Letzte Aktualisierung: 17.06.2022

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Flusswärmepumpen sollen letztes Hamburger Kohlekraftwerk ersetzen

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Das Heizkraftwerk Tiefstack soll als letztes Hamburger Kohlekraftwerk durch verschiedene klimaneutrale Wärmelösungen ersetzt werden. Dazu gehören u.a. Abwärme aus Industrie und Müllverbrennung, Power-to-Heat und vor allem Flusswärmepumpen, die Wärme aus der Norderlebe und der Bille gewinnen sollen. Das berichteten heute Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan und der Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke (HEnW) Christian Heine zur Vollendung des Hamburger Kohleausstiegs.

Diese Grafik zeigt das schematisch das Energie-Konzept des Energiepark Tiefstack

Der Energiepark Tiefstack wird künftig den Hamburger Osten mit überwiegend klimaneutraler Wärme versorgen und dafür vor allem vorhandene Wärmequellen aus der Norderlebe und der Bille mit Flusswärmepumpen nutzen. (Grafik: Hamburger Energiewerke)

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Der Energiepark Tiefstack soll künftig den Hamburger Osten mit überwiegend klimaneutraler Wärme versorgen und dafür vor allem dort vorhandene Wärmequellen der Metropole Hamburg nutzen. Zahlreiche Optionen für den Ersatz des letzten verbliebenen Hamburger Kohlekraftwerks wurden von den Hamburger Energiewerken in den vergangenen eineinhalb Jahren geprüft und mit den Expertinnen und Experten des Beteiligungsgremiums diskutiert. Jetzt liegt ein Konzept dieses Prozesses vor, das aufzeigt, wie der Kohleausstieg in der Hansestadt gelingen kann.

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Geplante Flusswärmepumpen wären derzeit die größten in Deutschland

Das Heizkraftwerk Tiefstack soll als letztes Hamburger Kohlekraftwerk durch verschiedene klimaneutrale Wärmelösungen ersetzt werden. Dazu gehören u.a. Abwärme aus Industrie und Müllverbrennung, Power-to-Heat und vor allem Flusswärmepumpen, die Wärme aus der Norderlebe und der Bille gewinnen sollen. Sie sollen künftig den größten Anteil grüner Wärme zum Energiepark Tiefstack beisteuern. Die beiden Wärmepumpen können mit zusammen rund 230 Megawatt Leistung 130.000 Haushalte mit grüner Wärme versorgen und wären derzeit die größten in Deutschland geplanten Wärmepumpen-Anlagen.

Zusätzliche Wärmelieferungen kommen aus Abwärme der Kupferhütte Aurubis sowie der Müllverwertung Borsigstraße, die durch technologische Innovationen die Wärmelieferung künftig deutlich erhöhen kann. Zur Absicherung der Wärmeversorgung in Spitzenlastzeiten wird das bestehende Heizkraftwerk Tiefstack auf den wahlweisen Einsatz von Erdgas oder nachhaltiger Biomasse aus Rest- und Schadholz umgestellt. Eine neue Wind-zu-Wärme-Anlage, ein großer Wärmespeicher sowie ein saisonaler Aquiferspeicher erhöhen die Flexibilität und runden das Konzept ab. Mit der Fertigstellung des Energieparks Tiefstack sollen die CO2-Emissionen der zentralen Hamburger Stadtwärmeversorgung gegenüber heute um 70 bis 80 Prozent sinken.

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Modulares Energiekonzept bietet maximale Flexibilität bei der Auswahl der Wärmequellen

Jens Kerstan, Senator für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: "Das vorgestellte Konzept für den vollständigen Kohleausstieg ist ein Quantensprung für die Fernwärmeversorgung der Zukunft. Wie auch bei der Abwasserwärmepumpe des Energiepark Hafens, setzen wir mit dem Energiepark Tiefstack und der vorgeschlagenen Flusswasserwärmepumpe bundesweit Maßstäbe. Wichtige Teile zum aktuellen Stand des Konzepts müssen noch vertiefte Machbarkeitsuntersuchungen durchlaufen, doch ein großer Teil befindet sich schon jetzt in konkreter Umsetzung: Die Abwärme aus Aurubis und die zusätzliche Wärmeauskopplung aus der Müllverbrennungsanlage Borsigstraße werden bereits 2025 in vollem Umfang zur Verfügung stehen und den Einsatz von Kohle in Tiefstack deutlich reduzieren.

Wir werden damit den Anforderungen des Hamburgischen Klimaschutzgesetzes gerecht, den Einsatz von Kohle bis zum endgültigen Ausstieg weitestgehend zu reduzieren. Der Kohleaussteig soll bis spätestens 2030 vollzogen sein - mit dem vorgestellten Konzept sehen wir die Chance, den Ausstieg ein bis zwei Jahre früher möglich zu machen. Mein besonderer Dank gilt dem Beteiligungsgremium, das über anderthalb Jahre maximal in Anspruch genommen wurde. Dieser vorbildliche Beteiligungsprozess hatte den Anspruch, die Schritte und Planungen nachvollziehbar darzulegen und wichtige Impulse mitzugeben. Dies ist uns gelungen."

Christian Heine, Sprecher der Geschäftsführung der Hamburger Energiewerke: "Das vorliegende Konzept für den Energiepark Tiefstack ist innovativ, klimafreundlich und erlaubt maximale Flexibilität bei der Auswahl der Wärmequellen. Wir erleben aktuell turbulente Zeiten an den Energiemärkten, die uns zeigen, dass Klimaschutzmaßnahmen auch einen Beitrag zur Unabhängigkeit von Brennstoffimporten und der Bezahlbarkeit von Wärme leisten können. Niemand weiß heute genau, wie sich die Energiepreise in naher Zukunft weiter entwickeln werden. Wir haben aber mit dem Konzept eine nachhaltige und belastbare Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit und stellen uns damit gern der öffentlichen Diskussion."

Der Vorstellung des Konzepts ging ein eineinhalbjähriger Beteiligungsprozess voraus. Zehn Workshops liegen hinter dem Tiefstack Beteiligungsgremium. Zahlreiche Varianten für den Ersatz des letzten verbliebenen Hamburger Kohlekraftwerks wurden mit den Expertinnen und Experten aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, Wissenschaft, Gewerkschaften und Unternehmensverbänden diskutiert. Jetzt liegt ein Konzept der Hamburger Energiewerke unter Mitwirkung von Hamburg Institut, BET und GEF vor, das aufzeigt, wie der Kohleausstieg in der Hansestadt gelingen kann.

Tschüss Kohle begrüßt Diskussion um Holzverbrennung

Die Projektgruppe Tschüss Kohle hat eine Stellungnahme zum Konzept der HEnW (Hamburger Energiewerke) und sowohl zum Ablauf als zum Ergebnis des Prozesses verfaßt, das auf der Webseite von #TschuessKohle abrufbar ist. Dort heißt es:

"Das vorliegende Konzept ermöglicht die Beendigung der Kohleverbrennung in der Wärmeversorgung mit dem Zieldatum 2028 und kann so die gesetzliche Pflicht erfüllen. Dabei würde der „Energiepark Tiefstack“ im Vergleich zur theoretischen Minimalvariante für den Kohleausstieg, nämlich das Heizkraftwerk schlicht auf Erdgas umzustellen, durch die weiteren neuen Anlagen voraussichtlich deutlich weniger Treibhausgase erzeugen.

Wir kritisieren jedoch, dass holzartige Biomasse als klimaneutral berechnet wird. Diese allgemeine Definition halten wir für überholt. Die tatsächliche Klimawirkung durch die Verbrennung von Biomasse in der geplanten Größenordnung muss daher genau bilanziert werden, auch wenn sie unter Einhaltung von besonders kritischen Nachhaltigkeitskriterien beschafft werden soll. Wir begrüßen, dass die Entscheidung über den Einsatz von Biomasse noch nicht gefallen ist, sondern die BUKEA (Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft) zunächst in die Diskussion über die Kriterien der Biomassenutzung gehen und die Auswirkungen des Einsatzes von holzartiger Biomasse weiter untersuchen will.

Der Biomasseeinsatz würde mengenmäßig durch die Vorgaben der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) begrenzt. Hamburg sollte ihn ggf. auch zeitlich in die Zukunft begrenzen und auf eine Ablösung hinarbeiten. Darüber hinaus erwarten wir ein transparentes Monitoring des Biomasseeinsatzes.

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In Anbetracht der fortschreitenden Klimakrise muss der Fokus auf der Verdrängung von Wärmeerzeugung durch klimaschädliche Verbrennung liegen. Daher halten wir die schnelle Realisierung der beiden geplanten Flusswasser-Wärmepumpen unabhängig von der finalen Entscheidung über das Gesamtkonzept für erstrebenswert. Wir fordern alle städtischen Akteur:innen auf, dies zu fördern. Auch der oberirdische Wärmespeicher am Standort Tiefstack sollte schnellstmöglich gebaut werden.

Wärmepumpen entfalten ihre höchste Klimaschutzwirkung in der Wärmeerzeugung im Zusammenspiel mit EE-Strom. Um den künftig stark erhöhten Bedarf an regenerativem Strom in der Fernwärmeerzeugung zu decken, sollten alle Anstrengungen unternommen werden, die es Hamburg ermöglichen, mindestens einen signifikanten Teil davon selbst zu produzieren.

Insgesamt halten wir den Ansatz eines modularen Konzepts angesichts der unsicheren Entwicklungen der Rahmenbedingungen in der Energieversorgung für richtig. Die HEnW haben den Bedarf, das Heizkraftwerk am Standort Tiefstack zu erhalten, obwohl weitere Feuerungsanlagen am Fernwärmenetz in Betrieb sind, aus ihrer Sicht begründet. Als Grund wurden unter anderem die am Standort erbrachten Systemdienstleistungen für die Versorgungssicherheit genannt. Ein Konzept zur anderweitigen Erbringung der Systemdienstleistungen scheint notwendig, um das Kraftwerk abzuschalten."

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