Letzte Aktualisierung: 24.10.2020

Ratgeber "Berliner Dach": Konstruktion, Ausbau und Sanierung

Was ist das Besondere an einem Berliner Dach? Welche Dachform hat es? Welche Varianten gibt es? Wo sind Berliner Dächer zu finden? Was bringt es an Vorteilen und welche Nachteile sind mit der Dachform verbunden?
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Das sogenannte "Berliner Dach“ ist mit seiner asymmetrischen Bauform prägend für den Baubestand aus der Gründerzeit im Großraum Berlin. Das Berliner Dach ist eine besondere Form des Pultdaches, das von der Straße und vom Hof durch verschiedene Steilabschrägung als Satteldach wahrgenommen wird, dazwischen aber als flach geneigtes Dach ausgebildet ist. Die aus Kosten- und Platzgründen ausgeführte optische Täuschung gelingt mit einer Steilabschrägung, die meist im Winkel von 60 Grad ausgeführt und mit Ziegeln eingedeckt wird.

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Berliner Dach – eine Dachform kurz vorgestellt

Als eine besondere Form des Pultdaches, das von der Straße und vom Hof durch verschiedene Steilabschrägung als Satteldach wahrgenommen wird, dazwischen aber als flach geneigtes Dach ausgebildet ist, ist das Berliner Dach prägend für den Baubestand an Wohngebäuden aus der Gründerzeit (von circa 1870 bis circa 1914) stammen. Doch das Berliner Dach ist nicht nur in Berlin zu finden, sondern auch in anderen deutschen Städten, zum Beispiel in Hamburg, Schwerin oder München.

Konstruktive Besonderheiten

Das Berliner Dach soll – zumindest von der Vorderseite des Gebäudes aus betrachtet – nach mehr aussehen, als es tatsächlich ist: Denn was von unten von der Straße wirkt wie ein Satteldach, teils sogar mit First, ist eigentlich ein speziell geformtes Pultdach auf einer Holzlattung.

Die optische Täuschung gelingt, weil das insgesamt leicht zur Gebäuderückseite geneigte Pultdach zur Straße hin recht steil abgeschrägt wird. Die Steilabschrägung wird meist in einem Winkel von 60 Grad ausgeführt. Es gibt aber auch Varianten des Berliner Dachs (siehe unten), wo der Winkel der Abschrägung nur 45 Grad beträgt.

Während die Fläche der Abschrägung teils mit Ziegeln eingedeckt oder gar mit Schmuckgiebeln versehen wird, ist der flache Teil des Berliner Dachs, also das eigentliche Pultdach, meist nur ein sogenanntes Holzzementdach, das mitunter sogar begrünt wird, so dass es ein Gründach bildet.

Expertenwissen: Ein Holzzementdach ist ein Vorläufer des Flachdachs aus dem 19. Jahrhundert. 1839 entwickelte der Böttchermeister Samuel Häusler das Holzzementdach, eine Konstruktion aus Öl- und Packpapier, das mit Pech oder Teer an Ort und Stelle mit einer hölzernen Verschalung (Holzschalung) verklebt und anschließen mit Sand und Kies bedeckt wurde. Dies tat man, einerseits, um die Dachhaut zu schützen, und andererseits, aus Gründen des Brandschutzes.

Gründe für optische Täuschung

Warum das Täuschungsmanöver, fragt man sich beim Berliner Dach zu Recht. Immerhin wird damit eine aufwendiger konstruierte und daraus resultierend hochwertigere Dachform vorgetäuscht, als tatsächlich gebaut wird. Die Antwort auf das „Warum“ ist ganz klar die: Die Bauherren wollten

  • ein Maximum an optischer Hochwertigkeit erzielen, sowohl in Form als auch Material,
  • möglichst viel Wohnraum ohne Schrägen unter dem Dach bekommen und
  • dabei noch möglichst kostensparend bauen.

Eine flache Konstruktionsweise, wie sie das Berliner Dach hat, lässt sich nämlich deutlich günstiger realisieren als ein klassisches Satteldach. Das Spitzdach ist schließlich höher und hat einen aufwendige(re)n Unterbau, um das Gewicht einer Volleindeckung mit Dachziegeln zu tragen. Für ein Satteldach wäre demnach ein Mehr an hochwertigerem Material sowie an Bauhandwerk nötig gewesen, was die Baukosten in die Höhe getrieben hätte.

Aufbau und Abgrenzung zu ähnlichen Dachformen

Das Berliner Dach ist ein Pultdach, das sich von der Frontseite des Gebäude, also in der Regel der der Straße zugewandten Seite, zur Rückseite, also der zum Hinterhof gewandten Gebäudeseite, leicht neigt. Zudem ist das Pultdach zur Straße hin abgeschrägt. Daraus ergibt sich eine asymmetrische bzw. unsymmetrische Dachform.

Die wird sogar im Klassiker „Handbuch des Hochbaues“ erwähnt, gleichwohl der Eintrag zum unsymmetrischen Dach die Bezeichnung „Berliner Dach“ nicht explizit erwähnt. Im genannten Handbuch heißt es, dass unsymmetrische Dachformen nur in Ausnahmefällen und nur bei eingebauten Häusern Verwendung finden sollten. Sie seien aus dem Bestreben entstanden, unter Umgehung der baupolizeilichen Vorschriften über Begrenzung der Gebäudehöhe im Dachraum noch eine vollständige Wohnung einzurichten und dabei die Hofseite um ein ganzes Stockwerk höher auszuführen.

Zu beachten ist beim Berliner Dach, dass die Gefahr groß ist, dass wegen der geringeren Neigung Nässe eindringt. Um dem entgegen zu wirken, ist es unerlässlich, die Fachregel für Abdichtungen, die sogenannte Flachdachrichtlinie, einzuhalten.

Bezug zum Mansardendach

Die Dachformen Mansardendach und Berliner Dach gehen teilweise ineinander über. Man könnte daher auch sagen, dass das Berliner Dach eine vereinfachte Ausführung der Dachform Mansardendach ist, die auch Mansarddach, Mansardgiebeldach und Mansardsatteldach genannt wird.

Dabei handelt es sich um Dächer, deren Dachflächen im unteren Bereich abgeknickt sind. Dadurch bekommt die untere Dachfläche eine wesentlich steilere Neigung als die obere, was extra (Wohn-)Raum unter dem Dach bringt.

Bezug zum Plattformdach

Im Vergleich zum Berliner Dach ist ein ihm ähnliches sogenanntes Plattformdach bzw. Altandach ein flach(er)es, wenig(er) geneigtes, sprich: wenig(er) unsymmetrisches Dach. Solch ein abgeplattetes Dach ist zumeist zum Begehen geeignet und wurde traditionell unter anderem mit Metall oder Asphalt eingedeckt.

An den Seiten ist ein Plattformdach typischerweise abgeschrägt, es vereint demnach quasi die beiden Dachformen Steildach (an den Rändern) und Flachdach (in der Mitte). Nach Otto Lueger muss die Plattform des gleichnamigen Dachs noch folgende Bedingung erfüllen: Die Höhe muss ein Zehntel bis ein Zwanzigstel seiner Weite betragen.

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Bautechnische Varianten vom Berliner Dach

Im Laufe der Zeit haben sich Varianten des Berliner Dachs entwickelt, deren bekannteste Formen wir im Folgenden kurz vorstellen:

Berliner Dach mit zwei Steilabschrägungen

Das klassische Berliner Dach hat an der Frontseite eine steile Abschrägung, weit verbreitete Varianten sind mit einer flacheren oder sogar einer zweiten Steilabschrägung von meist 45 Grad zur Hofseite hin und/ oder einem zusätzlich angetäuschten Satteldachfirst ausgeführt.

Berliner Dach mit Steilabschrägung über zwei Stockwerke

Es gibt ebenso Varianten vom Berliner Dach, deren Steilabschrägung über zwei Stockwerke hinweg reicht. Damit signalisiert man die strukturelle Zusammengehörigkeit der beiden Stockwerke unter dem Berliner Dach und grenzt diese zugleich zumindest optisch vom Rest des Wohnhauses ab. Das macht zum Beispiel Sinn, wenn die Maisonette unter dem Berliner Dach optisch besonders hervorgehoben werden soll.

Besonderheiten bei Ausbau & Sanierung

Um bei einem Dachausbau oder einer Sanierung sowohl den konstruktiven Anforderungen eines Berliner Daches als auch den Anforderungen des modernen Bauens (Wohngesundheit, Brand,- Hitze- und Schallschutz) gerecht zu werden, kommen unterschiedliche Techniken und Materialien zum Einsatz. Dies stellt hohe Anforderungen an den planenden Architekten und die ausführenden Firmen.

Während die Steildachsanierung mit ökologischen Dämmstoffen inzwischen zu den Standardkonstruktionen gehört, liege laut Experten der Schlüssel zum Erfolg bei flach geneigten Dächern darin, die positiven Eigenschaften verschiedener Dämmstoffprodukte miteinander zu kombinieren: geschäumte oder mineralische Dämmstoffe für den Brandschutz, Holzfasern für Schall- und Hitzeschutz. Dabei werde der Taupunkt des Berliner Daches aus der Holzfaserebene verlagert, indem diese ausreichend überdämmt wird.

Um unbelüftete Flachdächer nutzbar zu machen, können über einer feuchtevariablen Dampfbremse Holzfaser-Einblasdämmstoffe eingesetzt werden. Feuchtevariable Dampfbremsen ändern im Gegensatz zu konventionellen Dampfbremsen ihren Dampfdiffusionswiderstand in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit. Eine feuchtevariable Dampfbremse sorgt so für das optimale Feuchteverhalten in der gedämmten Konstruktion und unterstützt die notwendige Rücktrocknung etwaiger Feuchte im Dämmstoff und in der Gefachebene.

Der neue Schichtaufbau des Flachdachbereiches des Berliner Daches kann nach oben von einer bauaufsichtlich zugelassenen OSB-Platte und einer bituminösen Dampfsperre abgeschlossen werden. Darauf kann eine PIR Überdämmung der OSB-Platte die brandschutztechnisch geforderte „harte Bedachung“ herstellen, gefolgt von einer zweilagigen bituminösen Abdichtung. In dieser Kombination wäre auch eine Bekiesung oder ein Gründach möglich.

Nach innen kann der Berliner Dachaufbau mit einer Gipskartonlage auf Konterlattung geschlossen werden.

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