Letzte Aktualisierung: 23.11.2020

Die Wärmeschutzverordnung von 1977 bis 2002

  • Die sogenannten Wärmeschutzverordnung („Verordnung über einen energiesparenden Wärmeschutz bei Gebäuden“) ist die erste öffentlich-rechtliche Vorschrift Deutschlands, die einen energiesparenden Wärmeschutz von Gebäuden vorschreibt.
  • Die WärmeschutzV bzw. WSchVO trat am 1. November 1977 als Folge des 1976 vom Bundestag beschlossenen Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) in Kraft und wurde am 1. Januar 1984 mit der 2. Wärmeschutzverordnung und am 1. Januar 1995 mit der 3. Wärmeschutzverordnung novelliert.
  • Am 1. Februar 2002 wurde sie von der Energieeinsparverordnung (EnEV) abgelöst, die die Wärmeschutzverordnung und die Heizungsanlagenverordnung (HeizAnlV) zu einem Vorschriftenwerk vereint. Auch das am 1. November 2020 eingeführte Gebäudeenergiegesetz nimmt noch Bezug auf die Wärmeschutzverordnung.
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Novellen und Weiterentwicklung der Wärmeschutzverordnung

Die "Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz bei Gebäuden (Wärmeschutzverordnung - WärmeschutzV)" wurde am 11. August 1977 als erste Verordnung auf der Grundlage des Energieeinsparungsgesetzes vom 22. Juli 1976 erlassen und trat am 1. November 1977 in Kraft.

Die Wärmeschutzverordnung 1977 ist die erste öffentlich-rechtliche Vorschrift ("Erste Wärmeschutzverordnung") Deutschlands, die einen energiesparenden Wärmeschutz von Gebäuden vorschreibt und baut in Teilen auf das technische Regelwerk (DIN 4108) auf.

Tabelle: Überblick über Wärmeschutzverordnungen (WärmeschutzV) von 1977 bis 1995
Wärmeschutzverordnung Einführung Wesentliche Inhalte
WSchVO 1977 01. November 1977 Begrenzung des Wärmedurchgangs durch Einführung max. Wärmedurchgangskoeffizienten und der Wärmeverluste durch Undichtheiten
WSchVO 1982 01. März 1982 und 1. Januar 1984 Verschärfung der WärmeschutzV 1977, "Bedingte Anforderungen" für bestimmte bauliche Änderungen im Bestand (Anlage 1 Nr. 9), Anforderungen zum Wärmeschutz im Sommer (Anlage 1 Nr. 7)
WSchVO 1995 01. Januar 1995 Verschärfung der Anforderungen der WärmeschutzV 1982/ 84, methodische Änderungen, Bilanzierung solarer Gewinne durch Verwendung "äquivalenter Wärmedurchgangskoeffizienten", Wärmebilanz berücksichtigt nun Lüftungswärmeverluste über Wärmerückgewinnung

Im Jahr 1982 und 1984 wurde dann die WärmeschutzV 1982/ 84 eingeführt, die im Wesentlichen Verschärfungen der WärmeschutzV 1977 einführte. Die letzte Novelle der WärmeschutzV erfolgte 1995. Neben weiteren Verschärfungen wurden methodische Änderungen eingeführt sowie solare Wärmegewinne und Lüftungswärmeverluste differenzierter berücksichtigt.

2002 wurde die WSchVO 1995 dann von der Energieeinsparverordnung (EnEV) abgelöst, die auch die Regelungen der Heizungsanlagen-Verordnung (HeizAnlV) übernommen hat. Die EnEV mündete schließlich im Gebäudeenergiegesetzt, das seit November 2020 in Kraft ist und wiederum das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zusammenfasst.

Aktuelle rechtliche Relevanz besitzt die Wärmeschutzverordnung noch im Gebäudeenergiegesetz. Hier wird die Einhaltung des Anforderungsniveaus der Wärmeschutzverordnung 1977 (wie auch in der EnEV) als Kriterium dafür herangezogen, inwiefern für Wohngebäude mit weniger als fünf Wohnungen Energieausweise auf der Grundlage des Verbrauchs ausgestellt werden dürfen.

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Was ist das Besondere an einem Haus nach der WSchVO?

Die Wärmeschutzverordnung von 1977 führte als erste Verordnung einen für Neubauten verpflichtenden Mindestwärmeschutz ein. Dieser sah verbindliche Höchstwerte für den Wärmedurchgang von Außenbauteilen anhand von maximal zulässigen Wärmedurchgangskoeffizienten und für Wärmeverluste durch Undichtheiten anhand eines maximal zulässigen Fugendurchlaßkoeffizienten vor.

Tabelle: Maximale mittlere Wärmedurchgangskoeffizienten in Abhängigkeit vom Verhältnis F/V* in der Wärmeschutzverordnung von 1977
F/V in m- 1 km, max in W/(m2K) km, max in kcal/(m2hK)
≤ 0,24 1,40 1,21
0,30 1,24 1,07
0,40 1,09 0,94
0,50 0,99 0,85
0,60 0,93 0,80
0,70 0,88 0,76
0,80 0,85 0,73
0,90 0,82 0,71
1,00 0,80 0,69
1,10 0,78 0,67
≥ 1,20 0,77 0,66

* F/V ist der Quotient aus der errechneten wärmeübertragenden Umfassungsfläche F eines Gebäudes geteilt durch das von dieser Umfassungsfläche eingeschlossene Bauwerksvolumen V

Die steigenden Anforderungen der Wärmeschutzverordnung an die Wärmedämmung führten dazu, dass das Warmdach mit seiner Dämmschicht in den 80er-Jahren häufiger das in den Jahrzehnten davor gängige Kaltdach ersetzte. Dies hatte nun auch ganz praktische Konsequenzen: Bislang als Stauraum oder Wäscheboden genutzte Dachgeschosse werden nun zur Wohnfläche und sind baulich entsprechend ausgestattet.

Die häufiger auftretende Dachterrasse erweist sich allerdings oft als Schwachstelle bei starkem Regen sowie starker Sonneneinstrahlung. Weitere Schwachstellen sind bei dieser Gebäudegeneration häufig Erdgeschossaußenwände und Wohnungstrennwände, Fensterleibung und Rollladenkästen.

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