Letzte Aktualisierung: 31.05.2022

Rebound-Effekte: Wirkungsweise und Gegenstrategien

Was ist ein Rebound-Effekt? Wie lässt er sich erklären? Welche Bedeutung haben derlei Effekte für die Energiepolitik?
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Die Steigerung der Energieeffizienz von Produkten und Prozessen, die Energie verbrauchen, soll idealerweise dazu führen, dass weniger Energie verbraucht wird. Aus der Einsparung an Energie resultieren weniger Energiekosten, weniger Treibhausgasemissionen und weniger Abhängigkeiten von zumeist fossilen Energieträgern, die importiert werden müssen. Doch die Realität zeigt, dass das Mehr an Energieeffizienz häufig auch zu einem Mehr an Energieverbrauch führt – der Grund: sogenannte Rebound-Effekte.

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Was ist ein Rebound-Effekt?

Der aus dem Englischen abgeleitete Begriff „Rebound-Effekt“ (auf Deutsch: „Abpralleffekt“ oder „Rückschlageffekt“), kurz auch nur „Rebound“ genannt, wird in der Energiewirtschaft für Effekte verwendet, die bewirken, dass das Potenzial an Einsparungen infolge Effizienzsteigerungen nicht oder nur anteilig ausgeschöpft wird.

Demnach ließe sich ein Rebound-Effekt als ein Anstieg des Energieverbrauchs definieren, der aufgrund einer Effizienzsteigerung auftritt.

In Prozentzahlen ließe sich das Ganze so aufzeigen: Nimmt die Effizienz eines Heizgeräts um 25 Prozent zu, könnte man eine Minderung des Brennstoffverbrauchs von 20 Prozent (=1-1/1,25) erwarten. Tritt diese nicht in dem erwarteten Maß auf – der Brennstoffverbrauch sinkt nur um 10 Prozent – beträgt der Rebound-Effekt 50 Prozent (20/2=10).

Ein Rebound ist meist das Resultat mehrerer Effekte, die von der Effizienzsteigerung verursacht werden.

Es geht also zum Beispiel darum, dass ein Verbraucher mit einem neuen Brennwertkessel zum Heizen gegenüber dem alten Niedertemperatur-Kessel zwar einerseits Brennstoff (Energie) und Brennstoffkosten (Energiekosten) spart, andererseits aber die Ersparnis mindert, weil er mit dem Wissen um das energiesparende Gerät häufiger und/oder stärker heizt. Der Rebound-Effekt ist damit der prozentuale Anteil des theoretisch erreichbaren Einsparpotenzials von Effizienzsteigerungen, der wegen des Verhaltens der Verbraucher nicht eingespart wird.

Direkter Rebound-Effekt

Man unterscheidet Rebound-Effekte in

  • direkte und
  • indirekte.

Ein direkter Rebound-Effekt tritt ein, wenn sich die Nachfrage nach dem effizienten Gut (Produkt oder Dienstleistung) erhöht. Er lässt sich damit erklären, dass die effizientere Energiedienstleistung aufgrund der höheren Effizienz günstiger wird. Es gilt: Was günstiger angeboten wird, nach dem wird stärker gefragt.

Direkter Rebound-Effekt am Beispiel eines Lampentauschs:

Mit dem Einsatz effizienterer Leuchtmittel lässt sich Energie sparen. Allerdings resultiert aus ihrem Einsatz oft auch, dass die Leuchtmittel länger betrieben werden, sich also die Betriebszeiten/ Laufzeiten ausweiten.

Direkter Rebound-Effekt am Beispiel eines Heizungstauschs:

Belaufen sich die jährlichen Heizkosten einer alten Ölheizung auf 12,30 Euro pro Quadratmeter, liegen die Kosten bei gleichem Heizverhalten mit Holz-Pellets bei 8,00 Euro. Die Heizkosten könnten mit einer Holz-Pellet-Heizung theoretisch um ein gutes Drittel reduziert werden. Erhöhen Sie bei der neuen Pelletheizung die Raumtemperatur jedoch von 20 auf 24°C, da der Brennstoff ja nun viel günstiger ist, greift der direkte Rebound-Effekt. Der Verbrauch steigt damit um fast 25 Prozent..

Tabelle: Beispiele und absolute Wirkung direkter Rebound-Effekte
Beispiel Direkter Effekt
häufigeres Autofahren als Folge günstigerer Benzinpreise 5 bis 20 Prozent
Kauf effizienterer Haushaltselektronik etwa 10 Prozent

Indirekter Rebound-Effekt

Ein indirekter Rebound-Effekt tritt dagegen ein, wenn der Verbraucher das dank erhöhter Effizienz an Energiekosten eingesparte Geld für etwas anderes ausgibt, was seinerseits auch wieder Energie verbraucht. Infolgedessen erhöht sich die Nachfrage nach neuen Produkten, die unter neuerlichem Energieverbrauch hergestellt, betrieben und entsorgt werden müssen. Der "indirekte" Rebound-Effekt liegt häufig bei rund 5 bis 15 Prozent.

Indirekter Rebound-Effekt am Beispiel eines Lampentauschs:

Der Ersatz von Glühbirnen mit effizienteren Energiesparlampen in Skandinavien führte dazu, dass der daraus resultierende Wärmemangel damit ausgeglichen wurde, dass die Verbraucher die Heizungen weiter aufdrehten.

Indirekter Rebound-Effekt am Beispiel eines Autokaufs:

Ein neuer Pkw verbraucht dank effizienterer Technik weniger Kraftstoff. Wird das eingesparte Geld zur Finanzierung einer Flugreise verwendet, spricht man von einem indirekten Rebound.

Expertenwissen: Hier lässt sich ein psychologischer Effekt, die sogenannte Moralische Lizenzierung, als Ursache für den indirekten Rebound beobachten: Mit Moralischer Lizensierung ist das Phänomen gemeint, dass Menschen nachdem sie eine gute Tat vollbracht haben, ohne Schuldgefühle eine schlechte Tat vollbringen können.

Gesamtgesellschaftlicher Rebound-Effekt

Neben direkten und indirekten Rebound-Effekten gibt es auch sogenannte gesamtwirtschaftliche (also makroökonomische) Rebound-Effekte: Die mit erhöhter Effizienz eingesparte Energie ist als extra Angebot auf dem (weltweiten) Markt. Das verfügbare Mehr lässt ihren Preis sinken, woraus wiederum eine gesteigerte Nachfrage resultiert.

Weil auf diese Weise der eine Verbraucher zwar Energie spart, der andere aber mehr Energie verbraucht, ergibt sich insgesamt eine geringere Ersparnis als erwartet. Der gesamtwirtschaftliche Rebound-Effekt umfasst direkte und indirekte Rebound-Effekte.

Rebound vs. Backfire

Abzugrenzen ist ein solcher Rebound-Effekt – bei dem die Ersparnis nur gemindert wird – von einem sogenannten Backfire – wo sie quasi nach hinten los geht: Dieses träte dann ein, wenn der Verbraucher, um in unserem Beispiel zu bleiben, mit dem neuen Brennwertkessel insgesamt sogar mehr Wärme erzeugen würde als mit dem alten Heizkessel.

Rebound-Effekte durch Photovoltaikanlagen

Haushalte, die in den letzten Jahren eine Solaranlage installiert haben, verbrauchen im Schnitt fast 20 % mehr Strom als vergleichbare Haushalte ohne PV-Anlage. Zu diesem Ergebnis kommt das BMBF-Projekt "EE-Rebound" unter Koordination des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung. Für den Mehrverbrauch gibt es ökonomische und psychologische Gründe.

Rebound durch Einkommens- und Preiseffekt

Wird der PV-Strom in das Netz eingespeist, erhalten Haushalte dafür eine Vergütung. Diese Vergütung führt zu einer Einkommenssteigerung der Haushalte (denn die einmaligen Investitionsausgaben zu Beginn geraten mitunter aus dem Blickfeld). Das zusätzliche Geld wird häufig in neue Geräte oder in einen Mehrbetrieb der vorhandenen Elektrogeräte investiert. Dies führt zu einer zusätzlichen Nachfrage nach Netzstrom – ein klassischer Fall von Rebound durch den "Einkommenseffekt".

Wird der PV-Strom hingegen von den Haushalten selbst verbraucht, sind sie oft versucht, ihren Stromverbrauch zu erhöhen, weil der selbst erzeugte Strom im Vergleich zum Netzstrom günstiger ist. Als Folge des billig selbst erzeugten Stroms werden häufig energieintensivere Geräte angeschafft (z. B. größere Kühlschränke und Fernseher), weil diese nun günstig und mit Ökostrom betrieben werden können. Ein klassischer Fall von Rebound durch den "Preiseffekt".

Rebound-Effekte durch moralische Lizenzierung

Gleichzeitig sind Haushalte, die PV-Anlagen installieren, möglicherweise umweltbewusster als andere. Dies könnte dazu beitragen, Rebound-Effekte abzuschwächen. Alternativ könnten Rebound-Effekte zunehmen, wenn ein Haushalt das Gefühl hat, mit der Installation von PV-Anlagen seine Pflicht gegenüber der Umwelt erfüllt zu haben und daher berechtigt ist, mehr Strom zu verbrauchen – die so genannte "moralische Lizenzierung".

Teilweise begünstigen auch technische und regulatorische Rahmenbedingungen Rebound-Effekte durch Photovoltaikanlagen. Eine ausführliche Analyse finden Sie unter "Rebound-Effekte durch Photovoltaik-Anlagen erkennen und vermeiden - Hintergrundwissen und Empfehlungen für Beratungskräfte".

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Wie groß ist der Rebound-Effekt?

Das Umweltbundesamt schreibt, dass die Ergebnisse empirischer Schätzungen von Rebound-Effekten

  • von den verwendeten Methoden und
  • den einbezogenen Effekten

abhänge. Besonders schwierig sei es demnach, Rebound-Effekte von Wachstums- oder Strukturwandeleffekten abzugrenzen.

Daher würden sich die Schätzwerte für Rebound-Effekte von Studie zu Studie maßgeblich unterscheiden. Zudem komme es immer darauf an, um welche Art von Produkt oder Dienstleistungen es gehe. So würden Tätigkeiten, bei denen die Zeit ein limitierender Faktor sei – das UBA nennt hierfür das Beispiel: tägliches Pendeln – einem geringeren Rebound hinsichtlich der Kosten unterliegen als Tätigkeiten, bei denen Zeit eine eher untergeordnete Rolle spiele (UBA-Beispiel: Urlaubsflüge).

Eine große Bedeutung habe dem Umweltbundesamt zufolge auch die Sättigung mit Gütern und Dienstleistungen. So seien in Ländern mit hohem Einkommen wesentlich geringere Rebound-Effekte zu beobachten, als in Entwicklungsländern, wo ein erheblicher Nachholbedarf beim Konsum bestünde.

  • Direkte Rebound-Effekte beim Heizwärmeverbrauch könnten laut UBA zehn bis dreißig Prozent erreichen.
  • Im Bereich Verkehr fielen von Energieeffizienz verursachte Rebound-Effekte laut Studien mit bis zu 20 Prozent etwas geringer aus.
  • Bei Beleuchtung sei dem UBA zufolge inzwischen ein Sättigungseffekt eingetreten. Der direkte Rebound-Effekt könne hier bis zu 20 Prozent betragen.

Das UBA schreibt weiter, dass tatsächliche Energieeinsparungen für die genannten Dienstleistungen bis zu einem Viertel kleiner als die technisch möglichen beziehungsweise prognostizierten ausfallen könnten. Würden indirekte Rebound-Effekte berücksichtigt, würde möglicherweise ein noch größerer Teil der Effizienzgewinne kompensiert.

Experten-Wissen: Da sie sich gegenseitig beeinflussen, lassen sich die vier Rebound-Effekte nicht einfach zu einem Gesamtbetrag aufaddieren,. Wenn zum Beispiel "unmittelbare" und "indirekte" Effekte gemeinsam auftreten, nimmt ihre Gesamtwirkung ab. Denn: Der direkte Rebound-Effekt kostet Geld, das man anderswo hätte ausgeben können, was dann erst "indirekte" Effekte hätte auslösen können. Makroökonomische summieren sich beide Aspekte zu 20 bis 60 Prozent des theoretischen Höchstwerts.

Wie kann man dem Rebound-Effekt begegnen?

Um Rebound zu vermeiden, ist es wichtig auf das eigene Verhalten zu achten. Neue Technologien sparen nur Energie ein, wenn Sie sie mindestens genauso sparsam einsetzen, wie den Vorgänger.

Folgende Tipps helfen Ihnen dabei:

  1. Stellen Sie die Raumtemperatur individuell ein. Wenn Sie das Zimmer länger nicht nutzen, drehen Sie das Thermostat runter.
  2. Prüfen Sie, ob sie die Temperatur generell oder in einzelnen Räumen reduzieren können. Als optimale Innentemperatur gelten 20 Grad Celsius. Jedes weitere Grad erhöht die Heizkosten um etwa sechs Prozent.
  3. Schalten Sie Geräte aus, statt sie im Stand-by-Modus laufen zu lassen. Mit einem Klick auf der ausschaltbaren Steckerleiste entfernen Sie gleich mehrere Geräte vom Strom.
  4. Tauen Sie regelmäßig ältere Kühl- und Gefrierschränke ab. Neue Geräte machen das häufig schon automatisiert.
  5. Nutzen Sie Sparprogramme beim Wäschewaschen und beim Geschirrspüler.

Fazit: Energiewende trotz Rebound-Effekt

Die Steigerung von Effizienz gilt als eine der wichtigen Strategien, um den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Eine verbesserte Energieeffizienz ist wie der Ausbau Erneuerbarer Energien eine Säule der Energiewende. Laut UBA müsse die Umweltpolitik berücksichtigen, dass Rebound-Effekte den Rückgang des Ressourcenverbrauchs schmälern würden. Andernfalls fiele der angepeilte Rückgang des Ressourcenverbrauchs geringer aus als erwartet – und definierte Umwelt- und Ressourcenziele würden verfehlt.

Die Instrumente der Ressourcenpolitik, so empfiehlt es das UBA, sollten den Rebound-Effekt gezielt adressieren. Zum Beispiel, indem man Vorschriften zur Energieeffizienz von Produkten bereits vorab so formuliert, dass sich der Energieverbrauch trotz Rebound-Effekt wie geplant verringert.

Zudem würden Umweltabgaben Kostensenkungen infolge Effizienzgewinnen und damit Rebound-Effekte vermeiden helfen. Auch absolute Obergrenzen wie Fischfangquoten wären möglich. Ebenso Obergrenzen, die nicht direkt am Verbrauch, sondern an den Emissionen festgemacht würden, könnten den Rebound-Effekt mildern, wie der EU-Emissionshandel zeige.

Rebound-Effekt kein Argument gegen Energieeffizienzprogramme: Eine Vielzahl von Studien haben aufgezeigt, dass Rebound-Effekte zu gering ausfallen, als dass sie Energieeffizienzprogramme nichtig machen würden: Durch Verhaltensänderungen werden lediglich etwa 5 bis 30 Prozent der Energieeinsparungen wieder zunichtegemacht. Daher kann die Kenntnis um den Rebound-Effekt auch nicht als Argument gegen die Einführung energieeffizienter Technologien und gegen Klimaschutzmaßnahmen missbraucht werden.

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