Letzte Aktualisierung: 08.01.2021

Effizienzhaus 55: Technik & Kosten im Vergleich

Was ist ein Effizienzhaus 55? Welche Anforderungen müssen erfüllt werden? Welche Heizung-Kombinationen sind zugelassen? Welche Zuschüsse gibt es?
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Das Effizienzhaus 55 - früher auch "KfW 55" genannt - ist ein Baustandard – für einen energieoptimierten Neubau bzw. Altbau nach Sanierung. Er gilt heute seit 2021 sowohl für Wohngebäude (WG) als auch für Nichtwohngebäude (NWG). Wer ein Effizienzhaus baut, kann mit einem staatlichen Zuschuss (BAFA oder KfW) rechnen, der umso höher ausfällt, je höher der energetische Standard ist, dem das Gebäude gerecht wird. Die verschiedenen Stufen der Energieeffizienz werden mit Kennzahlen angegeben: Ein Effizienzhaus 55 benötigt 55 Prozent der Energie eines Referenzgebäudes (früher "KfW-100"), das den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (früher: Energieeinsparverordnung (EnEV)) entspricht.

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Was versteht man unter einem Effizienzhaus "55"?

Den Begriff „Effizienzhaus“ wurde ursprünglich von der Kreditanstalt für Wiederaufbau eingeführt: Er ist ein Energiestandard für Wohn- und Nichtwohngebäude, die dank energieeffizienter

  • Bauweise und
  • Gebäudetechnik

auf eine höhere Energieeffizienz kommen, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Daher wird dieser Baustandard auch finanziell gefördert, um so einen Anreiz zu geben, von vornherein höhere Kosten in Kauf zu nehmen, um ein Haus zu bauen bzw. einen Altbau energetisch zu sanieren, das dann sehr wenig Primärenergie bedarf.

Die Energieeffizienz eines Gebäudes wird mit dem

Der Transmissionswärmeverlust ist abhängig von der Wärmedämmung des Gebäudes, der Jahresprimärenergiebedarf ist darauf aufbauend, mittelbar abhängig, ob fossile oder erneuerbare Energieträger zur Wärmeversorgung eingesetzt werden.

Unterschieden werden die Standards für Effizienzhäuser als Wohngebäude in solche für

  • Neubauten und solche für
  • Bestandsgebäude ("Altbau").

Nichtwohngebäude werden in der seit 2021 geltenden „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) als "Effizienzgebäude" bezeichnet und sind seither ebenfalls als Effizienzhaus 55-Neubau als auch Effizienzhaus 55-Sanierung förderfähig.

Sowohl für den Transmissionswärmeverlust als auch für den Jahresprimärenergiebedarf schreibt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) Kennwerte vor, die dazu dienen, für jeden Bau und jede Sanierung Werte für ein sogenanntes Referenzhaus zu berechnen. Diesen Kennwerten wiederum lassen sich staatliche Förderungen zuordnen, die seit 2021 als Zuschuss über das BAFA und als Förderkredit mit Tilgungszuschuss von der Kreditanstalt für Wiederaufbau umgesetzt werden.

Das jeweilige Referenzhaus ist von derselben Geometrie, Nutzfläche und Ausrichtung wie das zu erstellende Gebäude. Für jedes seiner Bauteile, darunter Wand, Decke, Fenster, Tür, werden Referenzwerte der EnEV herangezogen.

Tabelle 1: Überblick über Effizienzhäuser nach BEG seit 2021
Effizienzhaus-Standard Gebäude Primärenergie-bedarf Transmissions-wärmeverlust Besonderheiten
Effizienzhaus 40plus Neubau 40 % 55 % Das Effizienzhaus 40plus-Haus muss 60 % weniger Energie als das Referenzhaus verbrauchen, darüber hinaus muss ein Effizienzhaus 40 Plus aber auch selbst Strom erzeugen und speichern – dafür steht das Plus.
Effizienzhaus 40 Neubau / Altbau 40 % 55 % Das Effizienzhaus 40 reduziert den Effizienzhaus-100-Standard, dem Neu- und Altbauten nach "Effizienzhaus 100" entsprechen um 60 %. Ein Effizienzhaus-40 benötigt also 60 % weniger Primärenergie im Jahr als ein Effizienzhaus 100.
Effizienzhaus 55 Neubau / Altbau 55 % 70 % Ein Effizienzhaus 55 hat einen jährlichen Bedarf an Primärenergie, der nur 55 Prozent eines Referenzgebäudes beträgt.Damit ein Effizienzhaus 55 den geforderten Standard entsprechen kann, bedarf es verschiedener bau- und haustechnischer Maßnahmen.
Effizienzhaus 70 Altbau 70 % 85 % Das Effizienzhaus 70 steigert die Energieeffizienz durch einen 30 Prozent geringeren Verbrauch. Es gilt seit 2021 nur noch für Altbauten.
Effizienzhaus 85 Altbau 85 % 100 % Effizienzhäuser 85 dürfen einen Jahres-Primärenergiebedarf (Qp) von höchstens 85 Prozent und einen spezifischen Transmissionswärmeverlust (H'T) von höchstens 100 Prozent der gemäß GEG zulässigen Höchstwerte nicht überschreiten.
Effizienzhaus 100 Altbau 100 % 115 % Für Häuser mit geringem Energiebedarf wurde der Begriff Effizienzhaus eingeführt. Das Effizienzhaus 100 (Niedrigenergiehaus) ist per Definition im GEG das Standardhaus. Gefördert werden nur Altbausanierungen.
Effizienzhaus Denkmal Altbau 160 % - Das Effizienzhaus Denkmal ist die Bezeichnung für die energetische Sanierung von Denkmalen und sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz. Gefördert wird die Komplettsanierung zum Effizienzhaus Denkmal.

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Was ist das Effizienzhaus 55 EE und NH?

Das Effizienzhaus 55 gibt es im Neubau in den Sonderformen „EE“ und „NH“, im Altbau gibt es das Effizienzhaus 55 nur als „EE“. Aber was bedeuten diese Begriffe eigentlich?

Das Effizienzhaus EE ist eine besondere Zusatzbezeichnung für einige Effizienzhäuser. Sie kann beim Neubau als auch bei einer Altbausanierung erreicht werden, wenn erneuerbare Energien einen Anteil von mindestens 55 Prozent des für die Wärme- und Kälteversorgung des Gebäudes erforderlichen Energiebedarfs erbringen.

Dazu können folgende Arten der Wärmeerzeugung verwendet werden:

  • Nutzung von Solarthermie
  • Eigene Erzeugung und Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien zur Wärmeerzeugung, ausgenommen Stromdirektheizungen auf der Basis von Festkörperwärmespeichern
  • Nutzung von Geothermie / Umweltwärme / Abwärme aus Abwasser mittels Wärmepumpe
  • Verfeuerung fester Biomasse
  • Verfeuerung gasförmiger Biomasse
  • Anschluss an Fernwärme, die zu mehr als 55% durch die vorgenannten Arten der Wärmeerzeugung erzeugt wird.

Die Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien können nach den Vorgaben des § 34 GEG kombiniert werden.

Das „NH-Paket“, das es nur im Neubau eines Effizienzhaus 40 und 55 gibt, kann nur anstelle eines Effizienzhaus 55 EE gebaut werden. Es sieht vor, dass die akkreditierte Zertifizierungsstelle mit einer Nachhaltigkeitszertifizierung die Übereinstimmung der Maßnahme mit den Anforderungen des Qualitätssiegels „Nachhaltiges Gebäude" des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) bestätigt. Für detaillierte Anforderungen an die Nachhaltigkeitszertifizierung eines Effizienzhaus 55 NH siehe: www.nachhaltigesbauen.de.

Effizienzhaus 55 – die konkreten energetischen Anforderungen

Der Standard Effizienzhaus 55 gilt sowohl für

  • Neubauten als auch für die
  • Sanierung von Bestandsimmobilien.

Der jährliche Bedarf an Primärenergie eines Effizienzhaus 55 darf in beiden Fällen dann nur 55 Prozent eines vergleichbaren Neubaus betragen. Folgende Maßnahmen eines Gesamtkonzeptes können Option darstellen, um dem Effizienzhaus-55-Standard gerecht zu werden:

Mögliche Heiz- und Haustechnik

Im Bereich der Heizwärmeversorgung werden zur Erreichung eines 55er-Standards u.a. folgende Erzeuger einzeln oder in Kombination miteinander eingesetzt werden:

Tabelle 2: Überblick über Heiz- und Haustechnik-Kombinationen zur Erreichung des Effizienzhaus-55-Standards (Quelle: BDEW-Heizkostenvergleich Neubau 2016)
Variante Heizung Lüftung
01 Gas-Brennwertgerät mit Solaranlage (Kollektorfläche 13,7 m2) mit bivalentem Solarspeicher (400 Liter) Zu-/ Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung (Wärmebereitstellungsgrad 80%, geregelter DC-Ventilator)
02 Sorptions-Gas-Wärmepumpe mit Solaranlage (Kollektorfläche 7,2 m2) mit bivalentem Solarspeicher (330 Liter) Zu-/ Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung (Wärmebereitstellungsgrad 80%, geregelter DC-Ventilator)
03 Öl-Brennwert-Gerät mit Solaranlage (Kollektorfläche 13,7 m2) mit bivalentem Solarspeicher (400 Liter) Zu-/ Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung (Wärmebereitstellungsgrad 80%, geregelter DC-Ventilator)
04 Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Pufferspeicher (200 Liter) und indirekt beheiztem Trinkwasser-Speicher (300 Liter) Zentrale Abluftanlage (bedarfsgeführt (n=0,35 h-1) mit geregeltem DC-Ventilator
05 Abluft/Luft-Wasser-Wärmepumpe (RLT-Kompaktgerät) mit indirekt beheiztem Speicher (235 Liter) Zu-/ Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung (Wärmebereitstellungsgrad 80%, geregelter DC-Ventilator)
06 Nah-/ Fernwärmeübergabestation mit indirekt beheiztem Speicher (150 Liter) Zu-/ Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung (Wärmebereitstellungsgrad 80%, geregelter DC-Ventilator)
07 Pelletkessel, Pufferspeicher (200 Liter) und indirekt beheiztem Speicher (200 Liter) Zentrale Abluftanlage (bedarfsgeführt (n=0,35 h-1) mit geregeltem DC-Ventilator

Um die so erzeugte Wärme so gut es geht auszunutzen, werden u.a. folgende Haustechnik und Wärmedämmungen empfohlen:

Beispiel-Kombinationen

Infolge des damit geringen Wärmeverlustes des Effizienzhaus 55 braucht man kaum Heizenergie – das Haus wird Großteils passiv beheizt, also mit der von Bewohnern und Geräten darin abgegebenen Wärme sowie mit passiven Solarerträgen. Lediglich zur Brauchwassererwärmung und in den Übergangsmonaten und im Winter bedarf es eines Energieeinsatzes, um das Gebäude zu beheizen.

Tabelle 3: Beispiele für Kombinationen von Bau- und Haustechnik in der Effizienzhaus 55-Klasse
Gebäudehülle Haustechnik Option 1 Haustechnik Option 2 Haustechnik Option 3
Außenwanddämmung 18 cm Gas-Brennwertheizung Sole-Wasser Wärmepumpe Holzpellet- oder Biomasseheizung oder Wärmepumpe
Dachdämmung 24 cm Solaranlage zur Trinkwassererwärmung mit 20 % Heizungsunterstützung Solaranlage zur Trinkwassererwärmung Warmwasser zentral
Kellerdeckendämmung 10 cm Lüftungsanlage mit 80 % Wärmerückgewinnung Lüftungsanlage mit 80 % Wärmerückgewinnung
Neue Fenster mit Dreifachverglasung und Spezialrahmen

Lohnt sich ein Effizienzhaus 55?

Kosten-Vergleich

Für das Effizienzhaus 55 müssen Sie im Schnitt für den zusätzlichen baulichen Wärmeschutz, eine energieeffizientere Anlagentechnik als auch eine fachliche Begleitung bei der Planung mit Mehrkosten von rund 10 Prozent rechnen.

Die KfW hat 2016 die Mehrkosten eines 55-Hauses (Jahres-Primärenergiebedarf: 55% / Transmissionswärmeverlust: 70%*) mit denen eines "normalen" Einfamilienhauses auf dem Neubauniveau 2016 (Jahres-Primärenergiebedarf: 75% / Transmissionswärmeverlust: 100%) berechnet.

Insgesamt ergeben sich für ein Effizienzhaus 55 Einfamilienhaus mit 235 m2 Nutzfläche, beheiztem Keller und Gas-Brennwert-Kessel Mehrkosten von 12.700 Euro.

Tabelle 4: Vergleich der Investitionsmehrkosten eines 55-Effizienzhauses gegenüber einem EnEV-Neubau 2016*
Kosten Neubauniveau 2016 Kosten KfW-Effizienzhaus 55 Mehrkosten KfW 55
Schrägdach 13.000 € 16.200 € 3.200 €
Kehlbalkendecke 6.900 € 8.600 € 1.700 €
Außenwand 23.200 € 24.300 € 1.100 €
Fassadenfenster 8.200 € 9.000 € 800 €
Außentür 1.000 € 1.000 € 0 €
Keller-Außenwand 13.700 € 14.000 € 300 €
Keller-Boden an Erdreich 13.600 € 14.100 € 500 €
Wärmebrücken 0 € 1.600 € 1.600 €
Kosten Wärmedämmung79.600 €88.800 €9.200 €
Gas-Brennwertanlage 15.000 € 15.000 € 0 €
Solarthermie für Trinkwassererwärmung 7.400 € 7.400 € 0 €
Zu- und Abluftanlage mit WRG 8.700 € 8.700 € 0 €
Kosten Heiz- und Haustechnik31.100 €31.100 €0 €
Energetische Fachplanung 0 € 3.500 € 3.500 €
Gesamtkosten110.700 €123.400 €12.700 €

Zuschuss-Höhe & Zusatzboni

Wer ein neues Haus baut oder sein Haus energetisch auf ein 55er Standard saniert, der kann seit der Einführung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) in 2021 von der KfW zinsgünstige Kredite mit Tilgungszuschuss oder vom BAFA einen direkten Zuschuss erhalten.

Tabelle 5: Überblick über die Zuschüsse für ein Effizienzhaus 55 innerhalb der BEG-Förderung ab 2021h eines Hausbankdarlehens mit einem KfW-Darlehen für ein KfW 55 Haus im Programm Energieeffizient Bauen*
BEG-Förderung Effizienzhaus 55 (Neubau) Effizienzhaus 55 (Altbau)
Zuschuss 15% 40%
Effizienzhaus EE + 2,5% + 5%
Effizienzhaus NH* + 2,5% -
iSFP-Bonus** - + 5%
Maximaler Zuschuss17,5%50%

* Auch wenn ein Vorhaben zugleich eine „Effizienzhaus EE“- und eine „Effizienzhaus NH“- Klasse erreicht, erhöht sich der Prozentsatz nur einmal um 2,5 Prozentpunkte.

** Wird mit der geförderten Maßnahme ein im Förderprogramm „Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude“ geförderter individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) innerhalb eines Zeitraums von maximal 15 Jahren nach Erstellung des iSFP vollständig umgesetzt und mindestens die dort als individuelles Ziel definierte Effizienzhaus-Stufe erreicht, so erhöht sich der für diese Effizienzhaus-Stufe vorgesehene Fördersatz um zusätzliche fünf Prozentpunkte (iSFP-Bonus).

Wirtschaftlichkeit

Ein Effizienzhaus 55 spart gegenüber dem Referenzhaus 100 rund 45 Prozent Energie. In einer Beispielrechnung der KfW aus 2016 ergibt sich für ein Einfamilienhaus mit 235 m2 Nutzfläche, beheiztem Keller und Gas-Brennwert-Kessel eine Energiekostenersparnis von rund 300 Euro pro Jahr.

Lässt man Energiepreissteigerungen außen vor, so ergibt sich eine Amortisationsdauer von 10 Jahren, wenn man die frühere KfW Förderung (Tilgungszuschuss + Zinsvorteil) in Anspruch nimmt. Ohne Förderung würden sich die Mehrinvestitionen in ein Effizienzhaus 55-Haus nicht lohnen, die Amortisationsdauer betrüge hier 42 Jahre.

Tabelle 6: Vergleich der Wirtschaftlichkeit der Mehr-Kosten eines KfW 55-Effizienzhauses*
KfW-Effizienhaus 55
Investitionsmehrkosten gesamt 12.700 €
Gesamtförderung 9.850 €
Jahrliche Energieersparnis 300 €
Statische Amortisationszeit (mit Förderung) 10 Jahre
Statische Amortisationszeit (ohne Förderung) 42 Jahre

* Quelle: "Musterberechnung zur Wirtschaftlichkeit des KfW-Effizienzhaus 55 im Programm Energieeffizient Bauen" - Stand: 01.10.2016

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