Um Moore wieder zu natürlichen CO2-Speichern zu machen, empfehlen Experten so genannte Paludikulturen. Dabei werden spezielle Gras- und Schilfarten gepflanzt, die in wiedervernässten Moorböden gut gedeihen. Diese Pflanzen können gemäht und die Mahd in Biogas-Anlagen vergoren werden.
Der Anbau von Paludikulturen und die Wiedervernässung der Flächen bringen diverse Vorteile bringen – für den Klima-, Umwelt-, Arten- und Landschaftsschutz:
- Es sind weder eine Düngung noch (chemischer) Pflanzenschutz für die Kultur erforderlich;
- die Flächen werden seltener als herkömmliche Acker- oder Grünlandflächen und zudem außerhalb der Vogelbrutzeiten befahren.
- Die Flächen dienen ganzjährig als Wasserspeicher.
- Wenn die Biomasse in Heizkraftwerken oder Biogasanlagen durch Verbrennung oder Vergärung in Strom und Wärme bzw. in Biogasumgewandelt wird, ersetzt sie fossile Energieträger wie Kohle, Erdgas oder Heizöl, wodurch CO2-Emissionen vermieden werden.
Auf diese Weise wird nicht nur wertvolles Biogas erzeugt ohne die sonst mitunter damit verbundenen Nachteile wie Monokulturen oder Massentierhaltung.
- Dank der Einnahmen aus dem Verkauf von Paludipflanzen könnten Bauern auch auf eine ökologische Landnutzung umstellen.
- Die Moore würden wieder zu wertvollen Biotopen mit großer Bedeutung für den Artenschutz – bei zugleich hohem Klimanutzen.
Welche Paludikulturen sich auf wiedervernässten Moorflächen jeweils etablieren lassen und welchen Aufwand dies erfordert, ergibt sich aus der vorherigen Nutzung der Flächen. Ein Beispiel ist bereits feuchtes Grünland, bei dem der Wasserstand weiter angehoben wird, um die Fläche noch stärker zu vernässen: Hier lässt sich die gewünschte Zielvegetation durchaus allein dadurch erreichen, dass an hohe Wasserstände angepasste Arten die zuvor durch die landwirtschaftliche Nutzung etablierten Arten verdrängen.
Das Ernteverfahren kann ein-, zwei- oder dreistufig erfolgen. Bei jeder Stufe muss die Fläche mit Maschinen befahren werden. Dies sollte bei den nassen, wenig tragfähigen Moorstandorten auf ein Minimum begrenzt werden.
- Bei einer einstufigen Ernte wird das Erntegut abgemäht, direkt eingesammelt und von der Fläche gefahren.
- Ein zweistufiges Verfahren trennt den Arbeitsschritt des maschinellen Mähens vom Einsammeln und Abfahren des Erntegutes.
- Beim dreistufigen Verfahren werden alle drei Arbeitsschritte getrennt erledigt.
Welche Erntemaschinen eingesetzt werden, ist abhängig vom Wasserstand auf der Fläche.
In Biogasanlagen wandeln dann Mikroorganismen die Biomasse aus dem Moor in wertvollen organischen Dünger und Biogas um. Biogas besteht zu mehr als der Hälfte aus Methan, das gereinigt in das Erdgasnetz eingespeist werden und über die Gasleitung bis zum Endverbraucher gelangen kann.
Die Vergärung von Biomasse aus einer Paludikultur ist bislang lediglich in Laborversuchen untersucht worden. Die Biogasgewinnung aus Gras ist hingegen Stand der Technik, so dass auf diesen Erfahrungen aufgebaut werden kann.
Angesichts des großen Klimaschutz-Potenzials werde Greenpeace Energy nun prüfen, ob und wie sich das innovative Konzept der Biomassenutzung von Paludikulturen umsetzen lasse.