich unzureichend, doch lässt sich hier durch eine höhere Rückerstattung gegensteuern."

Im Gegenteil, dadurch, dass die Notwendigkeit eines höheren CO2-Preises quasi verschoben wurde, wird auch die Belastung der Haushalte später mehr steigen müssen, als dies heute bei Einführung eines höheren Preisniveaus der Fall gewesen wäre:

"Die Politik ist der Frage der CO2-Preisentwicklung nach 2026 ausgewichen. Aber gerade nach 2026 erscheinen hier erhebliche Preissteigerungen nötig, wenn die 2030er-Ziele erreicht werden sollen. Je mehr der Anstieg von CO2-Preisen zeitlich nach hinten verschoben wird, desto höher werden die Preise jährlich steigen müssen, um die gegebenen EU-Ziele zu erreichen. Gerade dies vergrößert jedoch die Herausforderung, sozialen Ausgleich und Planungssicherheit für Investitionen zu schaffen."

Klimapaket wird Geringverdiener erheblich belasten

Grund für die soziale Ungerechtigkeit des Klimapakets ist die mangelnde Ausgestaltung einer effektiven Rückerstattung der Einnahmen. So hat die Bundesregierung zwar Maßnahmen wie eine Senkung der EEG Umlage, die Erhöhung der Pendlerpauschale, eine Erhöhung des Wohngeldes und die Anpassung der Heizkostenerstattung vorgesehen. Diese Maßnahmen reichen laut "Bewertung des Klimapakets und nächste Schritte" jedoch nicht aus.

"Die von der Regierung angekündigten Entlastungen über den Strompreis und durch höhere Sozialtransfers reichen für sich genommen nicht aus, um die Belastungen bei einem künftigen CO2-Preis von potenziell 60 Euro auszugleichen. Ein großer Anteil von Geringverdienern, die keine Sozialhilfe oder Wohngeld beziehen und nicht von den jeweiligen Entlastungsmaßnahmen profitieren, wird durch die Klimapolitik erheblich belastet:

Etwa ein Viertel der Haushalte in der untersten Einkommensgruppe zahlt durch den Regierungsvorschlag mehr als 1 Prozent ihres Einkommen. Eine substantielle Strompreissenkung über die Finanzierung der EEG-Umlage als alternative Rückerstattungsoption hätte vor allem untere Einkommen erheblich entlastet.

Den unteren Einkommensgruppen hilft auch nicht die im Klimapaket als weitere Entlastungsmaßnahme vorgesehene Erhöhung der Pendlerpauschale für Fernpendler. Denn die Entlastung steigt mit höherem Einkommen durch den wachsenden Steuervorteil an. Insbesondere gutverdienende Pendler mit langen Wegen werden in den ersten Jahren der Reform überkompensiert: Sie sparen mehr Steuern, als sie zusätzlich an der Tankstelle zahlen. Auch hier zeigt sich wieder, dass der soziale Ausgleich bei über die Zeit steigenden CO2-Preisen nicht gewährleistet ist."

Steigende CO2-Preise bergen soziale Sprengkraft

Nur weil die Bundesregierung bzw. das Klimakabinett sehr niedrige CO2-Preise angesetzt hat, heißt dies noch lange nicht, dass der der CO2-Bepreisung zugrunde liegende Mechanismus sozial gerecht wäre. In der Ausgestaltung des Klimapaketes ist sogar das Gegenteil der Fall. Laut PIK und MCC wird sich gerade durch die Art und Weise wie der CO2-Preis erhoben wird, in einigen Jahren "die soziale Schieflage verschärfen".

"Insgesamt bergen die beschlossenen Maßnahmen mittel- bis langfristig bei steigenden CO2-Preisen eine soziale Sprengkraft. Denn es fehlt ein breit angelegter Ausgleichsmechanismus, der insbesondere Gering- und Durchschnittsverdienern zugutekommt."

Sozial ausgewogene Rückerstattung wäre möglich gewesen

Dabei wäre auch ein höherer CO2-Preis sozial gerecht möglich gewesen, wenn sich das Klimakabinett die entsprechenden Empfehlungen des PIK ("CO2-Bepreisung zum Klimaschutz ist sozial gerecht machbar") zu Herzen genommen hätte:

"Durch eine Begrenzung der Förderprogramme und Maßnahmen könnte ein größerer Anteil der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung für eine allgemeine Entlastung der Bevölkerung verwendet werden. Dies ließe sich auch bewerkstelligen. Würde die Regierung, in Form einer Reduktion von EEG-Umlage und Stromsteuer, den Strompreis viermal so stark senken wie bisher geplant, wäre eine sozial ausgewogene Rückerstattung erreicht.

Bei CO2-Preisen jenseits von 70 Euro sind jedoch hier Grenzen erreicht, da EEG-Umlage und Stromsteuer nicht auf negative Werte abgesenkt werden können. Alternativ könnten die Einnahmen dann als je Person einheitliche Klimadividende ausgeschüttet werden: Bei einem CO2-Preis von 60 Euro/ tCO2 wären dies 150 Euro pro Person im Jahr. Weil sich die aufkommensneutrale Klimadividende automatisch an den CO2-Preis anpasst, ist eine sozial ausgewogene Rückerstattung auch bei ansteigenden CO2-Preisen garantiert."

Auch das DIW und der Bundesrechnungshof kritisieren Klimapaket

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kommt in einer Studie zum verabschiedeten Klimapaket zu dem Schluss, dass die im Klimapaket geregelte CO2-Bepreisung unsozial sei. Private Haushalte mit niedrigen Einkommen werden dabei deutlich stärker belastet als Haushalte mit hohem Einkommen. Laut DIW-Studie kommt 2026 bei einem Preis von 60 Euro pro Tonne CO2 auf Haushalte mit niedrigerem Einkommen im Durchschnitt eine Belastung in Höhe von teils mehr als einem Prozent ihres Nettoeinkommens zu. Im Gegensatz hierzu hat das oberste Zehntel der Haushalte demnach nur im Durchschnitt eine Mehrbelastung von 0,4 Prozent ihres Nettoeinkommens abzuführen.

Sogar der Bundesrechnungshof führt die Kritik öffentlich fort : Der Bundesrechnungshof kritisiert ähnlich wie das PIK und das DIW einerseits die Steuerermäßigungen für die energetische Gebäudesanierung und andererseits die Mobilitätsprämie für geringverdienende Berufspendler, deren Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags von 9.408 Euro liegt. Beim Rechnungshof steht im Mittelpunkt der Kritik dass vor allem gut verdienende Steuerpflichtige begünstigt werden. Steuerpflichtige mit Renteneinkünften sowie mit geringen oder mittleren Einkommen können die Steuerermäßigungen des Klimapakets hingegen nicht oder nur teilweise nutzen.

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Tue, 15 Oct 2019 11:47:12 +0200
Calcium-Batterien könnten Lithium-Ionen-Akkus ersetzen https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/calcium-batterien-koennten-lithium-ionen-akkus-ersetzen-4795.html Calcium/Calcium oder Calcium/Silber-Technologien verleihen den typischen Blei-Säure-Autobatterien... Calcium-Batterien besitzen das Potenzial, als Energiespeicher der Zukunft die Lithium-Ionen-Akku-Technologie abzulösen. Mit den bislang verfügbaren Elektrolyten gelang es aber nicht, Calcium-Batterien bei Zimmertemperatur aufzuladen. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben nun eine vielversprechende Elektrolytklasse vorgestellt, die das erstmals möglich macht.

Erst effiziente, große und kostengünstige Energiespeicher eröffnen die Möglichkeit einer flächendeckenden Umstellung auf emissionsfreie Mobilität und Stromversorgung. Doch die heute dominierende Lithium-Ionen-Technologie kann diese Aufgabe in globalem Maßstab nicht erfüllen, sagt Professor Maximilian Fichtner vom KIT, Direktor der Forschungsplattform CELEST (Center for Electrochemical Energy Storage Ulm & Karlsruhe), welche Calcium-Batterien und weitere Speichertechnologien erforscht.

"Lithium-Ionen-Batterien kommen von ihrer Performance und manchen darin verwendeten Rohstoffen mittelfristig an ihre Grenzen und könnten dann nicht überall dort eingesetzt werden, wo in Rahmen der Energiewende Energiespeicher sinnvoll wären. Wir verfügen nur über begrenzte Vorkommen von Rohstoffen wie Kobalt, Nickel und Lithium, die für die Herstellung notwendig sind."

Stattdessen setzen er und sein Team, das am vom KIT in Kooperation mit der Universität Ulm gegründeten Helmholtz-Institut Ulm (HIU) angesiedelt ist, auf alternative Batterietechnologien. Diese basieren auf Rohstoffen, die auf der Erde viel häufiger vorkommen. Das Element Calcium hält er dabei für einen vielversprechenden Kandidaten, da Calcium etwa im Gegensatz zu Lithium zwei Elektronen pro Atom ab- und aufnehmen kann und weil es eine ähnliche Spannung liefert wie Lithium:

"Calcium ist das fünfthäufigste Element in der Erdkruste. Es ist gleichmäßig auf der Erde verfügbar und bietet den Vorteil sicher, ungiftig und kostengünstig zu sein."

Doch bei der Entwicklungsarbeit zur Calcium-Batterie gab es bislang eine große Hürde: Im Gegensatz zur etablierten Lithium-Ionen-Technologie oder auch den neueren Natrium-Battarien oder Magnesium-Akkutechnologie existierten bislang keine praktikablen Elektrolyte, um wiederaufladbare Calcium-Batterien herzustellen.

"Erst seit wenigen Jahren existieren überhaupt experimentelle Elektrolyte und damit Prototypen der Calcium-Batterie“, erklären Dr. Zhenyou Li, Erstautor der Studie und Dr. Zhirong Zhao-Karger, Projektleiterin, die beide im Exzellenzcluster POLiS (Post Lithium Storage Cluster of Excellence) am KIT arbeiten, das die Calcium-Batterie im Rahmen von CELEST weiterentwickelt.

"Diese ermöglichen einen Ladevorgang aber erst bei Temperaturen jenseits der 75 Grad Celsius und sind dabei noch anfällig für unerwünschte Nebenreaktionen."

Nun gelang es den Forschern, eine Klasse neuer Elektrolyte auf Basis spezieller, organischer Calciumsalze zu synthetisieren, mit denen Ladevorgänge auch bei Zimmertemperatur möglich sind. Am Beispiel des neuen Elektrolyts Calciumtetrakis[hexafluoroisopropyloxy]borat konnten die Forscher nun nachweisen, dass Calcium-Batterien mit hoher Energiedichte, Speicherkapazität und Schnellladefähigkeit möglich sind. Ihre Ergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift Energy & Environmental Science vorgestellt.

Die neue Elektrolytklasse schafft nun eine wichtige Grundlage, um Calcium-Batterien aus dem Labor in die Anwendung zu führen. In Elektroautos, mobilen Elektronikgeräten und stationären Netzspeichern könnten sie eines Tages die bislang dominierende Lithium-Ionen-Batterie ersetzen. Allerdings könnte das noch eine Weile dauern:

"Die neuen Elektrolyte sind ein erster wichtiger Schritt", betont Fichtner. "Bis zur marktreifen Calcium-Batterie haben wir noch einen weiten Weg vor uns."

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Thu, 10 Oct 2019 12:54:56 +0200
BGH-Urteil 2019: Bei Härtefällen keine Mieterhöhung nach Dämmung https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/bgh-urteil-2019-bei-haertefaellen-keine-mieterhoehung-nach-daemmung-4794.html Ist die Wohnungsgröße entscheidend, ob Mieter sich gegen eine Modernisierungsmieterhöhung wehren... Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat sich im Urteil vom 9. Oktober 2019 – VIII ZR 21/19 mit den Maßstäben befasst, nach denen sich die Abwägung zwischen den Interessen der Mietvertragsparteien richtet, wenn sich der Wohnraummieter gegenüber einer Modernisierungsmieterhöhung auf das Vorliegen einer unzumutbaren Härte (§ 559 Abs. 4 Satz 1 BGB) beruft.

Zugleich hat er die Voraussetzungen präzisiert, unter denen der Härteeinwand des Mieters nach § 559 Abs. 4 Satz 2 BGB ausgeschlossen ist, weil die Modernisierungsmaßnahme (hier: Wärmedämmmaßnahmen bei Erneuerung eines teilweise schadhaften Außenputzes) aufgrund einer gesetzlichen Verpflichtung des Vermieters durchgeführt wurde.

Kläger: Erhöhung der Kaltmiete um 240 € monatlich sei finanzielle Härte

Der Kläger ist Mieter einer knapp 86 qm großen Wohnung der Beklagten in Berlin, in der er seit seinem fünften Lebensjahr wohnt und die er inzwischen allein nutzt. Die Wohnung liegt in einem Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1929. Der Mietvertrag über die Wohnung wurde im Jahr 1962 von den Eltern des Klägers abgeschlossen. Der Kläger bezieht Arbeitslosengeld II und erhält zur Deckung der Wohnungsmiete monatlich einen Betrag von ca. 463,10 €. Seit Juni 2016 betrug die Kaltmiete für die Wohnung 574,34 € pro Monat zuzüglich eines Heizkostenvorschusses in Höhe von 90,- €.

Die beklagte Vermieterin ließ Dämmungsarbeiten an der obersten Geschossdecke und der Außenfassade durchführen, ersetzte die bisherigen Balkone durch größere Balkone mit einer Fläche von jeweils ca. 5 qm und nahm einen seit den 1970-iger Jahren stillgelegten Fahrstuhl wieder in Betrieb.

Ende März 2016 erklärte die Beklagte dem Kläger gegenüber schriftlich die Erhöhung der Kaltmiete ab dem 1. Januar 2017 um 240,- € monatlich. Hiervon entfielen nach ihren Erläuterungen 70,- € auf die Dämmungsarbeiten (davon 4,16 € auf die Dämmung der obersten Geschossdecke), 100,- € auf den Anbau der neuen Balkone und weitere 70,- € auf die Wiederinbetriebnahme des Fahrstuhls. Hiergegen wandte der Kläger ein, die Mieterhöhung bedeute für ihn eine finanzielle Härte. Er erhob Klage auf Feststellung, dass er nicht zur Zahlung der verlangten Mieterhöhung von 240 € monatlich verpflichtet sei.

Nur einzelne Dämmungsmaßnahme sollten auf Miete umgelegt werden

Das Amtsgericht hat lediglich festgestellt, dass der Mieter nicht zur Zahlung der Mieterhöhung von 70 € für die Wiederinbetriebnahme des Fahrstuhls verpflichtet sei. Im Übrigen hat es die Feststellungsklage des Mieters abgewiesen.

Auf die Berufung des Mieters hat das Landgericht das erstinstanzliche Urteil abgeändert und festgestellt, dass dieser aufgrund seines Härteeinwands ab dem 1. Januar 2017 zur Zahlung einer Mieterhöhung von mehr als 4,16 € monatlich nicht verpflichtet sei. Denn er schulde weder für den Anbau eines größeren Balkons noch für die Fassadendämmung eine Mieterhöhung. Zu zahlen habe er nur den auf die Dämmung der obersten Geschossdecke entfallenden Betrag von zusätzlich 4,16 € monatlich.

Die weiteren Mieterhöhungen (100,- € für den Balkonanbau und 65,84 € für die Dämmung der Außenfassade) seien unwirksam, weil sie für den Mieter jeweils eine finanzielle Härte bedeuteten, die auch unter Würdigung der berechtigten Interessen der Vermieterin nicht zu rechtfertigen sei. Hiergegen wendet sich diese mit ihrer vom Berufungsgericht zugelassenen Revision.

Die beklagte Vermieterin hat im Revisionsverfahren vor allem geltend gemacht, dass nach den für staatliche Transferleistungen geltenden Vorschriften für einen Einpersonenhaushalt lediglich eine Wohnfläche von 50 qm als angemessen gelte. Die Wohnung des – Arbeitslosengeld II beziehenden – Mieters sei aber knapp 86 qm groß und übersteige damit diese Grenze erheblich. Letztlich laufe die einen Härtefall bejahende Entscheidung des Berufungsgerichts darauf hinaus, dass der Vermieter den "Luxus" des Mieters zu finanzieren habe.

Bundesgerichtshof präzisiert Härteeinwand des Mieters

Der Bundesgerichtshof hat den Einwand der Vermieterin nicht durchgreifen lassen. Der Umstand, dass ein Mieter gemessen an seinen wirtschaftlichen Verhältnissen und seinen Bedürfnissen eine viel zu große Wohnung nutzt, ist zwar in die nach § 559 Abs. 4 Satz 1 BGB vorzunehmenden Abwägung der beiderseitigen Interessen zu Lasten des Mieters einzubeziehen. Ein solcher Sachverhalt liegt jedoch nicht bereits dann vor, wenn der Mieter eine Wohnung nutzt, die gemessen an den Ausführungsvorschriften zur Gewährung von staatlichen Transferleistungen oder an den Vorschriften für die Bemessung von Zuschüssen für den öffentlich geförderten Wohnungsbau zu groß ist.

Die Vorschriften zur angemessenen Wohnungsgröße bei staatlichen Transferleistungen sollen sicherstellen, dass sich ein Hilfebedürftiger nicht auf Kosten der Allgemeinheit eine zu große Wohnung leistet. Die Bestimmung des § 559 Abs. 4 Satz 1 BGB verfolgt indessen einen anderen Regelungszweck. Hier gilt es abzuwägen, ob der Mieter, der sich einer von ihm nicht beeinflussbaren Entscheidung des Vermieters über die Durchführung von Modernisierungsmaßnahmen ausgesetzt sieht, trotz des Refinanzierungsinteresses des Vermieters seinen bisherigen Lebensmittelpunkt beibehalten darf.

Weiter ist zu beachten, dass nicht nur der Vermieter, sondern auch der Mieter den Schutz der Eigentumsgewährleistung des Art. 14 Abs. 1 GG genießt. Daher kann er bei der Anwendung des § 559 Abs. 4 Satz 1 BGB und der Auslegung des dort enthaltenen unbestimmten Rechtsbegriffs "Härte" verlangen, dass die Gerichte die Bedeutung und Tragweite seines Bestandsinteresses hinreichend erfassen und berücksichtigen.

Gemessen daran kann die einer Berufung auf einen Härtefall nach § 559 Abs. 4 Satz 1 BGB im Einzelfall entgegenstehende Unangemessenheit einer Wohnung nicht isoliert nach einer bestimmten Größe für die jeweilige Anzahl der Bewohner bestimmt werden. Vielmehr kommt es darauf an, ob die vom Mieter genutzte Wohnung unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls – etwa auch der Verwurzelung des Mieters in der Wohnung und seiner gesundheitlichen Verfassung - für seine Bedürfnisse deutlich zu groß ist.

Hier hat das Berufungsgericht zutreffend als maßgeblichen Gesichtspunkt berücksichtigt, dass der Mieter schon seit dem Jahr 1962 und mithin seit rund 55 Jahren in der Wohnung lebt und ihm deshalb entgegen der Auffassung der Vermieterin nicht vorgehalten werden kann, dass er schon seit Beginn des Mietverhältnisses "über seine Verhältnisse" lebe.

Soweit der Prozessbevollmächtigte der Vermieterin erstmals in der Revisionsverhandlung pauschal eingewendet hat, der Mieter sei gehalten gewesen, einen Teil der Wohnung unterzuvermieten und sich dadurch finanzielle Mittel zu verschaffen, handelt es sich um neuen Sachvortrag der insoweit darlegungs- und beweispflichtigen Vermieterin, der schon deshalb in der Revisionsinstanz nicht berücksichtigt werden kann. Zudem ist offen, ob die Wohnung überhaupt zur Untervermietung geeignet ist, ob die Vermieterin einer solchen zu den bisherigen Konditionen zustimmen würde und ob dem Mieter überhaupt ein Zusammenleben mit einem Untermieter zuzumuten ist.

Der Bundesgerichtshof hat somit die tatrichterliche Würdigung des Berufungsgerichts zum Vorliegen einer unzumutbaren Härte gebilligt. Gleichwohl musste das Berufungsurteil aufgehoben und die Sache an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden, weil dieses keine ausreichenden Feststellungen zum Vorliegen der Ausnahmefälle des § 559 Abs. 4 Satz 2 Nr. 1 und 2 BGB getroffen hat, bei deren Vorliegen ein Härteeinwand des Mieters gesetzlich ausgeschlossen ist.

Bezüglich der Modernisierungsmaßnahme "Vergrößerung der Balkone auf 5 qm" hat das Berufungsgericht keine tragfähigen Feststellungen zu der entscheidenden Frage getroffen, ob Balkone dieser Größe allgemein üblich, also bei mindestens 2/3 aller vergleichbaren Gebäude gleichen Alters unter vergleichbaren Verhältnissen in der Region anzutreffen sind. Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts lassen sich allein aus dem Umstand, dass der Berliner Mietspiegel einen Balkon ab 4 qm Fläche als wohnwerterhöhendes Merkmal einstuft, insoweit keine verlässlichen Schlussfolgerungen ziehen.

Hinsichtlich der Modernisierungsmaßnahme "Fassadendämmung" hat das Berufungsgericht verkannt, dass § 9 Abs. 1 EnEV dem Eigentümer im Falle der Erneuerung des Außenputzes an Fassadenflächen zwar vorgibt, Wärmedämmungsmaßnahmen durchzuführen, ihm aber eine Verpflichtung, den Außenputz zu erneuern, gerade nicht auferlegt. Vielmehr steht es regelmäßig im freien Belieben des Vermieters, ob und wann er eine Erneuerung des Außenputzes vornimmt. Erst wenn er sich hierzu entschlossen hat, verpflichtet ihn das Gesetz zur Einhaltung bestimmter Wärmedämmwerte.

§ 559 Abs. 4 Satz 2 Nr. 2 BGB schließt den Härteeinwand des Mieters aber nur dann aus, wenn der Vermieter die Durchführung einer Modernisierungsmaßnahme nicht zu vertreten hat, sich ihr also aufgrund zwingender gesetzlicher Vorschriften nicht entziehen kann. Es kommt daher darauf an, ob für den Vermieter eine Erneuerung des Außenputzes "unausweichlich" ist, etwa weil dieser aufgrund altersbedingten Verschleißes zu erneuern ist und sich der Vermieter zudem einem berechtigten Instandsetzungsbegehren des Mieters oder einer (bestandskräftigen) behördlichen Anordnung ausgesetzt sieht beziehungsweise die Beseitigung von Schäden dringend aus Sicherheitsgründen geboten ist. Nur im Falle einer solchen "Unausweichlichkeit" befindet sich der Vermieter in einer Zwangslage, die den Ausschluss des Härteeinwands des Mieters nach § 559 Abs. 4 Satz 2 Nr. 2 BGB rechtfertigt.

Die Sache ist daher an das Berufungsgericht zurückverwiesen worden, damit – gegebenenfalls nach ergänzendem Sachvortrag der Parteien – die erforderlichen Feststellungen getroffen werden können.

Die maßgeblichen Vorschriften lauten:

§ 555b Modernisierungsmaßnahmen

Modernisierungsmaßnahmen sind bauliche Veränderungen, durch die in Bezug auf die Mietsache Endenergie nachhaltig eingespart wird (energetische Modernisierung),

[…]

durch die der Gebrauchswert der Mietsache nachhaltig erhöht wird,

[…]

§ 559 Mieterhöhung nach Modernisierungsmaßnahmen

(1) Hat der Vermieter Modernisierungsmaßnahmen im Sinne des § 555b Nummer 1, 3, 4, 5 oder 6 durchgeführt, so kann er die jährliche Miete um 8 Prozent der für die Wohnung aufgewendeten Kosten erhöhen.

[…]

(4) 1 Die Mieterhöhung ist ausgeschlossen, soweit sie auch unter Berücksichtigung der voraussichtlichen künftigen Betriebskosten für den Mieter eine Härte bedeuten würde, die auch unter Würdigung der berechtigten Interessen des Vermieters nicht zu rechtfertigen ist. 2 Eine Abwägung nach Satz 1 findet nicht statt, wenn

die Mietsache lediglich in einen Zustand versetzt wurde, der allgemein üblich ist,

oder

die Modernisierungsmaßnahme auf Grund von Umständen durchgeführt wurde, die der Vermieter nicht zu vertreten hatte.

Vorinstanzen:

AG Berlin-Charlottenburg - 234 C 257/16 – Entscheidung vom 16. August 2017

LG Berlin - 64 S 197/17 – Entscheidung vom 14. November 2018

Quelle: Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs vom 9. Oktober 2019

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Thu, 10 Oct 2019 11:24:35 +0200
BEG-Austauschprämie: Milliarden für neue Gasheizungen? https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/beg-austauschpraemie-milliarden-fuer-neue-gasheizungen-4793.html Den Austausch von Ölheizungen will die Bundesregierung gemäß ihres "Klimapakets" mit einem... Auch alte Gasheizung können eine BEG-Austauschprämie erhalten

Die wichtigste Passage, die deutlich macht, dass es bei der Austauschprämie nicht nur um alte Ölheizungen, sondern auch um die Prämierung des Austausches alter Gasheizungen geht, wenn man dann auf "erneuerbare Wärme" oder eine hybride Heizung mit EE-Anteil umsteigt, wird in "Eckpunkte für das Klimaschutzprogramm 2030" auf Seite 7 (III. Sektorbezogene Maßnahmen / a. Sektor Gebäude / iv. Erneuerung von Heizanlagen) beschrieben:

"Ziel des neuen Förderkonzepts ist es, für alle derzeit mit Heizöl und andere ausschließlich auf Basis fossiler Brennstoffe betriebenen Heizungen einen attraktiven Anreiz zur Umstellung auf erneuerbare Wärme, oder, wo dies nicht möglich ist, auf effiziente hybride Gasheizungen, die anteilig EE einbinden, zu geben. Es lohnt sich damit, in den kommenden Jahren bspw. von alten Öl- und Gasheizungen auf klimafreundlichere Anlagen oder direkt auf erneuerbare Wärme umzusteigen."

11,8 Mio. Alt-Heizungen könnten per Prämie ausgetauscht werden

Während von der BEG-Austauschprämie rund 88% aller Ölheizungen (~ 4,7 Mio. Ölheizungen) profitieren könnten, sofern Konstant- und Niedertemperaturkessel ausgetauscht würden, ist das Austauschpotenzial bei Gasheizungen deutlich höher. Von den insgesamt 13,4 Mio. in 2018 in Deutschland in Betrieb befindlichen Gasheizungen, heizen stolze 7,1 Mio. immer noch ohne Brennwertheizungseffekt.

Werden von der Bundesförderung für effiziente Gebäude Öl- als auch Gasheizungen beim Austausch mit einer 40% Prämie bezuschusst, so könnten von der BEG in den kommenden Jahren theoretisch 11,8 Mio. Heizungen profitieren, die keinen Brennwerteffekt nutzen. Bei einem durchschnittlichen BEG-Zuschuss für Öl- und Gasheizungen von 5.000 Euro beliefe sich das Fördervolumen auf 59.000.000.000 Euro (59 Mrd. Euro!). Das Umsatzvolumen in der deutschen Heizungsindustrie beläuft sich dann nach unseren sehr groben Schätzungen auf rund 150 Milliarden Euro!

BEG-Prämien-Upgrade auf Gasbrennwert sehr wahrscheinlich

Wenn der Austausch alter Öl- und Gasheizungen mit der BEG-Prämie bezuschusst wird, dann stehen als Alternative "erneuerbare Heizungen" und hybride Gasheizungen mit anteiliger Einbindung Erneuerbarer Energien zur Verfügung.

Da anders als bei Ölheizungsbesitzern bei den jetzigen Betreibern von Gasheizungen immer auch ein Gasanschluss natürlich vorhanden ist und nicht erst gelegt werden muss, liegt die Vermutung nahe, dass viele Gasheizungsbesitzer die Austauschprämie der BEG dazu nutzen werden, auf einen Gasbrennwertkessel kostengünstig "upzugraden". In den meisten Fällen werden diese dann kombiniert mit einigen Solar-Kollektoren, je nachdem, welchen Umfang der Gesetzgeber hier vorsieht.

Der Umstieg auf eine Gasheizung mit Solar wäre daher vermutlich die einfachste und unkomplizierteste Möglichkeit, die Austauschprämie für Gasheizungen in Anspruch zu nehmen.

Zu den "erneuerbare Wärme"-Heizungen zählen streng genommen nur Holzheizungen wie Stückholz- oder Pelletkessel, weiter gefasst auch Wärmepumpen und Brennstoffzellenheizungen und noch weiter gefasst auch Blockheizkraftwerke. Als vermutlich praktikabelste Alternative, die sowohl für die meisten handhabbar als auch vom Platz her am ehesten installierbar sind, zählen das Heizen mit Holzpellets und Wärmepumpenheizungen.

Der Anteil derjenigen aktuellen Gasheizungsbesitzer, die nun auf eine Holzheizung oder Wärmepumpe oder ähnliches umsteigt, wird vermutlich aber deutlich geringer sein. Aus Klimaschutzgründen wäre diese Entscheidung fatal, denn ein CO2-neutraler Gebäudebestand in 2050 geht nur mit einer Wärmeversorgung überwiegend aus erneuerbaren Energien.

Fazit: Austauschprämie hilft Heizungsindustrie mehr als dem Klima

Ob die im Klimapaket 2030 beschlossene Austauschprämie für alte Öl- und Gasheizungen wirklich so kommt, ist noch unklar. Angesichts des Fördervolumens, kann man Zweifel haben, ob die Bundesregierung dies in ihrer Nachtsitzung vom 19. auf den 20. September 2019 noch wirklich im Blick hatte, wie teuer das Prämienpaket eigentlich werden würde.

Von größter Bedeutung wird daher sein, welche Heizungen als alt gelten - rund elf Millionen Heizkessel in Deutschland sind älter als 15 Jahre, knapp 7,5 Millionen haben sogar mehr als 20 Jahre auf dem Buckel - und, ab welchem Anteil Erneuerbarer Energie eine Heizung als Hybrid im Sinne der Austauschprämie der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) anerkannt wird.

Reicht es bereits eine Gasbrennwertheizung mit einer Solar-Warmwasser-Anlage zu kombinieren? Oder muss man z. B. mindestens 50% des Wärmebedarfs "erneuerbar" abdecken, um an die Klimapaket-Austauschprämie für die alte Öl- oder Gasheizung zu kommen?

Ungeklärt ist unterdessen noch, wie die neue Unterstützung mit anderen Förderbausteinen in Einklang zu bringen ist, etwa der Förderung durch das Marktanreizprogramm (MAP) des BAFA. Dieses sieht mehrere tausend Euro für neue Ökoheizungen in Wohnhäusern vor. Ob die Abwrackprämie diese Beträge ergänzt oder mit ihnen verrechnet wird, ist bislang noch unklar. Eine Verrechnung jedenfalls würde den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen noch unattraktiver machen.

Werden dem Paket nicht allzu feste Daumenschrauben angelegt, dann könnte die BEG-Austauschprämie tatsächlich den Modernisierungsstau im Heizungskeller auflösen. Wenn viele auf Gasheizungen umsteigen, wäre aber eher der Heizungsindustrie als dem Klima geholfen.

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Thu, 26 Sep 2019 13:49:44 +0200
Klimaschutzprogramm 2030 untertrifft Erwartungen https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/klimaschutzprogramm-2030-untertrifft-erwartungen-4792.html Am Tag eines der weltweit größten Klimastreiks einigte sich das selbsternannte "Klimakabinett" der... Wer heute bei einer der zahlreichen Fridays for Future-Demonstrationen gewesen ist, der hat wohl schnell gemerkt: Eine solche Bewegung von weltweit Millionen junger Menschen, die für ihre eigene Zukunft friedlich demonstrierend jeden Freitag seit Monaten auf die Straße gehen, kann man doch als Politiker nicht einfach ignorieren.

Doch, die Bundesregierung kann das. Sie schafft es angesichts der Klimakatastrophe und einer selbst abgewürgten Energiewende, durch die in Deutschland allein 100.000 Arbeitsplätze in der Solar- und Windenergie verloren gingen, sich mit einem über Monate mit großen Worten ("Kein Pillepalle mehr") angekündigten Maßnahmenpaket selbst und sogar die geringsten Erwartungen von "klimafreundlichen" Experten und NGOs zu untertreffen.

Volker Quaschning: "Eigentlich muss man als Wissenschaftler, sachlich bleiben. Aber jetzt kann ich gar nicht so viel essen, wie ich nach dem #Klimaschutzpaket kotzen möchte. Lustlos, visionslos, existenzbedrohend für unsere Kinder. #Neuwahlen?" (Twitter, 20.09.2019)

Dabei war selbst diese "Minimal"-Lösung ein nur sehr schwer gefundener Kompromiss. Ganze 20 Stunden verhandelten die Spitzen von Union und SPD, um sich auf "Maßnahmen zum Erreichen der Klimaziele 2030" zu einigen:

Maßnahmen im Klimaschutzprogramm 2030

CO2-Preis

Ab 2021 wird es demnach einen festen Preis für den Ausstoß von CO2 im Verkehrs- und Gebäudesektor geben. Dieser soll stufenweise steigen von anfangs 10 Euro bis auf 35 Euro im Jahr 2025. 2026 wird die Bepreisung in einen nationalen Emissionshandel mit 35 Euro Mindest- und 60 Euro Höchstpreis überführt; wie es danach weitergehen soll, wird erst 2025 festgelegt. Zum Vergleich: Im Emissionshandel für den Industriesektor liegt der Preis aktuell bei rund 26 Euro.

„Das Klimapaket ist ein Dokument der politischen Mutlosigkeit. [...] der Preispfad ist zu niedrig und reicht nicht weit genug in die Zukunft, um eine Lenkungswirkung zu entfalten. Ein sinnvoller Einstiegspreis liegt dagegen bei 50 Euro pro Tonne CO2 – und er müsste dann bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts, also 2030, auf 130 Euro steigen. Der CO2-Preis hätte das klimapolitische Leitinstrument werden müssen, hat aber nun nur eine Alibi-Funktion," erklärt Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Windkraft

Für den Ausbau der Windenergie an Land dürfen bis zu einem Mindestabstand von 1000 Metern künftig keine neuen Windkraftanlagen errichtet oder repowert werden. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass pauschale Mindestabstände bei neuen Windanlagen von 1.000 Metern die möglichen Flächen um 20 bis 50 Prozent reduzieren.

Damit werden die Flächenrestriktionen sogar noch verschärft anstatt abgebaut. Der Windkraftausbau wird daher eher weiter blockiert als angereizt. Dass das Klimaschutzprogramm 2030 extra Bayern bemüht "Die bestehende Abstandsregel 10H in Bayern bleibt erhalten" ist nicht weiter erwähnenswert.

Photovoltaik

Der 52-GW-Deckel, der nächstes Jahr dazu führen würde, dass neue Solaranlagen nicht mehr gefördert werden, wurde im Klimaschutzprogramm 2030 aufgehoben: "Der derzeit noch bestehende Deckel von 52 GW für die Förderung des Ausbaus von PV-Anlagen wird aufgehoben."

Das ist übrigens die einzige, explizite Erwähnung der Solarstromnutzung im gesamten Eckpunktepapier!

Verkehr

Der Aufschlag für Benzin läge zu Anfang bei 3 Cent pro Liter, Mitte des kommenden Jahrzehnts bei 9 Cent. Diesel würde dann 15 Cent pro Liter teuer werden. Im Gegenzug soll ab 2021 die Pendlerpauschale um 5 Cent pro Kilometer steigen.

Greenpace kommentiert: "Ein lächerlich niedriger CO2-Preis, der Benzin und Diesel nur wenige Cent verteuert und zudem von einer höheren Pendlerpauschale wieder aufgehoben wird, suggeriert Klimaschutz, bleibt aber weitere zehn Jahre vollkommen wirkungslos."

Ölheizungen

Um die Austauschrate von Ölheizungen zu erhöhen, bekommt man nun eine „Austauschprämie“ in Höhe von 40%, wenn man auf erneuerbare Wärme, oder, wo dies nicht möglich ist, auf eine hybride Gasheizungen, die anteilig Erneuerbare Energien einbindet (z. B. Gasheizungen mit Solar), umsteigt.

In Gebäuden, in denen eine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist, soll der Einbau von Ölheizungen ab 2026 nicht mehr gestattet ist. Im Neubau und Bestand sind Hybridlösungen auch künftig möglich.

Im Klartext heißt das: Das Heizen mit Heizöl wird noch sehr lange möglich bleiben.

Elektromobilität

"Die Bundesregierung wird verbindlich durch eine Versorgungsauflage regeln, dass an allen Tankstellen in Deutschland auch Ladepunkte angeboten werden. Es wird geprüft, ob die Errichtung von Schnellladesäulen als Dekarbonisierungsmaßnahme der Mineralölwirtschaft behandelt werden kann."

Zugegeben, Schnellladesäulen sind teuer. Aber muss man in einem Klimaschutzkonzept offerieren, dass sich Mineralölunternehmen greenwashen dürfen?

"Die Beschlüsse zur Ladeinfrastruktur sind noch undurchdacht. Damit werden aus Sicht des BDEW die hohen Zielvorgaben nicht erreichbar sein. Die Forderung nach einer Million Ladesäulen ist aus BDEW-Sicht überdimensioniert. Nach BDEW-Berechnungen sind 350.000 öffentliche Ladepunkte für die geplanten zehn Millionen E-Autos vollkommen ausreichend."

Kommentare zum Klimaschutzprogramm 2030

"Die Bundesregierung liefert keinen großen Wurf und keine Antwort auf die Klimakrise. Nach einer Dekade, in der die Emissionen in Deutschland kaum gesunken sind, nach Monaten des politischen Ringens, liefert sie ein Stückwerk aus halbgaren Maßnahmen, Ankündigungen und Absichtserklärungen. [...] Das mögliche Klimaschutzgesetz kann über die Defizite in allen anderen Bereichen nicht hinwegtäuschen. Der CO2-Preis ist lächerlich niedrig, seine Einführung wird durch ein Handelssystem unnötig verkompliziert. Selbst bei der Energiewende ging es der Union hauptsächlich darum, mit pauschalen Abstandsregelungen für Windräder weiter Sand ins Getriebe zu werfen. Auf das Kohleausstiegsgesetz will man sich jetzt erst bis November einigen. Auch hier blockiert die Union," kommentierte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Jan Philipp Albrecht, schleswig-holsteinischer Umweltminister: "Die Chance ist verpasst, der Richtungswechsel ist ausgeblieben. Die Große Koalition hat beim Klimaschutz den Blinker gesetzt, aber fährt weiter geradeaus. Das Klimaschutzprogramm wird den strukturellen Nachteil der Erneuerbaren gegenüber fossilen Energieträgern nicht aufheben. Einen verlässlichen Ausbaupfad für die Erneuerbaren zur Erreichung der Klimaziele sucht man vergeblich. Stattdessen gibt es eine Vielzahl von wenig verbindlichen Einzelmaßnahmen, deren Gesamtwirkung fraglich ist. Die Chancen, die das Paket bei aller Unzulänglichkeit für den Klimaschutz und das Gestalten der Energiewende dennoch bietet, werden wir als Land entschlossen nutzen. Dabei ist auch klar, dass wir im kommenden Jahr die Regionalplanung für den Ausbau der Windkraft im Land beschließen und umsetzen werden. Ein erneutes Nachbessern der Abstandsregelungen im Lichte bundesweiter Vorgaben kommt für mich nicht infrage."

"Von einem großen Wurf für mehr Klimaschutz, für den hunderttausende Menschen in Deutschland heute auf die Straße gegangen sind, ist das Paket der Bundesregierung meilenweit entfernt“, kritisiert BEE-Präsidentin Simone Peter. „Die vielen kleinteiligen Ansätze reichen bei weitem nicht aus, um die deutschen Klimaschutz- und Erneuerbaren-Ziele zu erreichen. Ein Einstiegspreis von lediglich 10 Euro für CO2 ist ein Offenbarungseid für die Mutlosigkeit der Bundesregierung. So kann die CO2-Bepreisung keine ökologische Lenkungswirkung entfalten, zementiert Subventionen für fossile Energieträger und wird den tatsächlichen Kosten, die CO2 verursacht, nicht im Ansatz gerecht. Damit bleiben saubere Technologien weit unter ihren Möglichkeiten."

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Fri, 20 Sep 2019 17:02:39 +0200
Thermische Batterien erobern Heat-to-Power-Markt https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/thermische-batterien-erobern-heat-to-power-markt-4791.html Der Energiekonzern Eni baut jetzt auf Sizilien einen auf Beton basierenden thermischen Speicher,... Thermische Wärmespeicher bieten im Gegensatz zu sensiblen und latenten Wärmespeichern deutlich höhere Wärmespeicherkapazitäten und sind dabei sehr preisgünstig. Sie halten ein gleichbleibendes Temperaturniveau, können Wärme nahezu verlustfrei speichern und werden aus Materialien gebaut, für die keine Rohstoffknappheit besteht, da entsprechend geeignete Materialien in der Natur sehr häufig und in der Industrie oft als Abfallstoffe auftreten.

Zu den Pionieren, die die Vorteile der thermischen Speicher nutzen will, zählt nun der Energiekonzern Eni, der sich darauf einlässt, den neuartigen Energiespeicher von EnergyNest in einer industriellen Produktionsstätte zu nutzen. Im Gela-Projekt wird die thermische Batterie von EnergyNest zwischen eine bestehende solarthermische Anlage und eine Dampfturbine zur Stromerzeugung geschaltet.

Die thermische Batterie wird während des Tages Solarwärme erzeugen und in der Thermischen Batterie von EnergyNest speichern. In den Nachtstunden gibt die Thermische Batterie von EnergyNest diese Wärme für die Erzeugung von Dampfstrom ab, der bis dato durch die Verbrennung fossiler Kraftstoffe gewonnen wurde. Das verringert den CO2-Schuhabdruck des Stromherstellers deutlich. Die speicherbetriebene Anlage soll in der zweiten Jahreshälfte 2020 in Betrieb gehen und 60 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Folgeprojekte mit deutlich größeren Thermischen Batterien sind geplant.

Thermische Batterien von EnergyNest basieren auf einem 20-Fuß-Containerdesign (6x2,4x2,4 Meter), sind modular, frei skalierbar und umweltfreundlich. Das Speichermedium ist der Hochleistungsbeton Heatcrete®, dessen Eigenschaften extreme Wärmeleitfähigkeit und Hitzekapazität, Robustheit und eine Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren sind. Eine Pilotanlage in der Zukunftsstadt Masdar City (Abu Dhabi) wurde über mehrere Jahre erfolgreich getestet und 2017 extern validiert. 2018 wurde in Rotterdam ein Fertigungsstandort für die Produktion eingeweiht.

In Hamburg-Altenwerder wurde am 25.06.2019 ein fasst rund 1.000 Tonnen Vulkangestein fassender elektrothermischer Energiespeicher (ETES) in Betrieb genommen, der Strom mittels einer Widerstandsheizung und eines Gebläses in einen Heißluftstrom umwandelt, der das Gestein auf 750 °C aufheizt. Bei Nachfragespitzen kann ETES die gespeicherte Energie mithilfe einer Dampfturbine rückverstromen. Der ETES Demonstrator von Siemens Gamesa Renewable Energy (SGRE) kann so bis zu 130 MWh thermische Energie für rund eine Woche speichern. Zudem bleibt die Speicherkapazität des Systems über die Ladezyklen hinweg konstant.

Das Konzept thermischer Speicher ist aber auch in kleineren Anwendungen denkbar. Forscher der Leuphana Universität Lüneburg haben 2014 eine kühlschrankgroße thermische Batterie für Ein- und Mehrfamilienhaushalte entwickelt, die verlustarm etwa 80 Kilowattstunden Energie über praktisch beliebig lange Zeiträume speichert. Die Batterie eignet sich für die Hausanwendung zur Speicherung der Abwärme aus einem Mini-Blockheizkraftwerk, um eine Stromproduktion vom Wärmebedarf zu entkoppeln oder Sonnenenergie aus Solaranlagen.

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Tue, 03 Sep 2019 12:40:42 +0200
BSI signalisiert zweite Gateway-Zertifizierung https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/bsi-signalisiert-zweite-gateway-zertifizierung-4790.html Laut EMH metering steht das Gateway „CASA“ kurz vor der Zertifizierung. Das BSI hätte signalisiert,... Die EMH metering GmbH geht davon aus, dass die Zertifizierung ihres Smart Meter Gateways „CASA“ im Herbst 2019 erfolgt. „Wir haben ein positives Signal vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erhalten, dass wir uns auf der Zielgeraden befinden“, betont Peter Heuell, Geschäftsführer der EMH metering GmbH. „Die Zertifizierung unseres Gateways steht also kurz bevor.“

Bisher wurde erst ein Smart Meter Gateway (SMGW) durch das BSI zertifiziert. Die Markterklärung durch das BSI – und damit der Startschuss für den Rollout des intelligenten Messsystems (iMsys) – kann erst dann erfolgen, wenn drei Gateways zertifiziert wurden. „Die Zeichen stehen gut, dass bald noch ein weiteres Gateway zertifiziert wird, so dass der Rollout bald starten kann,“ so Heuell.

Die §§ 29 ff. MsbG regeln, unter welchen Voraussetzungen die zertifizierten Gateways bei Anschlussnutzern und Anlagenbetreibern verpflichtend einzubauen sind. Die gesetzlichen Einbaufälle umfassen dabei alle energiewenderelevanten Situationen: Von PV-Anlagen ab einer installierten Leistung von mindestens 7 kW bis hin zur großen Windturbine, von dem größeren Privathaushalt mit einem Jahresverbrauch über 6.000 kWh bis zum Industriebetrieb, von der steuerbaren Wärmepumpe über das Elektromobil und seiner Ladevorrichtung bis hin zu vom Netzbetreiber ausgewählten Punkten.

Neben dem Gateway ist für einen Rollout daher noch weitere Hardware nötig: Dazu gehören zum einen die beiden für den Rollout gesetzlich vorgegebenen Geräte: das Smart Meter Gateway und der FNN-Basiszähler. Zum anderen aber auch Geräte für das Submetering und für z. B. E-Mobility-Dienstleistungen an. Diese Lösungen ermöglichen die Sektorkopplung – also die Anbindung weiterer Geschäfts- und Versorgungsbereiche an das Smart Metering.

Anfang 2019 befanden sich acht weitere Smart Meter Gateway-Hersteller im Zertifizierungsverfahren des BSI. Drei dazugehörige Sicherheitsmodule der Unternehmen NXP/T-Systems, STMicroelectronics und Gemalto wurden bereits erfolgreich zertifiziert. Zusätzlich wurden auch die Umsetzung der Vorgaben für den sicheren Betrieb (Smart Meter Gateway-Administration) bei 31 Unternehmen zertifiziert sowie zehn Zertifizierungsdienstleister in der Smart-Metering-PKI erfolgreich registriert.

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Wed, 28 Aug 2019 12:10:29 +0200
Holz wächst zu langsam, um klimaneutral zu sein https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/holz-waechst-zu-langsam-um-klimaneutral-zu-sein-4789.html Holz gilt gemeinhin als klimaneutral. Beim Verbrennen wird also nur soviel CO2 freigesetzt wie der... Bäume können unserem CO2-Budget keinen Kredit geben

Holz als Problemlöser der Klimakatastrophe verursacht bei vielen Menschen Glücksgefühle. So löste eine Studie von der ETH Zürich, dernach das Pflanzen von wenigen Milliarden Bäumen die entscheidenden Mengen an CO2-Emissionen aus unserer Atmosphäre fischen könnte, einen medialen Hype aus, dem sich sogar Politiker wie Armin Laschet, dem Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens, anschlossen, der kurzfristig eine Baumprämie für das Pflanzen von Bäumen auslobte.

Ebenso motivierend wirkte die Meldung, dass in Äthiopien 354 Millionen Setzlinge in zwölf Stunden gepflanzt wurden. Auf einmal erschien es so, als ob wir alle kollektiv an ein paar Sonntagnachmittagen den Klimawandel stoppen können. Doch so einfach ist es nicht. Denn, was viele Medien nicht wirklich zur Kenntnis nehmen wollten, Bäume wachsen zu langsam. Sie brauchen rund 40 Jahre. Ein Zeitraum, indem unser Klima bereits irreversibel mit weiteren CO2 geschädigt werden würde.

Natürlich ist es nicht schlecht Bäume zu pflanzen. Nur unserem jetzigen CO2-Budget kann dies nicht als Kredit weiterhelfen. Auch die Schweizer Forscher machten hierauf aufmerksam: Es dauere Jahrzehnte, bis die gepflanzten Bäume die Mengen an CO2 aus der Atmosphäre holen könnten, die wir jetzt durch Verbrennen unserer Bäume emittieren.

Grüne Holz-Subventionen finanzieren fossile Großkraftwerke

Die Bäume, die wir heute verheizen, heizen also den Klimawandel an. Das mag für den einzelnen Kamin, der wenige Male im Jahr zum stilvollen Feuermachen angeheizt wird, weniger ins Gewicht fallen. Jedoch werden in Europa auch Kraftwerke mit u.a. Holzpellets gefüttert, um die eigenen CO2-Reduktionsziele zu erreichen. Diese Holzpellets werden zudem teils von Übersee importiert. So steuert diese „Biomasse“ einen signifikanten Anteil zur Klimabilanz Europas bei. Auch Biokraftstoffe aus Holz sind denkbar, welche das Problem, dass unsere Bäume zu langsam nachwachsen, noch verschärfen könnte.

Die Vorstellung einer „neutralen Kohlenstoffwäsche“ nachwachsender Rohstoffe muss also revidiert werden. Dies ist insbesondere wichtig, da die Politik dies noch nicht erkannt zu haben scheint. Denn nach wie vor geht die Politik davon aus, dass das Verbrennen von Holz zur Stromerzeugung jetzt eine große Menge Kohlenstoff in die Atmosphäre ausstößt, die dann, wenn der Wald nachwächst, schließlich zurückgesaugt wird. Aber dies dauert zu lange. Wir werden in den nächsten Jahrzehnten Kippunkte erreichen, nach denen der Klimawandel mit seinen Folgen nicht mehr aufzuhalten ist. Somit ist Holz kurzfristig nur ein weiterer „fossiler Brennstoff“.

CO2-Amortisationszeit dauert für Klima-Kipppunkte zu lange

In Bezug auf das Klima kommt es hauptsächlich auf die Kurzfristigkeit an. Forscher gehen bei der „Amortisationszeit“ des Holzes, also der Zeit in der die Bäume nachwachsen können und die gleiche Menge CO2 aufnehmen, von etwas mehr als vierzig Jahren aus. Ein Zeitraum, der weit über den vom IPCC als entscheidend für die Reduzierung der CO2-Emissionen ermittelten Zeitraum hinausgeht. Denn in der Zwischenzeit kann der von Ihnen emittierte Kohlenstoff potenziell irreversible Auswirkungen haben, die auftreten können, bevor die langfristigen Vorteile realisiert werden.

Der Irrglaube in der Politik äußert sich in entsprechenden Regularien: Das Fällen von Bäumen wird aktuell noch als klimaneutral behandelt, was bedeutet, dass Energieversorger Holz in ihren alten Anlagen verbrennen und Subventionen für die theoretische Reduzierung ihrer Emissionen erhalten.

Laut regenwald.org verfeuert allein der Konzern Drax in den drei Blöcken eines Kohlekraftwerks in Yorkshire 13,6 Millionen Tonnen Holz pro Jahr. Damit verheizt Drax mehr Holz als im waldarmen Großbritannien pro Jahr erzeugt wird, um damit lediglich 0,78% des Energiebedarfs des Landes zu decken. Fast alles Holz importiert Drax in Form von Pellets aus Übersee. Das meiste Holz stammt aus dem Süden der USA – dafür werden dort Sumpfwälder kahlgeschlagen und die Lebensräume Tausender Arten zerstört. Für die Verfeuerung ganzer Wälder erhielt Drax allein 2017 umgerechnet über 800 Millionen Euro Subventionen.

Nicht jedes Waldgebiet ist gleichermaßen wieder aufforstbar

Und das Verfeuern von solchen Sumpfwäldern weist auf ein weiteres Problem hin: Nicht jedes Waldgebiet ist gleichermaßen wieder aufforstbar. So entstehen im Amazonas keine neuen Wälder, sondern es entstehen aufgrund der Bodeneigenschaften Weide. Gerade diese Wälder sind aber lebenswichtige Kohlenstoffsenken, deutlich wichtiger als andernorts z. B. in Nordamerika.

Zudem kommt hinzu, dass Bäume nicht „linear“ wachsen und auch nicht-linear CO2 aufnehmen. Bäume wachsen besonders schnell und nehmen entsprechend viel CO2 in ihren mittleren Jahren auf. Es ist daher hinsichtlich der jetzigen CO2-Einsparung sinnvoller die Bäume weiterwachsen zu lassen, denn diese nehmen in ihrer zweiten Lebenshälfte mehr CO2 auf als in ihrer ersten.

Diese Meinung vertreten auch hunderte Wissenschaftler, die die Konsequenzen ihrer Forschungen unmissverständlich im „Letter from Scientists to the EU Parliamanet regarding Forest Biomass“ an das EU Parlament adressierten. Bisher haben die Wissenschaftler keine Antwort erhalten.

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Sun, 18 Aug 2019 11:30:45 +0200
Neues Alarmglas: Faser-Bragg-Gitter erkennt jeden Einbruchsversuch https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/neues-alarmglas-faser-bragg-gitter-erkennt-jeden-einbruchsversuch-4788.html Sicherheitsglas löst erst Alarm aus, wenn es bricht. Forscher haben auf Basis eines... Sicherheitsglas wird eingesetzt, um vor Einbruch oder vor Verletzungen bei Glasbruch zu schützen. Beim Einbruchschutz besteht jedoch der Nachteil, dass die Scheibe erst brechen muss, damit der Glasbruchmelder Alarm auslöst. Denn herkömmliches Sicherheitsglas ist mit Metallfäden ausgerüstet, die erst bei einer mechanischen Beschädigung reißen und somit den Alarm aktivieren.

Wird das Sicherheitsglas beispielsweise durch einen Schneidbrenner oder lokal mit einem Bohrer beschädigt, reagieren konventionelle Anlagen gar nicht oder zu spät. Diesen Umstand machen sich Einbrecher zunutze und verwenden anstelle eines Hammers einen Bohrer oder Gasbrenner.

Forscher am Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen INT und am Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS haben daher gemeinsam einen intelligenten Einbruchschutz auf Basis eines Faser-Bragg-Gitters patentieren (DE102011003073B4) lassen, der thermische und mechanische Belastungen durch äußeres Einwirken zeitnah und dynamisch erfasst. Bereits ein leichter Schlag gegen das Sicherheitsglas oder die Manipulation durch eine Flamme reicht aus, um den Alarm auszulösen.

Die Überwachung der Glasscheibe basiert auf einem Glasbruchsensor, der durch ein Faser-Bragg-Gitter, also in Lichtwellenleiter eingeschriebene optische Interferenzfilter, in einer Glasfaser realisiert wird. Der Sensor mit Faser-Bragg-Gitter ist ein optischer Sensor, der eine spezifische Wellenlänge des Lichts reflektiert, die durch Temperatur- und/oder Dehnungsabweichungen verändert wird. Durch Gewalteinwirkung ändert sich diese Wellenlänge und der Sensor löst Alarm aus.

Dabei werden einzelne Linien mittels UV-Licht in die Glasfaser eingeschrieben. In dem Faserkern entsteht eine periodische Modulation des Brechungsindex, mit hohen und niedrigen Brechungsindexbereichen, die das Licht einer bestimmten Wellenlänge reflektiert (Bandsperre). Dieses reflektierte Licht in Singlemodefasern ergibt sich durch die Bragg-Bedingung: λ = 2 n Δ, wobei Δ den Abstand der Gitterelemente beschreibt und n der Brechungsindex ist.

Trifft nun Licht auf das FBG, wird es durch Interferenz am FBG gebeugt (Reflexion). In Transmission ist an dieser Stelle des eingekoppelten Messlichts dementsprechend eine Lücke. Ändert sich der Abstand der Gitterelemente am Gitter nun durch den Einfluss von Erschütterung oder Wärme, so ändert sich auch λ. Diese Änderung kann man mittels eines empfindlichen optischen Messgerätes erfassen.

Das neuartige Alarmglas besteht aus einem Bragg-Gitter, einer Glasfaserzuleitung, einer Schnittstelle zur Alarmanlage und einer Auswerteelektronik, die das optische Messgerät enthält. Die Glasfaser kann in der Ecke der Fensterscheibe oder an anderen Positionen eingebracht werden. Die Auswerteeinheit, an die sich unterschiedliche Glasfasern anschließen lassen, wird im Rahmen der Fensterscheibe verbaut werden. Die Auswerteeinheit kann sich auch in großer Entfernung von dem Sicherheitsglas befinden, da das Faser-Bragg-Gitter in der Lage ist, Licht in der Glasfaser auch über mehrere Kilometer zu transportieren.

Übt jemand Druck auf die Glasscheibe aus oder wird sie erhitzt, ändert sich der Abstand der Gitterelemente zueinander und somit auch die übertragene Wellenlänge. Diese Änderungen können empfindliche optische Messgeräte erfassen. Sind die Veränderungen größer als ein vorher identifizierter Schwellenwert, werden Signale an die Alarmanlage übermittelt. Das System kann zudem sehr fein und gezielt eingestellt werden, es kann sowohl auf leichte als auch auf starke Schläge reagieren. Das lässt sich je nach Anwendungsfall individuell anpassen.

Ein weiterer Vorteil des Fraunhofer-Systems: Glasfasern sind resistent gegenüber elektromagnetischen Störungen. Elektronik lässt sich zum Beispiel durch das Aussenden von Mikrowellen stören. Deren Impulse können herkömmliche Alarmanlagen außer Kraft setzen oder einen ungewollten Alarm erzeugen. Außerdem schließt eine Mustererkennung Fehlalarme durch alltägliche Erschütterungen aus. Denn ein Fußball oder ein Vogel hinterlassen eine andere Signatur als ein Hammer oder ein Baseballschläger.

Glasfasersensoren mit Faser-Bragg-Gitter haben aber nicht nur Vorteile in Anwendungen von Sicherheitsglas, es eignet sich beispielsweise auch zum Überwachen von Brücken, Gebäuden, Rohrleitungen, tragenden Strukturen in der Luft- und Raumfahrt sowie Windkraftanlagen. Anwendungen faseroptischer Messtechnik mit Interferenz-Filtern sind aber auch in der Elektromobilität gefragt, da das rein optische Messprinzip ein sehr gutes Isolationskonzept gegenüber Hochspannung bietet und komplett immun gegen elektromagnetische Störungen (EMV) sind.

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Fri, 16 Aug 2019 12:39:06 +0200
Kramp-Karrenbauer schlägt Abwrackprämie für Ölheizungen vor https://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/kramp-karrenbauer-schlaegt-abwrackpraemie-fuer-oelheizungen-vor-4787.html In einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“ forderte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer eine... Abwrackprämie auch für neue Öl- und Gasheizungen?

Unklar bleibt jedoch, für was genau die Abwrackprämie gezahlt werden soll. Möglich ist, dass "AKK" den Umstieg auf eine neue Ölheizung fördern will. Dies wäre natürlich hinsichtlich des dringend nötigen Klimaschutzes sehr kontraproduktiv, da jede jetzt installierte Heizung häufig 20 Jahre und länger genutzt werden wird. Eine jetzt neu installierte Ölheizung wird also auch noch nach 2040 laufen, wenn sich Deutschland zur Erreichung der Klimaschutzziele schon lange keine fossilen Heizungen mehr leisten kann.

Eine zweite Auslegung kann bedeuten, dass Annegret Kramp-Karrenbauer mit einer Abwrackprämie keine neuen Ölheizungen, sondern alle verbleibenden inklusive neuer Gasheizungen fördern will. Der BDEW sieht hierin eine Möglichkeit, den Ölheizungsbestand schnell zu reduzieren: Denn fast die Hälfte der 5,8 Millionen Gebäude, die noch durch eine Ölheizung versorgt werden, liegen laut dem BDEW im gasberohrten Gebiet.

Dies bedeutet, so der BDEW, dass mindestens 2,1 Millionen dieser Gebäude mit einer Gasheizung modernisiert werden könnten, weitere 510.000 Gebäude ließen sich an das Fernwärmenetz anschließen. Über 14 Millionen Tonnen CO2 ließen sich alleine durch diese Maßnahme einsparen. Würde man alle Ölheizungen durch moderne Heizungstechnologien ersetzen, ließen sich sogar bis zu 30 Millionen Tonnen CO2 einsparen, so der BDEW.

Öl-Heizungen nur durch Erneuerbare ersetzen

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) begrüßt den Vorstoß der CDU als einen wichtigen Schritt, um im Wärmebereich mehr CO2 einzusparen. Eine Abwrackprämie für alte Ölheizungen ist laut BEE nur dann sinnvoll, wenn diese nicht durch neue Öl- oder Gasheizungen ersetzt werden: „Die steuerliche Förderung darf auf keinen Fall Heizungstechnologien mit fossilen Energieträgern subventionieren. Sonst schaffen wir die Klimaziele nicht.“

Auch Prof. Volker Quaschning reagiert auf Twitter eindeutig: "Wir ersetzen für viel Geld ein paar fossile Ölheizungen durch fossile Gasheizungen. Paris klappt aber nur, wenn gar keine neuen Öl- und Gasheizungen mehr eingebaut werden." Claudia Kemfert fordert auf Twitter hingegen, dass man statt Abwrackprämien für Ölheizungen die Förderung [von Ölheizungen] sofort einstellen und zudem die energetische Gebäudesanierung aber auch nachhaltige Verkehrswende fördern solle.

Mit einer Abwrackprämie Ölheizungen durch Erdgasheizungen zu ersetzen, verschiebt eine grundlegende Systemtransformation im Heizungsmarkt nur unnötig nach hinten, sagt Dr. Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbandes Geothermie e.V. Er fordert ein Installationsverbot für fossile Heizungssysteme bei Neubauten und ambitionierte Fristen, fossile Heizungssysteme im Bestand auf Erneuerbare Energie umzurüsten. Gerade die Kosten von Erdwärmeheizungen seien durch Belastungen wie Steuern und Abgaben viel höher als im Vergleich zu Öl und Gas. "Hier muss der Gesetzgeber handeln“, fordert Knapek.

Diese Ansicht teilt auch Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) e.V.: „Eine Abwrackprämie für alte Ölheizungen kann eine sinnvolle Maßnahme sein, um die Energiewende in den Heizungskellern voranzutreiben. Sie hat aus unserer Sicht allerdings nur dann einen wirkungsvollen Effekt für die langfristige Minderung der CO2-Emissionen im Gebäudesektor, wenn statt des Ölkessels erneuerbare Heizungssysteme eingesetzt werden. Dies muss am Wärmemarkt unterstützt werden – sowohl durch Förderung, also auch durch eine faire CO2-Bepreisung und eine deutliche Senkung der Strompreise.“

Alternativen: Ölheizungsverbot und Bio-Heizöl

Eine Alternative zur Abwrackprämie, die natürlich auch Steuergelder kosten würde, wäre ein einfaches Neuinstallationsverbot von Ölheizungen. In einigen Nachbarländern ist ein Verbot der Ölheizung in der Diskussion oder bereits gesetzlich verabschiedet. So ist in Dänemark bereits seit 2013 die Installation von Öl- und Gasheizungen in Neubauten untersagt. Seit dem 1. Januar 2016 dürfen auch in Bestandsgebäuden keine Öl-Heizkessel mehr eingebaut werden.

Auch in Österreich wird ein Ölheizungsverbot diskutiert. Als Gegenargument führt der österreichische Ölhandel das sogenannte „HVO“ (Hydrotreated Vegetable Oil) an, das aus erneuerbarem Strom und pflanzlichen oder tierischen Fetten erzeugt werden soll. "Erneuerbare Energie Österreich" hält "grünes" Bio-Heizöl keine Lösung: Die Herstellungskosten von HVO lägen deutlich über denen erneuerbarer Wärmetechnologien und ihr Einsatz ist nur in neuen Kesseln sinnvoll. Zudem würden für die Erzeugung von „HVO“ große Mengen Ökostrom benötigt, der in anderen Anwendungen sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Tipp: Unter www.waermepumpe-regional.de finden Sie Wärmepumpen-Beispiele in ganz Deutschland. Schauen Sie mal rein und lassen Sie sich von Anwendungen in Ihrer Stadt oder Gemeinde inspirieren.

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Mon, 12 Aug 2019 15:59:23 +0200