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Mieterstrom-Modelle zur Eigenstromnutzung und -vermarktung im Experten-Check

Was ist Mieterstrom? Welche Modelle gibt es? Wie wird Mieterstrom abgerechnet? Welche gesetzlichen Regelungen gelten derzeit? Wie wirtschaftlich sind Mieterstrommodelle?

Wir erklären Ihnen in diesem Artikel, was Mieterstrom ist. Sie erfahren, welche Modelle zur Vermarktung und zum Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Strom aktuell geläufig sind. Zu jedem der Modelle zeigen wir Ihnen deren Vor und Nachteile für den jeweiligen Anwendungsfall auf. Zudem finden Sie Informationen zur aktuellen gesetzlichen EEG-Regelung, Einschätzungen zur Wirtschaftlichkeit und einen Überblick über professionelle Anbieter von Mieterstromprojekten.

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Grundlagenwissen zum Mieterstrom-Konzept

Grundsätzlich ist das Interesse der Wohnungswirtschaft an Mieterstrom groß. Das unterstreicht eine Umfrage des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU), der zufolge 70 Prozent der befragten Wohnungsunternehmen die Stromversorgung von Mietern als ein künftiges Betätigungsfeld sehen. 60 Prozent äußern in diesem Zuge konkretes Interesse an der Umsetzung eigener Mieterstromprojekte. Weil sie aber nicht das erforderliche Energie-Knowhow besitzen und die Umsetzung sehr komplex ist, wird Mieterstrom in über 70 Prozent der Fälle nicht selbst, sondern über Mieterstrommodelle u.a. mit Energieversorgern realisiert.

Mit dem Begriff Mieterstrom bezeichnet man ein Konzept zur dezentralen Stromversorgung von Mietshäusern. Als alternative Bezeichnung ist „Quartierstrom“ geläufig. Noch gibt es jedoch keine allgemeingültige Definition für Mieterstrom: Um das Mieterstromkonzept mit Leben zu füllen, braucht es ein Teamwork von Vermieter, Mieter und Stromanbieter.

Elemente einer Mieterstrom-Definition könnten diese sein: 

  • dezentrale Stromerzeugung aus regenerativer Energien und/ oder mit effizienten Technologien wie dem Einsatz von Blockheizkraftwerken (BHKW)
  • Standort der Erzeugungsanlage: im Gebäude oder auf dem diesem zugehörigen Gelände
  • Direkter räumlicher Zusammenhang zwischen Erzeugungsanlage und Kunden
  • Strom gelangt ohne die Nutzung der Netze der allgemeinen Stromversorgung über eine Kundenanlage an die Endverbraucher

Einfach zusammengefasst ist ein Mieterstrommodell so aufgebaut: Der Vermieter erzeugt Strom mit Hilfe erneuerbarer Energien. Die Anlagen (Photovoltaik-/ PV-Anlagen oder Blockheizkraftwerk / BHKW), mit denen die entsprechenden Energiequellen angezapft werden, sind üblicherweise am Haus. Der eigens produzierte Strom wird dann an den Mieter des Hauses verkauft – und zwar in der Regel via den Stromanbieter, aber ohne die Nutzung des Stromnetzes zur allgemeinen Versorgung, sondern über die hausinterne Stromversorgung.

Voraussetzung dafür ist, dass die Mieter Kunden des Stromanbieters sind, der den Strom für den Vermieter an sie verkauft. Mieterstrom bedeutet somit eine win-win-Situation für Vermieter und Mieter: Der Vermieter kann den Strom günstiger anbieten, so dass die Mieter weniger Stromkosten zahlen müssen, während sich zugleich die Wirtschaftlichkeit für den Investor erhöht.

Die Bewohner der „Charlotte am Campus“ in Berlin können den auf den Dächern ihrer Wohnhäuser produzierten sogenannten Mieterstrom als "BEA-Kiezstrom" direkt beziehen. (Foto: Berliner Energieagentur GmbH - BEA)
Die Bewohner der „Charlotte am Campus“ in Berlin können den auf den Dächern ihrer Wohnhäuser produzierten sogenannten Mieterstrom als "BEA-Kiezstrom" direkt beziehen. (Foto: Berliner Energieagentur GmbH - BEA)

Gängige Mieterstrommodelle im Überblick

Das EEG und das KWKG ermöglichen Vermietern die Volleinspeisung von mit einer PV-Anlage oder einem BHKW erzeugtem Strom ins öffentliche Netz. Dafür gibt’s dann die sogenannte Einspeisevergütung. Die sinkt allerdings seit Jahren stetig, so dass sich das vollständige Einspeisen des Solarstroms als alleiniger Renditefaktor für den Vermieter nicht mehr lohnt, zumal das KWKG eine erhöhte Vergütung nur für zehn Jahre beziehungsweise 30.000 Vollbenutzungsstunden vorsieht.

Tabelle 1: Vor- und Nachteile einer Volleinspeisung nach EEG oder KWKG für den Vermieter*
Vorteile Nachteile
Geringes Risiko: einfache Durchführung, garantierte Stromabnahme, Erlöse gut prognostizierbar Geringe Erlöse und daher häufig geringe Rendite
Geringer Aufwand: Kein Aufwand für Mieter-Akquisition, Kein Aufwand für Zusatzstrombeschaffung, Abrechnung des eingespeisten Stroms durch Verteilnetzbetreiber Keine Möglichkeit der Nebenkostensenkung der Mieter
Keine rechtlichen Folgen: Wohnungsunternehmen tritt nicht als Energieversorger auf KWK-Einspeisung nach EEG: Wahrung der Kostenneutralität des Wärmepreises erfordert Bezug von teurerem Bioerdgas

Aufgrund dieser Entwicklung, wird es immer lukrativer, Solarstrom selbst zu verbrauchen. Da sich gerade in Mietshäusern wegen der unterschiedlichen Nutzungsprofile der Mieter ein höherer Eigenverbrauchsanteil realisieren lässt, werden Mieterstrommodelle zunehmend wirtschaftlicher. Dabei gibt es verschiedene Konstellationen, eine Solaranlage zur Stromversorgung des Mietshauses bzw. der Mieter selbst einzusetzen.

Hilfs- und Betriebsstrom mit Eigenstrom decken

Bei diesem Modell nutzen die Mieter den von der Hausanlage erzeugten Strom bei der elektrischen Hilfsenergie im Gebäude. Der Verbrauch und die dafür anfallenden Stromkosten werden auf die Mieter umgelegt. Grundlage dafür ist die Betriebskostenverordnung, nach der sich die Kosten der Heizungsversorgung, der Betriebsstrom für Personen‐ und Lastenaufzüge, die Beleuchtung, Gemeinschaftsantennenanlagen, Wäschepflege sowie sonstige Betriebskosten auf die Mieter umlegen lassen, sofern dies im Mietvertrag vereinbart wurde.

Aufgrund der Beschränkung auf die Hilfsenergie im Gebäude ist in diesem Modell auch die Strommenge begrenzt, die so genutzt werden kann. Je mehr Hilfsstromanteil das Gebäude verzeichnet, desto besser rechnet sich dieses Modell, Gebäude mit Aufzug, Tiefgarage & Co. sind hier deutlich im Vorteil. Allerdings birgt diese Eigenvermarktung Konfliktpotential: Denn der Eigentümer beziehungsweise Anlagenbetreiber sollte natürlich trotz der günstigen Solarstromerzeugung ein Interesse daran haben, effiziente Technik einzusetzen, die möglichst wenig Strom benötigt.

Tabelle 2: Vor- und Nachteile des Eigenverbrauchs für Hilfs- und Betriebsstrom zur Versorgung der vermieteten Immobilie*
Vorteile Nachteile
Einfache Umsetzung durch gut prognostizierbare Abnahme von Teilmengen mit kalkulierbaren Erlösen Nur geringe Teilmengen können über Hilfs- und Betriebsstrom abgesetzt werden
Keine Akquisition von Mietern als Stromkunden erforderlich Interessenkonflikt, da effiziente Anlagen- und Regeltechnik das Erlöspotenzial des Vermieters schmälern
Der Vermieter wird nicht von der Regelung für Energieversorger betroffen Wirtschaftlichkeitsgebot muss eingehalten werden (Stromgestehungskosten dürfen nicht über denen des Reststrombezuges des Energieversorgers liegen)

Wohnungsunternehmen verkauft Strom direkt an Mieter

Neben den ug aufgezeigten Formen, in denen ein Vermieter eine PV-Anlage betreiben kann, versteht man Mieterstrom allgemein darunter, wenn das Wohnungsunternehmen gegenüber seinen Mietern direkt als Stromlieferant auftritt. Es errichtet die Anlagen zur Stromerzeugung selbst und kümmert sich um deren Betrieb und den Stromvertrieb. Die Erlöse dafür kassiert es ein.

Es besteht allerdings die Möglichkeit, die Mieter im Sinne einer Mieterbindung an den Vorteilen des Modells teilhaben zu lassen. Das setzt seitens des Wohnungsunternehmens jedoch einiges voraus. Genossenschaften werden gesondert geregelt, so dass die Einnahmen aus der Stromerzeugung, die als Gewerbe gilt, nicht höher als zehn Prozent der Einnahmen aus Vermietung sind. Andernfalls entfielen womöglich Befreiungen für Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer.

Die Zehn-Prozent-Schwelle könnte vor allem bei kleineren Wohnungsunternehmen (Genossenschaften) schnell erreicht sein. Hinzu kommt das Risiko für das Wohnungsunternehmen, dass sich zu wenige Mieter in das Modell einbinden lassen, da sie die freie Stromanbieterwahl haben.

Tabelle 3: Vor- und Nachteile des Direktverkaufs an Mieter durch das Wohnungsunternehmen*
Vorteile Nachteile
Verbesserte Amortisation von Investitionen in Erzeugungsanlagen Deutlicher Mehraufwand zur Erfüllung der rechtlichen und energiewirtschaftlichen Anforderungen, da der Vermieter nun als Energieversorger auftritt
Möglichkeit für eine gemeinsame Kalkulation von Strom und Wärme, um damit niedrige Nebenkosten für Mieter zu erzielen Zusätzliches unternehmerisches Risiko, wenn sich weniger Mieter als kalkuliert am Mieterstrom-Modell als Kunden beteiligen
Erschließung neuer Gschäftsfelder für das Wohnungsunternehmen und Maßnahme zur Mieterbindung bzw. Steigerung der Mietattraktivität Zusätzlicher Aufwand bei Vollversorgung für den Reststrombezug und Risiko bei steigenden Kosten
Möglicherweise höhere Anzahl an teilnehmenden Mietern als bei Durchführung eines Mieterstromprojekts durch ein "anonymes" Stromversorgungsunternehmen Genossenschaften laufen Gefahr das Steuerbefreiungsprivileg zu verlieren, wenn mehr als 10% der Einnahmen nicht aus der Vermietung stammen
Strompreis für Mieter muss nur unterhalb dem des günstigsten Anbieters liegen, zusätzlich KWK-Zuschlag auf die gesamte Stromproduktion Abührung der EEG-Umlage und Meldepflicht der verkauften Strommengen gem. EEG
Grundpreis für den Hausanschluss des Mietgebäudes fällt nur am Hauptzähler und nicht an den Unterzählern an Erhöhter Abrechnungsaufwand, da Stromrechnungen die Anforderungen des Energiewirtschaftsgesetzes erfüllen müssen

Wohnungsgenossenschaften erzeugen Eigenstrom

Da die Mieter von Wohnungseigentum einer Genossenschaft ideelle Miteigentümer (Teilhaber) sind, ist der direkte Verbrauch von Eigenstrom innerhalb des Gebäudes eine Form der Eigenversorgung. Ob die genossenschaftliche Teilhabe der Mitglieder jedoch hinsichtlich der Regelungen des § 5 Abs. 12 EEG, der definiert, dass eine Eigenversorgung vorliegt, wenn Erzeuger und Verbraucher eine Person sind, juristisch von Bestand sind, muss individuell geprüft werden.

Tabelle 4: Vor- und Nachteile der Eigenstromerzeugung in Wohnungsgenossenschaften*
Vorteile Nachteile
Möglichkeit zur Finanzierung von Investitionen in Erzeugungsanlagen Deutlicher Mehraufwand zur Erfüllung der energiewirtschaftlichen Anforderungen
Niedrige Nebenkosten für Mieter bzw. Genossen durch eine gemeinsame Kalkulation von Strom und Wärme Zusätzliches unternehmerisches Risiko für die Genossen
Einordnung als Eigenversorgung ist einfacher als bei anderen Wohnungsunternehmen Zusätzlicher Aufwand bei Vollversorgung für den Reststrombezug und Risiko bei steigenden Kosten für den Reststrom
Vollständige Belieferung aller Mieter möglich, sofern dies einen Beschluss der Genossenschaft darstellt Körperschafts- und Gewerbesteuerbefreiung kann gefährdet werden

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Tochtergesellschaft verkauft Strom an Mieter

Um die oben angedeuteten Probleme hinsichtlich Organisation und Steuern zu umgehen, kann das Wohnungsunternehmen solo oder in Zusammenarbeit mit einem Partner aus der Energiewirtschaft eine Tochtergesellschaft beauftragen, den Betrieb der Stromerzeugungsanlagen und den Stromverkauf zu übernehmen oder aber alle Schritte von der Errichtung bis zum Stromverkauf abzuwickeln. Die Frage ist dann nur, ob die Tochtergesellschaft, die ja auch die Absicht hat, Gewinne zu erzielen, dem Mutterunternehmen und den Mietern noch Vorteile mit der Stromerzeugung beschert. Von dem auch hier bestehenden Risiko ganz zu schweigen, dass sich zu wenige der Mieter mit dem Eigenstrom versorgen lassen.

Tabelle 5: Vor- und Nachteile des Mieterstrommodells für Tochtergesellschaften*
Vorteile Nachteile
Möglichkeit zur Amortisation von Investitionen in Erzeugungsanlagen Wirtschaftliche Vorteile fallen nicht direkt beim Wohnungsunternehmen an
Senkung der Nebenkosten durch gemeinsame Kalkulation zwischen Strom und Wärme Zusätzliches unternehmerisches Risiko, wenn weniger Mieter als Stromkunden akquiriert werden können als kalkuliert
Für das Wohnungsunternehmen meist steuerlich unschädlich Mehraufwand bei Vollversorgung für den Reststrombezug und Risiko bei steigenden Kosten für den Reststrom
Risiko des Betriebs und der Vermarktung des Mieterstroms liegt nicht unmittelbar beim Wohnungsunternehmen Tochtergesellschaft muss die Anforderungen an Energieversorgungsunternehmen erfüllen

Mieter-Energiegenossenschaft beziehungsweise GbR-/ Pachtmodell

Auch im Fall, dass Mieter eine Energiegenossenschaft oder eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründen und die Stromproduktion im Gebäude selbst übernehmen, wäre dies als Eigenverbrauch anzusehen. Die Mieter mieten die Anlage zur Stromerzeugung vom Eigentümer / Vermieter, nutzen den Strom und speisen überschüssigen Strom ins Netz ein. Wartung, Betrieb und Abrechnung kann man auch von Dritten ausführen lassen. Aber: Die Rechtssicherheit dieses Modells ist unklar.

Tabelle 6: Vor- und Nachteile der Energiegenossenschaft bei Mieterstromversorgung*
Vorteile Nachteile
Anlagen bis 10 kW besonders attraktiv, da keine EEG-Umlage abgeführt werden muss Mieter müssen eigene Gesellschaft gründen und ggf. Aufteilung auf die einzelnen Genossen erforderlich
Variante kann sehr attraktiv für Wohnungsunternehmen und Mieter sein Erhöhter Verwaltungsaufwand bei Mieterwechsel sowie jährliche Meldepflicht gegenüber Übertragungsnetzbetreiber
Finanzierung durch Contractor möglich Unbeschränkte Haftung als GbR; Rechtssicherheit des Pachtmodells noch nicht abschließend geklärt

Stromerzeugung und Vertrieb via Dienstleister/Contractor (Energieliefer‐Contracting)

Ein des Öfteren genutztes Modell ist dies: Ein externer Dienstleister (sogenannter Contractor) übernimmt die Errichtung der Anlagen, den Betrieb, die Akquisition und die Abrechnung mit den Mietern. Das mindert den Aufwand für das Wohnungsunternehmen spürbar. Aber: Da der Dienstleister mitunter differierende Gewinnziele als das Wohnungsunternehmen hat, könnte sich das Modell für Wohnungsunternehmen und Mieter schlechter rechnen.

Tabelle 7: Vor- und Nachteile der Einbindung eines Mieterstrom-Dienstleisters*
Vorteile Nachteile
Geringerer organisatorischer und verwaltungstechnischer Aufwand für Wohnungsunternehmen Finanzielle Vorteile für Mieter müssen vereinbart werden
Risikodiversifikation durch entsprechende vertragliche Absicherung Wirtschaftlicher Nutzen fällt Dritten zu
Mögliche Nutzung von Synergien z. B. bei Abrechnungen Contractor muss die Anforderungen des EnWG an Energieversorgungsunternehmen erfüllen

Summenzählermodell zur Messung des Solarstrombezugs

Wird der von der PV-Anlage gelieferte Solarstrom sowohl zum Eigenverbrauch genutzt als auch in das Stromnetz eingespeist, so kann anstelle des Strombezugszählers des PV-Anlagenbetreibers ein Zwei-Richtungszähler installiert werden, der die Einspeisung und Strombezug mit zwei separaten Zählwerken erfasst. Wird kein Strom erzeugt oder mehr verbraucht als produziert, wird der aus dem Netz zusätzlich benötigte Strom mit dem Bezugszählwerk erfasst. Wird mehr Strom erzeugt als verbraucht wird, so wird diese Strommenge vom Einspeisezählwerk des Zwei-Richtungs-Zählers erfasst wird.

Da in einem Wohnhaus mit mehreren Mieteinheiten i.d.R. jede Mietpartei über einen Stromzähler verfügt, kann aufgrund dieses direkten Netzzugangs auch der Wechsel des Stromlieferanten problemlos ermöglicht werden. Da jedoch hinter den vom Netzbetreiber installierten Verbrauchszählern das öffentliche Stromnetz beginnt, ist keine direkte Weitergabe von Solarstrom vom Vermieter bzw. Anlagenbetreiber an die Mieter möglich. Daher wird in diesen Fällen häufig ein Summenzähler eingesetzt. Das sog. "Summenzählermodell" ist der geläufige Begriff für das Messkonzept MK D1 bis D3** des VBEW für "Selbstversorgergemeinschaften".

Der sogenannte Zwei-Richtungs-Summenzähler verbindet zähltechnisch quasi die Solaranlage und das Hausstromnetz mit dem öffentlichen Stromnetz. So ermöglicht es dieses Modell, Mieterstrom auch hinter dieser abrechnungsrelevanten "Grenze" Strom weiterzugeben, ohne dass dabei Netzentgelte anfallen. So kann der Vermieter den Mietern einen günstigeren Strompreis anbieten. Rechtlich wurde die Zulässigkeit des Summenzählermodells durch den Beschluss (Az. BK6-06-071) der Bundesnetzagentur im Rahmen eines besonderen Missbrauchsverfahrens gegen einen Netzbetreiber in 2007 legitimiert.

Um auf Mieterstrom umzustellen, werden nur die bestehenden Verbrauchszähler des Netzbetreibers gegen Stromzähler des PV-Anlagenbetreibers ausgetauscht und zwischen den alten Zählerkästen und dem Hausanschluss ein neuer Zählerschrank installiert. Der neue Zählerplatz enthält den Zwei-Richtungs-Summenzähler des Netzbetreibers und den zur Solaranlage gehörenden Erzeugungszähler. Die Verrechnung des gelieferten Mieterstroms wird dann vom Anlagenbetreiber gewährleistet.

Das Summenzählermodell ermöglicht es Mietern, Solarstrom direkt zu beziehen, ohne Netzentgelte entrichten zu müssen. Mietern, die keinen Solarstrom beziehen, kann Strom trotzdem aus dem Netz bilanziell durchgeleitet werden. (Grafik: energie-experten.org)
Das Summenzählermodell ermöglicht es Mietern, Solarstrom direkt zu beziehen, ohne Netzentgelte entrichten zu müssen. Mietern, die keinen Solarstrom beziehen, kann Strom trotzdem aus dem Netz bilanziell durchgeleitet werden. (Grafik: energie-experten.org)

Um eine freie Wahlmöglichkeit des Stromlieferanten zu gewährleisten, wird im Summenzählermodell gemäß § 20 Abs. 1d EnWG für PV-Anlagen der Strom von Drittanbietern vom Anlagenbetreiber kostenfrei an die Mieter durchgeleitet. In diesem Fall werden alle Zähler unabhängig von dem jeweiligen Lieferanten vom Anlagenbetreiber durch eigene Zähler ersetzt und über den Summenzähler mit dem öffentlichen Netz verbunden. Der zusätzliche Stromverbrauch der Mieter wird dann einfach vom Bezugszähler des Summenzählers abgezogen. Dies wird durch die Schaffung eines virtuellen Zählpunkts realisiert, dessen Verbrauchswert dem Bezugsstromlieferanten gemeldet wird, damit dieser den Bezugsstrom mit dem Betreiber der PV-Anlage abrechnen kann.

Auch auf dem gleichen Grundstück sowie an das Grundstück angrenzende Mietobjekte können über das Summenzählermodell mit Strom aus der Mieterstromanlage versorgt werden. Nur wenn die Stromleitungen über öffentlichen Grund führen, müssen Sondernutzungsvereinbarungen mit der jeweiligen Gebietskörperschaft getroffen werden. Um dabei Netzvermaschungen zu vermeiden, darf eine über Summenzähler verwaltete Mieterstromanlage nur einen Netzverknüpfungspunkt besitzen und bestehende weitere Hausanschlüsse dementsprechend gekappt werden.

Mieterstromgesetz: Mieterstrom-Vergütung zwischen 2,2 und 3,8 Cent/kWh

Der Deutsche Bundestag hat am 29.06.2017 in zweiter und dritter Lesung das Gesetz zur Förderung von Mieterstrom verabschiedet. Es folgt in weiten Teilen dem am 17.03.2017 veröffentlichten Referentenentwurf des BMWi, der statt der Absenkung der EEG-Umlage eine Förderung nach dem EEG 2017 vorsieht.

Die Europäische Kommission hat am 20.11.2017 die Förderung von Mieterstrom beihilferechtlich genehmigt. Damit trat das offizielle Mieterstrom-Gesetz vom 17. Juli 2017 gemäß Artikel 6 am 25. Juli 2017 in Kraft. Die §§ 49 Abs. 7, 61f und 104 Abs. 4 Satz 1 Nummer 2 EEG 2017 treten rückwirkend mit Wirkung vom 1. Januar 2017 in Kraft.

Als Mieterstrom wird laut Gesetz Strom bezeichnet, der in einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach eines Wohngebäudes erzeugt und an Letztverbraucher (insbesondere Mieter) in unmittelbaren räumlichen Zusammenhang mit diesem Wohngebäude geliefert wird. 

Wenn ein Vermieter eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert hat, kann er den so erzeugten Strom an seine Mieter liefern. Strom, den der Vermieter nicht selbst verbraucht, wird ins Netz eingespeist. Für diesen Strom erhält der Vermieter eine Vergütung nach dem EEG.

Laut Gesetz erhält der Vermieter auch dann eine Vergütung, wenn er den erzeugten Strom an seine Mieter verkauft. Da für diesen Strom keine Netzentgelte gezahlt werden müssen, ist die Vergütung allerdings deutlich niedriger als bei einer Netzeinspeisung.

Die Höhe der Vergütung hängt von der Größe der Solaranlage und dem Photovoltaik-Zubau insgesamt ab und wird zwischen 2,2 Cent/kWh und 3,8 Cent/kWh liegen. Diesen Zuschuss erhalten ab 1. August 2017 Betreiber neuer Photovoltaikanlagen auf Mietgebäuden für lokal erzeugten Solarstrom, der Mietern in Wohngebäuden zu einem Mindestrabatt von 10 Prozent gegenüber regionalen Grundversorgertarifen angeboten wird. Die Pflicht zur Zahlung der EEG-Umlage für diese Stromlieferung an den Letztverbraucher bleibt jedoch in voller Höhe erhalten.

Gleichzeitig stellt das beschlossene Mieterstrom-Gesetz sicher, dass der Mieter seinen Stromanbieter weiterhin frei wählen kann und von dem Mieterstrommodell tatsächlich profitiert. Hierzu beinhaltet das Gesetz Vorgaben an die Vertragslaufzeiten, ein Verbot der Kopplung mit dem Mietvertrag und eine Preisobergrenze für Mieterstrom.

Das Gesetz bleibt hinter den Erwartungen der Solarwirtschaft und vieler Energieexperten zurück und wird nur einen Teil der Solarenergie-Potenziale in den Innenstädten heben können. Die Solarbranche ist dennoch zuversichtlich, dass das neue Angebot insbesondere Stadtwerke vermehrt dazu veranlassen wird, künftig Solaranlagen auf Mietwohngebäuden zu errichten und Mietern attraktive Solarstromtarife anzubieten.

Gewerbliche Anbieter von Mieterstrom

In Deutschland gibt es bereits viele professionelle Anbieter, die Mieterstromprojekte durchführen. So gibt es u.a. Anbieter spezieller Mieterstrom-Tarife, die sich aus dem Anteil des Solarstroms und dem Netzstrom zusammensetzen. Diese Tarife liegen in der Regel unter den Preisen des örtlichen Versorgers. Je nach Netzgebiet können die Mieter damit zwischen fünf und acht Prozent Stromkosten pro Jahr sparen. Die Höhe hängt dabei von den Netzgebühren und anderen Faktoren ab.

Berliner Energieagentur GmbH

Seit 2010 hat die Berliner Energieagentur GmbH (BEA) in Wohnungsbeständen der „Charlotte“ in Spandau und in Reinickendorf 19 Energieeffizienzprojekte umgesetzt. Dabei wurden sowohl Blockheizkraftwerke (BHKW) als auch Photovoltaikanlagen eingesetzt, teilweise sogenannte Hybridkraftwerke als Kombination beider Technologien. Den Genossenschaftsmitgliedern steht der vor Ort erzeugte BEA-Kiezstrom preisgünstig zur Verfügung.

Ensys GmbH

Die Ensys GmbH aus Frankfurt am Main bietet das Modell „Contracting & Mieterstrom“ an. Ensys installiert dabei ein Blockheizkraftwerk (BHKW) oder eine Photovoltaikanlage, nimmt den Strom ab und leitet ihn an die Mieter im gleichen Gebäude weiter. Da die Energie nicht in die öffentlichen Netze gespeist wird, entfallen Stromsteuer und Netznutzungsentgelte. Da das Mieterstrom-Konzept von Ensys als Contracting-Lösung ausgestaltet ist, sinken die Investitionskosten für den Bauträger, genauso wie die Betriebs- und Wartungskosten für den Vermieter.

Localpool.de

Das bundesweit verfügbare Mieterstrom-Dienstleistungspaket von buzzn – People Power versetzt den Anlagenbetreiber in die Rolle des Stromvollversorgers seiner Mieter und sonstigen Parteien im Mehrparteienhaus/Gebäudekomplex. Im Gegensatz zu anderen Mieterstrom-Modellen, ist mit einem Localpool der wirtschaftliche Vorteil größer und bleibt beim Anlagenbetreiber. Optional stehen nahtlose Services wie Reststrombezug und Überschussstromeinspeisung über die buzzn Platform zur Verfügung.

Naturstrom AG

In den vergangenen zwei Jahren hat NATURSTROM bereits mehrere Mieterstrom-Projekte erfolgreich umgesetzt: so wurde beispielsweise im Herbst 2015 gemeinsam mit dem Anlagenprojektierer WIRSOL ein Mieterstromprojekt im Baden-Württembergischen Mosbach realisiert. In Regensburg können die Mieterinnen und Mieter des Mehr-Generationen-Wohnprojektes „Haus mit Zukunft“ seit 2014 einen Mix aus Strom vom eigenen Dach und Wasserkraft aus dem Netz beziehen.

Polarstern GmbH

Polarstern bietet Mieterstrom-Contracting für die Wohnungswirtschaft an. Hier übernimmt der Partner wie beispielsweise Polarstern den Bau und gegebenenfalls die Finanzierung sowie Wartung und Betrieb der Photovoltaikanlage oder des Blockheizkraftwerks und natürlich die Mieterstromversorgung der teilnehmenden Parteien. Polarstern verantwortet damit beispielsweise die Abführung von Umlagen und Netzentgelten, die Tarifgestaltung, die Reststromlieferung, die verbrauchsgenaue Abrechnung sowie den Kundenservice.

Solarimo GmbH

Die Solarimo GmbH aus Berlin wurde 2017 gegründet und ist zu 100% auf Mieterstrommodelle fokussiert. Solarimo plant, errichtet und betreibt Solaranlagen auf Mietimmobilien in ganz Deutschland. Dabei bietet Solarimo Vermietern ein Rundum-Sorglos-Paket inklusive Investition in die Solaranlage an und übernimmt den Verkauf des Solarstroms an die Mieter. Für diese sollen die Stromkosten laut Miet-Anbieter um circa 15 Prozent sinken, der benötigte restliche Strom stammt aus Wasserkraft.

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"Mieterstrom-Modelle im Experten-Check" wurde am 16.04.2018 das letzte Mal aktualisiert.