Letzte Aktualisierung: 24.10.2020

Verbundfenster-Ratgeber: Technik, Vorteile und Kosten

Was ist ein Verbundfenster? Wie ist es konstruiert und wie funktioniert es? Welche Verglasung kommt zum Einsatz? Wie gut werden Schall und Wärme gedämmt? Wann und wo lohnt der Einbau?
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Ein Verbundfenster ist eine Konstruktion aus Innen- und Außenfensterflügel, die mit Hilfe spezieller Beschläge verbunden sind und sich um eine gemeinsame Achse drehen. Das quasi Doppelfenster lässt sich wie ein einfaches Fenster bedienen und weist sehr gute Dämmwerte auf. Daher ist das Verbundfenster auch eine gute Alternative zu den heute gängigen zwei- und dreifachverglasten Fenstern. Wir zeigen Ihnen in unserem Ratgeber, wie ein Verbundfenster funktioniert, wo seine Stärken und Schwächen liegen und mit welchen Kosten beim Kauf zu rechnen ist.

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Entwicklung und Verbreitung in Deutschland

Bis zum Zweiten Weltkrieg fertigte man Verbundfenster individuell an. So richtig auf kamen standardisierte und genormte Verbundfenster in der Bundesrepublik Deutschland erst in den Nachkriegsjahren ab 1950 auf. Damals wurden die Fensterrahmenprofile aus dem Werkstoff Holz gefertigt, der von Natur aus ein gutes Dämmvermögen besitzt.

In der Folgezeit nutzte man als Fensterprofile bei Verbundfenstern auch Kunststoff und Aluminium beziehungsweise Kombinationen davon. Die wärmedämmenden Eigenschaften von Kunststoffprofilen und Aluprofilen hat man nach und nach optimiert, indem man darin Luftkammern einließ und diese teilweise noch mit Dämmstoff füllte, so dass die ursprünglich mehr schlechten als rechten Dämmwerte heute als gut bis sehr gut zu bewerten sind.

Bis in die 1970er Jahre galt das Verbundfenster als das energieeffizienteste und kostengünstigste Fenster schlechthin. Insbesondere mit der ersten Ölpreiskrise im Jahr 1973 gab es eine große Nachfrage danach auf – fast alle öffentlichen Gebäude wurden damit ausgestattet. Heute sollen hierzulande noch knapp 40 Millionen Verbundfenster verbaut sein.

Verbundfenster-Aufbau und Funktionalität

Nur beim Verbundfenster liegen beide Fensterflügel dicht und direkt aufeinander. Ihr Verbund wird mit eigens dafür entwickelten Beschlägen realisiert. Wichtigstes Konstruktionsmerkmal ist der beiden Flügeln gemeinsame Drehpunkt am Fensterrahmen.

Somit ist das Verbundfenster konstruktionstechnisch gesehen ein aufgedoppeltes Einfachfenster beziehungsweise ein Doppelfenster. Oder man betrachtet das Verbundfenster als ein Kastenfenster, das zusammengeschoben wurde.

Während ein klassisches Doppelfenster aus zwei einzelnen Einscheibenfenstern konstruiert ist, die nacheinander geöffnet beziehungsweise geschlossen werden, in der Regel das raumseitige nach Innen und das äußere nach Außen, hat man bei der Doppelfenster-Variante Verbundfenster beide Flügelrahmen zu einer Konstruktionseinheit verbunden.

Praktisch ist, dass Sie zum Öffnen und Schließen des Verbundfensters beide Flügel wie einen bedienen. Als Öffnungsmechanismen sind bei Verbundfenstern

  • der Dreh-Mechanismus
  • der Drehkipp-Mechanismus und
  • der Kipp-Mechanismus

möglich. Es gibt Verbundfenster demnach als

  • Verbund-Drehfenster,
  • Verbund-Drehkippfenster und
  • Verbundkippfenster.

Verbundfenstertypen und ihre Eigenschaften

Mit dem massiven Aufkommen von Verbundfenstern nach dem Zweiten Weltkrieg setzten sich drei Verbundfenstertypen durch:

  • das Braunfenster
  • das Wagnerfenster
  • das Rekordfenster

Bei Großteils ähnlicher Konstruktionsweise unterscheiden sich die drei Verbundfenstertypen darin, wie weit die beiden Fensterflügel voneinander entfernt sind.

Beim Braunfenster (von der Firma Karl Braun in Augsburg, entwickelt 1930) ist der Abstand zwischen den beiden Flügeln 22 Millimetern groß. Der Außenflügel trägt Sonderbeschläge, darunter Mitnehmerkupplungen und Bremskupplungen. Beide Fensterflügel werden mit eigenen Beschlägen an den Rahmen angeschlagen. Aus diesen beiden Gründen ist das Braunfenster eigentlich eher den sogenannten Flachkastenfenstern zuzuordnen.

Beim Wagnerfenster (nach einem Entwurf des Architekten Ernst Wagner aus Stuttgart, entwickelt in der Zwischenkriegszeit / Interbellum), das dagegen als echtes Verbundfenster zählt, besteht zwischen den beiden einzelnen Fensterflügeln ein 2- bis 5-Millimeter großer Abstand. Heute werden Wagnerfenster auch regional als Synonym für Verbundfenster verstanden.

Das Rekordfenster (aus der Fensterwerkstatt Neuffer in Stuttgart, entwickelt 1913) schließlich hat eine möglichst dichte Presspassung mit Überfälzung.

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Vorteile und Nachteile von Verbundfenstern

Verbundfenster brachten den Bewohnern gute wärme- und schalldämmenden Eigenschaften und die Möglichkeit, den Scheibenzwischenraum (SZR) zu reinigen – drei Vorteile, die zu ihrer weiten Verbreitung beitrugen. Ihre robuste Konstruktionsweise und ihre gut und lange gut funktionierenden Mechanismen sind Verbundfenstern ebenfalls als Vorteile anzurechnen.

Als nachteilig wird einem klassischen Verbundfenster angekreidet, dass sich in seinem Scheibenzwischenraum Kondenswasser (Tauwasser) absetzt und einerseits den ungestörten Durchblick beeinträchtigte und andererseits die Bausubstanz des Fensters in Mitleidenschaft zog.

Das Kondenswasser entstand, weil sich feucht-warme Raumluft auf dem Weg durch die Fensterfugen und Spalten nach draußen im Scheibenzwischenraum an der kalten Innenseite der Außenscheibe niederschlug. Dass die Luft auch in den Scheibenzwischenraum vordringen konnte, liegt daran, dass man Verbundfenster bis in die 1960er-Jahre kaum mit Dichtungen baute.

Selbst die recht aufwendig gemachte Überfälzung der Rekordfenster konnte die Luft nicht davon abhalten, in den Scheibenzwischenraum zu gelangen, da die typischen Wechsel von Feuchtigkeitsgehalt in der Luft und Lufttemperatur die hölzerne Konstruktion formveränderten: Das Holz quoll auf oder zog sich zusammen (Schwund).

Erste Abdichtungsversuche waren zum Beispiel Dichtungsebenen, die aus Metallprofilen bestanden, die Hanfstreifen hielten. Diese Dichtung wurde ohne das heutige Wissen um die Bauphysik fälschlicherweise außenseitig am Fensterrahmen montiert – das verstärkte den Tauwassereffekt erst recht. Man lernte aus dem Fehler: Verbundfenster durften künftig nur auf der dem Raum zugewandten Seite abgedichtet werden.

Seit den 1980ern gibt es nur noch Verbundfenster, die mit sogenannten Dichtlippen ausgestattet sind. Außerdem wurde vorgeschrieben, dass zwischen den Fensterflügeln ein Mindestabstand von einem bis anderthalb Millimetern sein muss, um so eine Art Dauerbelüftung des Scheibenzwischenraums zu realisieren, die das Entstehen von Kondenswasser verhindern sollte. Denn dank der Innendichtung kam nur noch kalte Luft von draußen in den SZR.

Trotz der Vorschrift gelang es so manchem Hersteller von Verbundfenstern nicht, seine Produkte entsprechend abzudichten – so dass das Verbundfenster im Vergleich mit den aufkommenden Isolierglasfenstern in der Verbrauchergunst oft den Kürzeren zog.

Experten-Tipp: Wer ein Verbundfenster mit Holzrahmen hat, dass Undichten zeigt, kann die Holzleiste innen entfernen, den Bereich säubern und die Scheibe mit hochwertigem Silikon abdichten.

Gründe für den Einbau von Verbundfenstern

Es gibt im Wesentlichen zwei gute Gründe dafür, heute neue Verbundfenster anstelle von moderneren Iso-Fenstern einzubauen. Zum einen wird ein Verbundfenster den Anforderungen des Denkmalschutzes gerecht. Es kommt also beim Renovieren und Sanieren denkmalgeschützter Bauten zum Einsatz. Zum anderen steht das Verbundfenster nach wie vor für solides Fensterbauhandwerk.

Es lohne sich laut Denkmalschutz-Experten deshalb, historische Einfachfenster mit einem Flügel, der aufgesetzt wird, zu einem Verbundfenster umzurüsten. Das sei eine gute Alternative zu Kastenfenster- und Winterfenster-Konstruktionen. Auf diese Weise habe man hierzulande seit den 1960er-Jahren schon zahlreiche Einfachfenster energetisch aufgewertet. Das Aufsetzen eines extra Fensterflügels könne sowohl von innen als auch von außen erfolgen.

Hinzu käme die Möglichkeit, die Verglasung alter Verbundfenster zu optimieren – und die häufigen Einfachgläser mit modernen Scheiben zu ersetzen, die bessere Werte bei der Wärmedämmung, Schalldämmung und beim Sonnenschutz böten.

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