Letzte Aktualisierung: 04.05.2020

Mineralwolle: Dämmstoff-Eigenschaften & Anwendungen

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Woraus besteht Mineralwolle? Wie wird sie hergestellt? Welche Eigenschaften bringt sie als Dämmstoff mit? In welchen Anwendungen kommt sie zum Einsatz? Wie viel kostet Mineralwolledämmstoff?
  • Mineralwolle ist ein Oberbegriff für mineralische Wolle, insbesondere Stein- und Glaswolle, und ist einer der am häufigsten genutzten Dämmstoffe zum Wärme-, Schall- und Brandschutz.
  • Mineralwolle brennt nicht, weist Wasser ab, hat eine lange Lebensdauer und ist leicht als weicher und formbarer Mineralwolle-Vlies und als festgepresste Mineralwolle-Dämmplatten zu verarbeiten.
  • Mit Mineralwolle lassen sich verschiedene Dämmprojekte realisieren, z. B. das Dämmen von Schräg- und Flachdächern, Fassaden, Innen- und Trennwänden, Decken und Böden oder auch technische Isolierungen.

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Rohstoffe, Herstellung und Lieferformen

Mineralwolle oder mineralische Wolle ist ein Werkstoff, der aus künstlich hergestellten mineralischen Fasern besteht. Als Ausgangsstoffe kommen sowohl Schlacken (Hochofenschlacken) als auch Stein und Glas zum Einsatz. Zu den wichtigsten Arten gehören:

Neben Stein- und Glaswolle ist seit einigen Jahren auch so genannte Hybridwolle als Dämmstoff erhältlich, welche die positiven Eigenschaften der Glas- und Steinwolle vereint.

Rohstoffe

Unterschiede bestehen in den Rohstoffen sowie den Eigenschaften der Fasern und der nichtfaserigen Bestandteile:

  • Die wesentlichen Rohstoffe für die Steinwolle-Herstellung sind Dolomit, Scherben und Sand (jeweils ca. 20-30 Masse-%) sowie Eisenoxid und Zement (jeweils ca. 5-15 Masse-%).
  • Zur Herstellung von Glaswolle werden Scherben (50-70 Masse-%), Sand (10-20 Masse-%), Soda (5-15 Masse-%) und Borax (5-10 Masse-%) eingesetzt.

Herstellung

Um Mineralwolle herzustellen, nutzt man die drei Herstellungsgrundverfahren:

  • Ziehverfahren,
  • Blasverfahren und
  • Schleuderverfahren,

die mitunter auch kombiniert werden zum Schleuder-Ziehverfahren oder Schleuder-Blasverfahren.

Zur Dämmstoffherstellung werden die Rohstoffe in Schmelzwannen geschmolzen und mit Hilfe eines so genannten Düsenschleuderverfahrens zerfasert. Die Rohstoffe werden dabei bei Temperaturen von 1.200 bis 1.600 Grad Celsius geschmolzen.

Zur Bindung der Fasern wird unmittelbar nach dem Zerfaserungsaggregat Phenol-Formaldehydharz auf die Fasern gesprüht. Die mit Bindemittel beaufschlagten Fasern werden zur Vliesbildung auf einem Transportband abgelegt. In Tunnelöfen wird das Bindemittel mittels Heißluft ausgehärtet.

Platten, Rollen oder Matten

Je nach Lieferform sind

  • Platten,
  • Rollen oder
  • (Filz-)Matten

in handelsüblichen Dicken zwischen 12 und 240 mm erhältlich. Das Material wird kaschiert und unkaschiert angeboten. Mineralwolle-Filzmatten sind je nach Anwendung dann z. B. mit Bitumenpappe kaschiert oder mit Alufolie versteppt.

Mineralwolle-Vlies wird zum Verlegen zwischen bituminösen Dichtungs- und Dachbahnen eingesetzt.

Mineralwolle-Matten gibt es entweder versteppt auf verzinktem Drahtgeflecht oder auf Edelstahl-Drahtgeflecht. Oder Mineralwolle-Matten, entweder halbsteif oder steif zu Keilen geschnitten, um Zwischensparren zu dämmen.

Auch gibt es Mineralwolle-Filzlamellen, die mit mineralhaltiger Farbe beschichtet wurden, damit Putz besser auf ihnen haftet. Oder Mineralwolle-Filzplatten mit Vliesbeschichtung.

Mineralwollefasern und -flocken

Ebenfalls gibt es lose Mineralwollefasern, die als Stopfwolle verpackt in Säcken (gerupft, Verschnitt) zum Ausstopfen von Hohlräumen verwendet werden können. Hautkontakt kann zu vorübergehenden, kurzzeitigen Einwirkungen auf die Haut führen (Juckreiz). Mineralwolle-Flocken werden oft als Dämmstoffe für Einblasdämmungen, mit denen Hohlräume und Hohlschichten gefüllt werden.

Thermische, bauphysikalische und technische Dämmstoff-Eigenschaften

Mineralwolle bringt viele gute thermische, bauphysikalische und technische Eigenschaften als Dämmstoff mit. So ist

  • die Wärmeleitfähigkeit natürlich sehr niedrig,
  • der Dämmstoff lässt sich leicht verarbeiten,
  • er ist nicht brennbar und zudem
  • beständig gegen Schimmel, Fäulnis und Ungeziefer.

Jedoch unterscheiden sich die beiden Mineralwolle-Dämmstoffe Glas- und Steinwolle auch in wichtigen, materialspezifischen Dämmstoffeigenschaften.

Tabelle: Dämmstoff-Eigenschaften von Mineralwolle im Überblick
Dämmstoff-Eigenschaften Steinwolle Glaswolle
Wärmeleitfähigkeit λ 0,035 bis 0,050 W/(mK) 0,035 bis 0,050 W/(mK)
spezifische Wärmekapazität c 840 bis 1.000 J/(kg·K) 840 bis 1.000 J/(kg·K)
Rohdichte ρ 22 bis 200 kg/m3 20 bis 153 kg/m3
Wasserdampfdiffusionswiderstand μ 1 bis 2 1 bis 2
Baustoffklasse nach DIN 4102 A1 / A2 A1 / A2
Primärenergieverbrauch (Herstellung) 150 bis 400 kWh/m3 250 bis 500 kWh/m3

Wärme- und Kälteschutz

Steinwolle kommt zwar mit einer geringeren Temperaturleitfähigkeit daher als Glaswolle und gibt somit die tagsüber aufgenommene Wärme später an die darunterliegende Bausubstanz ab als Glaswolle, aber insgesamt ist der sommerliche Hitzeschutz bei einer Mineralwolle-Dämmung eher schlecht als recht. Der Kälteschutz dagegen ist effektiv!

Glaswolle hat bei gleicher Rohdichte tendenziell eine niedrigere Wärmeleitfähigkeit. Steinwolle bringt mit bis zu 200 Kilogramm pro Kubikmeter (kg/m3) mehr Rohdichte, sprich: Gewicht, auf die Waage als Glaswolle: Für das Dämmen bedeutet das, dass eine Dämmung aus Steinwolle bei gleicher Dämmleistung schwerer ist als eine aus Glaswolle.

Brandschutz

Ihre hohe Temperaturbeständigkeit macht Mineralwolle geeignet für Abschottungen und zur Dämmung von Tragwerken: Werden nicht feuerwiderstandsfähige Tragwerke aus Stahl oder Holz errichtet, ist eine Abschottung mit Mineralwolle aus Brandschutzgründen mitunter unumgänglich.

Grundsätzlich gilt Mineralwolle wie eingangs erwähnt als nicht brennbar:

  • Steinwolle gilt bis zu Temperaturen um die 1.000 °C als temperaturbeständig.
  • Glaswolle dagegen hat eine Temperaturbeständigkeit von etwa 700 °C.

Schalldämmung

Der Dämmstoff Mineralwolle entfaltet mit seiner offenporigen Struktur eine vielfältige und sehr hohe Schalldämmung-Wirkung. Zum einen mindern mit Mineralwolle gedämmte Dächer und Fassaden Außenlärm und erreichen – je nach Dicke und Aufbau – Schalldämmwerte von über 50 dB (RW-Wert).

Auch im Innenraum wirkt die Absorption von Geräuschen durch Mineralwolle sehr positiv: Eine Minderung lauter Geräusche um 10 dB wird als halb so laut wahrgenommen. Dies macht man sich auch im gewerblichen Bereich zu nutze. Einkaufen in ruhiger Atmosphäre bringt mehr Umsatz!

Feuchteschutz

Eine Mineralwolle-Dämmung trägt zu einem guten Feuchteschutz bei, da sie wasserabweisend, kapillar inaktiv und diffusionsoffen ist. Das heißt, dass Regenwasser, das während der Bauphase auf die Oberfläche auftrifft, am Dämmstoff abperlt. Wasser kann somit nicht in den Querschnitt des Dämmstoffes eindringen und gespeichert werden. Und auch Rest- bzw. Baufeuchte in der Konstruktion kann durch die Diffusionsoffenheit der Mineralwolle innerhalb kurzer Zeit wieder austrocknen (sofern es der Rest der Konstruktion zulässt).

Verarbeitung

Bei der Verarbeitung fällt auf, dass Glaswolle elastisch ist, Steinwolle kaum bis gar nicht. Ganz wichtig: Steinwolle ist biolöslich in der menschlichen Lunge und stellt keine Gesundheitsgefahr.

Da der Hautkontakt mit Mineralwolle zu Irritationen führen kann, ist eine entsprechende Arbeitskleidung sinnvoll. Alle namhaften Hersteller haben daher Piktogramme auf den Verpackungen, die dazu entsprechende Empfehlungen geben.

Die wichtigsten Mineralwolle-Dämmungen im Überblick

Außendämmung

Zur Dämmung der Außenwände können Dämmplatten aus Mineralwolle eingesetzt werden. Ein solches Wärmedämmverbundsystem aus Mineralwolle hat verschiedene Vorteile: Mineralwolle ist im Gegensatz zu EPS-Platten nicht brennbar und diffusionsoffen.

So kann Feuchtigkeit von innen nach außen transportiert werden, was das Schimmel-Risiko deutlich senkt. Da sich mit der WDVS-Dämmung aus Mineralwolle an den Außenwänden zugleich die Temperatur an deren Innenseiten erhöht, trägt Stein- bzw. Glaswolle auch zu einem angenehmen Innenraumklima bei.

Innendämmung

Zur Innendämmung können Dämmplatten aus Mineralwolle auf den Innenwänden oder auch zur Dämmung von Ständerwerken genutzt werden. Diese können auch schall- und wärmetechnisch entkoppelt und mit einer zusätzlichen Installationsebene ausgestattet werden.

Wenn die Außenwand ausreichend schlagregensicher ist, keine aufsteigende Feuchtigkeit die Wand belastet und eine raumseitige Dampfbremselückenlos luftdicht eingebaut wird, ist eine Innendämmung mit Mineralwolle eine dauerhafte und effiziente Dämm-Maßnahme.

Deckendämmung

Mit Mineralwolle lassen sich auch sehr effektiv Keller- und oberste Geschossdecken dämmen. Soll der Dachboden nicht begangen werden, eignet sich z. B. Dämmfilz. Soll der Dachboden begeh- und belastbar sein, um etwa als Abstell- oder Lagerraum genutzt zu werden, sind die druckfeste Dämmplatten empfehlenswert.

Dabei muss bei der Verlegung auf einer Holzbalkendecke auf den Einbau einer durchgehend luftdichten und diffusionshemmenden Schicht unterhalb des Mineralwolle-Dämmstoffs geachtet werden, um Luftdichtigkeit und ausreichenden Diffusionswiderstand zu gewährleisten. Die Randanschlüsse und die Anschlusse an aufgehende Bauteile sind dabei besonders sorgfältig auszuführen.

Eine Kellerdeckendämmung mit Mineralwolle-Platten ist diffusionsoffen und eignet sich auch für den Einsatz in Räumen mit erhöhter Luftfeuchtigkeit. Neben einem hochwertigen Wärme- und Brandschutz bieten sie eine gute Schallabsorption. Die Kellerdeckendämmung mit häufig Steinwolle ist einfach einzubauen, die Platten werden in unterschiedlichen Stärken geliefert und lassen sich fugenlos verlegen.

Dachdämmung

Mineralwolle bei der Dämmung eines Steildaches wie z.B. Klemmfilz hat den Vorteil, dass sie flexibel ist, sich an Unebenheiten anpassen und leicht fugenlos verlegen lässt. Eine Zwischensparrendämmung kann man so einfach selbst durchführen. Eine Dampfbremsfolie stellt die erforderliche Luftdichtheit sicher. Sie schützt zudem vor raumseitig in die Konstruktion eindringende Feuchtigkeit.

Da Mineralwolle in beide Richtungen dämmt, bleibt die Sommerhitze draußen. Schlafen unterm Dach wird im Sommer viel angenehmer. Auch im Winter spürt man keine Zugluft mehr und die Dachschrägen sind nicht mehr so kalt. Hinzu kommen der gute Schallschutz, der einen ruhig schlafen lässt. Und der Brandschutz, der einen sicher schlafen lässt. Auch für Flachdächer bei mechanischer Befestigung oder Verklebung eignet sich eine druckbelastbare bzw. komprimierbare Dämmung aus Mineralwolle.

Hohlraumdämmung

Mineralwolle eignet sich neben Zellulose auch

Bei z. B. einer Einblasdämmung werden flocken- oder granulatförmige Dämmstoffe, zum Beispiel Steinwollflocken, mit einer speziellen Maschinentechnik aufbereitet und in die Konstruktion eingeblasen. Die Flocken werden dabei fugenlos und gleichmäßig auf bzw. in die zu dämmende Konstruktion eingebracht. Unebenheiten des Untergrunds können problemlos ausgeglichen werden.

Preise für Mineralwolle-Dämmstoffe im Überblick

Preise für Mineralwolle kann man nicht pauschal nennen, denn die Vielfalt an Lieferformen des Dämmmaterials ist dafür zu groß. In der Vorkalkulation eines Dämmprojekts können aber folgende Richtpreise evtl. weiterhelfen:

Tabelle: Beispiel-Preise für Mineralwolle-Dämmstoffe
Mineralwolle-Dämmstoff Beispiel-Preise
Putzträgerplatten 16 €/m2
Kellerdecken-Dämmplatten 14 €/m2
Zwischensparren-Dämmplatten 6 €/m2
Bodendämmplatten 4 €/m2
Lose Wolle für Hohlräume 0,50 €/ Liter
Zwischensparren-Klemmfilz 3,50 €/m2

Wenn Sie beispielsweise Ihre Fassade mit Mineralwolle dämmen möchten, müssen Sie mit einem Quadratmeterpreis von etwa 15 Euro/ m2 für geeignete Putzträgerplatten rechnen. Hinzu kommen noch die Kosten für Hilfsstoffe und Arbeitskosten für die Anbringung eines Mineralwolle-WDVS. Diese liegen dann insgesamt bei gut bei 35 Euro pro m2, sodass man ganz überschlägig mit rund 50 Euro pro m2 WDVS mit Glas- oder Steinwolle rechnen kann.

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