Letzte Aktualisierung: 28.06.2022

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Notfallstufe Gas: Familien drohen Mehrkosten von 2.500€!

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Seit Tagen liefert Russland weniger Gas nach Deutschland als vertraglich vereinbart. Deutschland hat daraufhin die Alarmstufe für unsere Gasversorgung ausgerufen. Sollte noch weniger Gas über Nord Stream 1 kommen, droht die Notfallstufe. Die Gaspreise können dann an den Großhandelspreis kurzfristig angepasst werden. Dann drohen einem 4-Personen-Haushalt jährliche Mehrkosten von 2.500€!

Diese Grafik zeigt Szenarien, wie sich die Gasspeicherfüllstände in den kommenden Monaten entwickeln könnten

Das Gas-Mengengerüst-Modell liefert Aussagen über das Ausmaß ausbleibender russischer Gasimporte über den Zeitraum Juni 2022 bis Juni 2023. In 6 von 7 der von der Bundesnetzagentur berechneten Szenarien zur deutschen Gasversorgung laufen die Gasspeicher nahezu leer, sodass ab Anfang 2023 ein Gasmangel droht. (Grafik: © BMWK, Bundesnetzagentur, Referat 623)

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Der Gaspreis in Deutschland ist seit Herbst 2021 stark angestiegen. Der Ausbruch des Krieges in der Ukraine hat die Situation noch weiter verschärft. Einschließlich aller Steuern und Abgaben mussten im Mai 2022 rund 13 Cent pro Kilowattstunde (kWh) gezahlt werden. Vor einem Jahr lag der durchschnittliche Gaspreis noch bei 6,29 Cent/kWh! Und die brisante Versorgungslage lässt die Gaspreise aktuell weiter steigen.

Gas-Mengengerüst: Im Winter droht ein Gasmangel

Und trotzdem dürfte der Gaspreis dieses Jahr noch deutlich weiter steigen. Denn die stockenden Gasflüsse aus der Nord Stream 1-Pipeline lassen auf einen Gasmangel im kommenden Winter befürchten.

Laut Gas-Mengengerüst-Berechnungen von 06/22 bis 06/23 der Bundesnetzagentur könnten in Deutschland im schlechtesten Fall bereits ab Mitte Dezember ein Gasmangel von 107 TWh herrschen. In anderen Szenarien entsteht erst später ein Gasmangel oder die Speicherfüllstände sind zum Ende des Winters sehr niedrig.

Wie auch immer sich die Gaslieferung von Russland entwickelt, geht die Bundesnetzagentur davon aus, dass sich Unternehmen und private Verbraucher auf deutlich steigende Gaspreise einstellen müssen.

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"1.000€ bis 2.000€ sollte man beiseite legen!"

Zu dieser Einschätzung kommt auch Claudia Kemfert, Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. In der Talkrunde "Anne Will" am 26.06.2022 geht Sie sogar von einer Vervierfachung des Gaspreises aus.

"Die Gaspreise vervierfachen sich teilweise, wenn sie komplett durchgereicht werden. 1.000€ bis 2.000€ sollte man beiseitelegen. Das kommt noch nicht in diesem Winter so brutal, aber nächsten Winter höchstwahrscheinlich, weil es immer zeitverzögert nachgereicht wird. Und deswegen plädiere ich ja so stark dafür wegzukommen von den Gasheizungen, von den fossilen Energien, damit diese Kosten aufgefangen werden", so Claudia Kemfert im Gespräch mit Anne Will.

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Gaspreis für Neukunden kratzt an der 20 Cents-Marke

Eine Gaspreis-Explosion könnte jedoch auch noch deutlich früher kommen. Denn macht die Bundesregierung vom sogenannten Preisanpassungsmechanismus, den §24 des Energiesicherungsgesetzes ermöglicht, Gebrauch, können Versorgern die gestiegenen Großhandelspreise für den Gaseinkauf unmittelbar an Kundinnen und Kunden weitergeben. Dieser Mechanismus soll einen Kollaps der Energieversorgung verhindern.

Aber er hat auch Schattenseiten. Können die geschlossenen Gasverträge sonst nicht ohne Weiteres an das Marktniveau angepasst werden, reicht nun eine kurze Frist, um die Gaspreise auch bei bestehenden Verträgen anzuziehen.

Als Orientierung, mit welchen Kosten Verbraucherinnen und Verbraucher dann rechnen müssen, können die aktuellen Preise für Neukunden am Markt dienen. Denn die Neukundenpreise orientieren sich in der Regel am aktuellen Börsenhandelspreis für Erdgas. So kostete 1 kWh Gas für Neukunden am 27.06.2022 kostete 19,77 Cents, der 7-Tage-Durchschnitt lag bei  16,81 Cents pro kWh Gas.

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4-Personen-Haushalt könnten Mehrkosten von 2.500€ drohen

Ein interaktiver Rechner von ZEIT ONLINE, der die Neukundenpreise als Grundlage für die Gaspreisprognose nimmt, hilft, das abzuschätzen. Wie der Rechner zeigt, stehen vielen Haushalten Preiserhöhungen bevor, durch die sich die derzeitigen Abschlagszahlungen verdoppeln könnten.

Würde die Bundesnetzagentur den Preisanpassungsmechanismus aktivieren, müsste ein 4-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus mit einem Gasverbrauch von 20.000 kWh kurzfristig mit einer monatlichen Belastung von 328 Euro rechnen. Das sind 233 Euro mehr als letzten Herbst. Pro Jahr sind das Kosten von 3.930 Euro. Jährlich müsste dieser Haushalt dann mit Mehrkosten für Gas von 2.796€ rechnen.

Hintergrund: Selbst wenn nun gar kein russisches Gas mehr fließt, müssen die rund 19 Millionen Gasheizungskunden in Deutschland in ihren Wohnungen nicht frieren. Sie zählen zu den sogenannten geschützten Kunden und werden ähnlich wie Wärmekraftwerke, soziale Einrichtungen sowie Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen mit einer begrenzten Jahresentnahme auch den kompletten Winter über beliefert. Dies gibt der europäische Rechtsrahmen vor und ist im deutschen Energiewirtschaftsgesetz verankert.

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